Das Heilmittel gegen Reseller oder Betrug?

Sind Bilddateien die Antwort auf Bots?

Der Zupport Store aus Trier wehrte sich jüngst gegen Reseller mit Bots, indem sie, getreu dem Modell von Bonkers aus Frankfurt, Bilddateien anstelle vom Release hochladen. Der Aufschrei ist groß und es wird diskutiert, ob der Store damit seine Kunden betrogen oder Reseller einen Denkzettel verpasst hat. Lass uns diskutieren!

Was sind Bots?

Was früher einmal bei manchen NikeLab– und Supreme-Releases die Ausnahme war, ist heute traurige Realität. Gefühlt jeder zweite nutzt Bots, oder hat zumindest schon einmal einen ausprobiert. Das Prinzip dahinter ist recht simpel: es ist eine Art Software, die bestimmte Seiten nach Keywords scannt und dann automatische Befehle ausführt. Da hätten wir zum Beispiel autzomatisches Aktualisieren der Seite, Auto-Check-In und natürlich auch Auto-Check-Out. Besonders “Gewinn-orientierte” Reseller haben sogar Bots, die es ihnen erlauben, mehrere Paare zu kaufen. Dadurch, dass heutzutage so viele Bots ihr Unwesen treiben, crashen regelmäßig die Server diverser Stores, was in seiner Summe mit hohen Kosten auf der einen und großer Frustration seitens Kunden und Store-Betreibern auf der anderen Seite verbunden ist.

Welche Rolle tragen die Stores?

Genau wie überall anders im Einzelhandel, gilt auch in Sneakerstores: der Kunde ist König! Völlig egal wie wahnsinnig oder komplex ein Release auch sein mag, der Store muss stets im Interesse seiner Kundschaft handeln. Darunter zählt auch, seinen Käufern den Zugang zu ihren Produkten zu ermöglichen. Nun ist leider dieser Zugang gestört, wenn zum Releasetag tausende an verschiedenen Bots sich auf die Seite einwählen, die Server überlasten und dem eigentlichen Kunden die Schuhe wegschnappen. Ein Store hat verschiedenste Möglichkeiten dem entgegenzukommen – leider ist keine davon perfekt. Ein Instore-Release zieht eventuell Campouts mit sich und könnte die Anwohner verärgern, Raffles (online und instore) wirken sehr untransparent und hinterlassen ebenfalls viele frustrierte Kunden (siehe Nike SNEAKRS App) und beim normalen Online-Release schlagen natürlich die Bots zu. Daher gilt: jeder Release muss als individueller Fall gesehen werden.

Was ist mit den Kunden?

Das Business rund um Sneaker ist in den letzten Jahren immens gewachsen. Damit einhergehend auch die Anforderungen an die jeweiligen Stores. Jedes Wochenende müssen einige Stores aufs Neue der Flut an hunderten Kunden Herr werden. Hier haben sich Stores wie Solebox oder Caliroots bereits Modelle überlegt, welche die “wahre Kundschaft” von der Masse an Resellern trennen soll – keine Lösung war dabei zu 100% zufriedenstellend. Als zahlender Kunde hat man den Anspruch das Produkt, das man gekauft hat, zügig und unversehrt zu erhalten. Dabei spiele auch so Faktoren wie userfreundliche Kaufmechanismen und Transparenz dem Kunden gegenüber eine wichtige Rolle. Denn egal ob Reseller oder nicht: wer für seine Schuhe bezahlt, kann damit machen, was er möchte. Doch wenn sich bestimmte Leute an der Backdoor bedienen oder auf anderen Wegen ganze Sizeruns leer kaufen, muss über die Verhältnismäßigkeit diskutiert werden, denn wer solche Machenschaften zulässt, lässt seine eigentliche Kundschaft damit im Regen stehen. Lösungen müssen also her.

Fazit

Die Frage, die sich jetzt natürlich stellt, ist “hat Zupport mit ihrer Aktion alles richtig gemacht?”. Wir können hier mit einem klaren “Jein” antworten. Natürlich ist es löblich, dass ein Store versucht, gegen ein Problem, das Jeden betrifft, aktiv vorzugehen, jedoch liegt hier der Teufel im Detail. Es ist ein rechtlicher Drahtseilakt solche Aktionen als offizieller Store zu fahren. Auf der einen Seite wurden die User an mehreren Stellen informiert, sowohl im Titel, als auch in der Artikelbeschreibung, als auch kurz vor dem Check-Out. Jedoch kennen wir alle die Dynamik eines solchen Releases und wissen, dass nur diejenigen kein “L” mitnehmen, die sich EXTREMST beeilen. Von daher glauben wir gut und gerne, dass einige treue Kunden hier aufs Glatteis geführt wurden – wenn auch unabsichtlicht. Das größte Problem sehen wir hier im Preis, der dem Retail des Schuhes nachempfunden ist sowie den offiziellen Stylecode und die Größenauswahl. Bei Bonkers war für einen normalen Menschen sofort ersichtlich, dass es sich hierbei nur um ein Bild handelt. Ein Bot reagiert da natürlich nicht drauf.

Eine mögliche Lösung wäre folgende: alle normalen Kunden mit einem Gutschein oder einer anderen Form des Refunds entschädigen und für das nächste Mal mehr Transparenz an den Tag legen. Reseller, die sich gleich mehrere Paare gekauft haben, sollten sich hier jedoch an die eigene Nase greifen. Wer durch seine eigene Profit-Gier zu unlauteren Mitteln greift, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann dafür die Konsequenzen zieht. Zudem ist der Einsatz von Bots eine Grauzone, die als solches natürlich nicht geschützt ist. Als Privatperson kann man natürlich nach einem gekauften Paar weiter vorgehen. Wer jedoch 5-10 Paare gekauft, macht das ganze schon lange nicht mehr privat sondern gewerblich und hier könnte es natürlich schwieriger werden. Oder kennt ihr “private Reseller”, die Steuern zahlen?

Wir sind gespannt, wie der Store dieses Problem lösen möchte und hoffen, dass sowohl seitens des Retailers, als auch bei den Kunden bald wieder Ruhe einkehrt. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden. Das Statement von Zupport könnt ihr hier lesen.

Geschrieben am 

Text: Rami E.