Highball trifft Streetwear

Goldberg & Sons × Kangaroos

Limitierte Sneaker und hochkarätige Drinks?! Das schmeckt, wie wir nicht erst seit unseren viel beachteten »Kicks & Cocktails«-Specials in den letzten Heften wissen. Die Limonaden- und Barkultur-Spezialisten der Marke Goldberg machen jetzt den logischen nächsten Schritt und präsentieren ein eigenes Kangaroos-Modell zum Thema »Indian Hibiscus Tonic«. Wir haben mit Philipp Diedge von Goldberg darüber gesprochen, wie Sneaker- und Bar-Kultur heute ganz selbstverständlich zusammengehen.

Text: Daniel Giebel
Fotos: Sebastian André Kruthoffer, Paul Sydow

»Es gibt Hardcore-Fans, die nur eine Marke sammeln. Ich bin aber schon immer offen und trage das, was mir gefällt.« Philipp Diedge ist seit seiner Jugend Sneakerhead, wobei Runner ihn am meisten begeistern – und: »Es war sicher immer ein Traum von mir, einen Sneaker zu kreieren, aber in meinem bisherigen beruflichen Werdegang hat sich die Möglichkeit nie ergeben.«

Philipp ist ein Gastro-Profi reinsten Wassers und hat unter anderem zehn Jahre lang erfolgreich eine eigene Bar geführt, bevor es ihn auf die Markenseite verschlug. Anfang 2019 ist er aus dem Sales-Bereich ins Marketing gewechselt und hat nun als Brand Manager von Goldberg endlich einmal die Möglichkeit, seine Leidenschaften – Bar- und Sneaker-Kultur – in einem exklusiven Projekt mit Kangaroos miteinander zu verbinden.

»Für mich war Kangaroos die erste Wahl. Das war in den 70ern und 80ern in Deutschland eine wichtige Marke. Heute spielt die Marke eher im Premium-Segment eine Rolle, und dazu sind die Produkte noch wirklich »Made in Germany« – ganz ähnlich wie bei Goldberg«, erklärt Philipp. Und nicht zuletzt mache es der Standort mit seinen relativ kurzen Wegen einfacher, eine Kollaboration wie diese in die Wege zu leiten.

Tattoos statt Zweireiher

An dieser Stelle muss die Frage erlaubt sein: Warum eine Sneaker-Kollaboration, die ausgerechnet der Cocktail-Kultur gewidmet ist? Schließlich scheint es noch nicht allzu lange her, dass man selbst mit den exklusivsten Kollabo-Turnschuhen so einige angesagte Mixology-Tempel gar nicht erst betreten durfte – und wenn, dann wurde man von der Hemdchen-und-Kleidchen-Fraktion mitleidig bis herablassend beäugt.

»Das ist doch längst nicht mehr so«, lacht Philipp und erklärt: »Das Personal hinter den Theken hat sich genauso verändert wie die Kundschaft davor. Heute sind Barkeeper oft komplett zutätowiert und tragen auch nicht mehr nur weiße Hemden – und genauso ist es bei den Gästen. Die Barkultur hat sich weiterentwickelt, ist für die verschiedensten Zielgruppen attraktiv geworden und nicht mehr so elitär

Dazu kommt seiner Meinung nach ganz allgemein ein Konsumverhalten, das sich über die letzte Dekade stark verändert hat: »Die Leute wollen sich doch heute nicht mehr nur darüber definieren, was sie für ein Auto fahren oder welche Uhr sie tragen – das geht ganz klar auch bei den Schuhen und Klamotten oder dem Essen weiter und gilt letztlich auch für High-End-Bars.«

Ein gutes Beispiel sei da die Medienstadt Köln, wo die Skater von einst heute in den Agenturen sitzen, trotzdem »real« bleiben und ganz selbstverständlich ihre edle Footwear anbehalten, selbst wenn sie nach dem Büro in eine angesagte Bar gehen. Das gelte auch für das Personal, sagt Philipp: »Barkeeper sind die Stars der Nacht und sie wissen ebenso Bescheid über Sneaker und Streetwear wie ihre Kundschaft!«

Queen Mum Knows

Apropos Wissen: Der englische Begriff »tonic« bedeutet schlicht »kräftigend« oder »nervenstärkend« und geht auf die Kolonialzeit zurück. Damals gehörte Tonic – noch mit weit höherem Gehalt des ihm den charakteristischen Geschmack verleihenden, aus der Medizin stammenden Wirkstoffes Chinin – ganz selbstverständlich ins Soldatengepäck und diente unter anderem der Malaria-Prophylaxe.

Die Legende besagt, dass dem sehr bitteren Getränk unter anderem Gin beigemischt wurde, um es genießbar zu machen. Konnte ja keiner ahnen, dass der dabei entstandene Gin Tonic, der Jahrzehnte lang vor allem als Lieblingsdrink der britischen Queen Mum in Erscheinung trat, über ein Jahrhundert nach dem Ende der Kolonialzeit und des britischen Empire eine große Renaissance erleben würde.

