Die Hop Hop Marke Nummer 1

Whatever happened to… Karl Kani

Carl Williams kennst du nicht? Das sollten wir dringend ändern, schließlich gilt der Mann, der 1970 in Brooklyn, New York, das Licht der Welt erblickte, als der große Visionär und Vordenker der Hip-Hop-Mode – und damit herzlich willkommen zu einer neuen Episode von »Whatever happened to …«, deiner verlässlichen Quelle für Streetwear-Geschichte.

Wahrscheinlich ist dir Carl aber einfach nur besser bekannt unter seinem Designernamen Karl Kani. Als Sohn eines Schneidereibesitzers wurde ihm das Bekleidungshandwerk quasi in die Wiege gelegt. Nachdem er bereits im Alter von 16 Jahren seine ersten eigenen Entwürfe umgesetzt hatte, dauerte es nicht lange, bis ihn Freunde und Bekannte aus der Hip-Hop-Szene belagerten, die seine Styles zur Verfeinerung ihres Stils haben wollten. Einer Anekdote zufolge fragte er sich damals, ob es ihm wohl möglich wäre, der »Ralph Lauren der Straße« zu werden. Aus »Can I (do it)?« wurde Kani und aus der fixen Karriere-Idee nach einem Umzug ins Westcoast-Modemekka Los Angeles 1989 schließlich das eigene Label Karl Kani, das heute als erste echte Hip-Hop-Brand gilt und die Ära designender Rapstars einläutete.

Trotz eines enthusiastischen Starts war das Unternehmen anfangs nicht von sonderlichem Erfolg gekrönt. Das änderte sich erst mit dem Siegeszug der Baggy in den frühen neunziger Jahren, den Carl, mittlerweile Karl, mit immer neuen Styles und allerlei einfallsreichen Marketingstunts befeuerte. Legendär ist beispielsweise die Guerilla-Aktion, in deren Rahmen sich alte Wegbegleiter von der Ostküste unter die Studiobesucher des landesweit ausgestrahlten »The Today Show«-Frühstücksprogramms mischten, um im richtigen Moment Plakate mit dem Firmenlogo in die Kameras zu halten. Umfangreiche Unterstützung bekam das Label zudem von Szenegrößen wie Sean »Puff Daddy« Combs, Snoop Dogg und Tupac, die Karl Kani nicht nur in ihren Videos und Bühnenshows representeten, sondern auch in Werbeanzeigen als Models auftauchten. Nur knapp sieben Jahre nach Firmengründung zählte Williams laut People Magazine zu den 100 wohlhabendsten Afroamerikanern und fuhr mit Karl Kani sowie diversen Sublabels und Nebenprojekten international zwischenzeitlich einen Jahresumsatz von mehr als 60 Millionen US-Dollar ein.

Doch mit der Mainstreamisierung von Hip Hop änderte sich vieles. Nicht nur, dass die Zahl der Konkurrenten aus der eigenen Szene wuchs. Große Bekleidungsketten kopierten den Hip-Hop-Look, den Karl Kani maßgeblich geprägt hatte, was zu empfindlichen Umsatzeinbußen führte. Doch auch in schwierigen Zeiten konnte sich das Label als feste Größe am Markt behaupten.