Inzwischen wird der Gin Tonic dem Bereich »Highball« – also ein Drink, der aus einer Spirituose und einem kohlensäurehaltigen Softdrink besteht, in diesem Fall eben Tonic – zugeordnet und gehört zum Standardrepertoire an jeder Theke dieser Welt. Und jede anständige Bar serviert ihn anders, was dazu geführt hat, dass es längst gefühlt so viele Gin-Marken gibt wie Sneaker-Modelle. Oder Tonic-Varianten.

Mehr als Medizin

Goldberg ist in Sachen Tonic ganz weit vorne – im Portfolio finden sich aktuell acht verschiedene Bitter-Limonaden. Mit diesem Getränk begann schon Anfang des 20. Jahrhunderts die Erfolgsgeschichte der Marke. Den Frankfurter Gründer Jakob M. Goldberg verschlug es damals nach Indien, wo er sich daran machte, eigene Varianten der zu jener Zeit beliebten »medizinischen« Drinks zu kreieren.

Später entwickelte sich das Label mit dem laufenden Jagdhund im Logo via Indien und Großbritannien zum weltweiten Player hinter den Tresen. Und heute erlebt es hier sein Revival. Das liegt auch an der guten Auswahl von Tonic-Sorten, die für spannende Impulse in der immer für Neuerungen offenen Barkeeper-Szene gesorgt haben.

Doch genauso wie ein erstklassiger Drink nicht nur aus einer edlen Spirituose besteht, geht es bei dem Projekt von Goldberg und Kangaroos um mehr als um einen Premium-Schuh: »Das Drumherum ist selbstverständlich ein wichtiger Teil des Gesamtpakets«, weiß auch Philipp, »entsprechend viel Liebe und Zeit wurde investiert, um das Paket zu einem heißbegehrten Sammlerobjekt zu machen.«

Geschmack im Paket

Das beginnt bei der Box, die ganz in Schwarz und Pink gehalten ist und eine thematisch schlüssige Grafik präsentiert – einen großen Schmetterling, der zum Flug von unten links über das zentrale Logo- und Blumenmotiv in Richtung der Hibiskusblüte oben rechts ansetzt: »Darunter steht »Handle with Care«, auch als Anspielung auf die Zerbrechlichkeit der floralen und natürlichen Elemente.«

Der Schmetterling verweist zudem auf ein ganz besonderes Gimmick, das eigens für dieses Projekt produziert wurde: auf einen stählernen Flaschenöffner im Butterfly-Gewand mit den Logos der Partner. Dieses »Bar Blade« darf gleich nach Öffnen der Box zum Einsatz kommen, denn natürlich ist neben zwei Paar Laces und dem Tonic-Buch »Bitter Sweet Symphony« eine Flasche Goldberg Indian Hibiscus Tonic enthalten.

Die Schuhe selbst sind – wie gewohnt bei den handgefertigten Modellen aus Münchweiler – in der Ausführung absolut makellos, doch entgegen aller Erwartung geradezu schlicht geraten. Laut Philipp mit voller Absicht: »Für mich war es wichtig, einen nicht zu knalligen Schuh vorzulegen. Klar, das Pink musste sein, aber ich wollte insgesamt einen eher cleanen Look, der geschmackvoll bleibt.«

Das Modell Runaway aus dem Kangaroos-Archiv, das mit dieser Version erstmals für eine Kollaboration verwendet wird, hat neben den schnittigen Lagen von Nubuk- und Kuhleder einige schöne Details: Kronkorken-Embleme setzen an den Fersen pinke Akzente, auf der Zunge ist das Kollabo-Logo ins Suede geprägt, und auf der Einlegesohlen sind Zeichnungen der wichtigsten Bar-Tools zu sehen.

Die Sneakerness der Barszene

Ihre offizielle Premiere wird die Kollaboration vom 7. bis 9. Oktober 2019 auf dem Bar Convent Berlin feiern. Das passt, denn dort tummelt sich wirklich alles, was in der deutschen und internationalen Barszene Rang und Namen hat. Und das sind wie gesagt längst nicht mehr die alten weißen Männer im Zweireiher, sondern moderne Menschen aller Couleur mit viel Style, wie man sie auch auf der Sneakerness trifft.

Nach dem BCB sollen dann noch einmal insgesamt 150 Paare an ausgewählte Sneakerstores im deutschsprachigen Raum gehen. Zu diesem Kreis gehören lediglich 43½ in Frankfurt, Acribik in Köln, Glory Hole in Hamburg, Schrittmacher in Dresden, Steffl in Wien und Suppa in Stuttgart. Allesamt Städte, in denen es auch sehr coole Bars gibt – und wo sicher schon bald der passende Schuh zum Drink getragen wird.