The North Face – Über Pioniere und die 90er

Interview: The North Face Designer Darren Shooter

Viele Outdoormarken finden sich in Grabbelkisten von irgendwelchen Trekkingläden wieder und verlieren schnell an Relevanz. Anders jedoch The North Face, die schon in den 90ern mit ihrer Rage-Kollektion virtuos Zukunftsmusik spielten und heute noch den Outdoormarkt mit Streetweareinflüssen regieren. Wir hatten die große Ehre mit dem Designer Darren Shooter über TNF, die Rage-Kollektion und Techwear zu sprechen.

Deine Karriere ist geprägt von Marken wie Tommy Hilfiger oder deinem eigenen Label Black Mountain Clothing Company. Wie bist du ursprünglich zu The North Face gekommen?

In den letzten 20 Jahren hatte ich das Glück, mit einigen der weltweit führenden Performance- und Lifestyle-Marken zusammenzuarbeiten. Wenn ich mit einer Marke zusammenarbeite, sind die wichtigsten Attribute, nach denen ich suche, Qualität, Funktionalität und Authentizität. The North Face ist eine Marke, die ich schon immer geliebt habe, also ist es eine große Ehre, hier zu sein – zudem teilen wir die gleichen Werte. Meine Rolle als Design Director, EMEA ist interessant, da The North Face sein Geschäft vom Gipfel bis zur Straße entwickelt hat, indem es die Kernkategorie Bergsport ausgebaut hat, aber auch die Urban Exploration Kollektion entwickelt hat. Seit dem Start von Supreme x The North Face vor über 10 Jahren ist das gesamte Tech/Stadt-Crossover gewachsen und gewachsen. Ich freue mich sehr, mit der Marke darauf aufzubauen und dieses Konzept in Zukunft weiterzuentwickeln.

Was war der Designansatz für die Rage-Kollektion?

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die 94er Rage-Kollektion einen sehr markanten und besonderen Look hat. Die neuen Styles sind unglaublich nah an der originalen Archivkleidung angelehnt und wir sind diesem Look so treu wie möglich geblieben – was Prints, Stoffe, Passformen angeht. Außerdem ist es auch toll, das Rage-Logo wieder zu sehen!

Als Marke sind wir bekannt für unsere ikonischen Styles Nuptse, Denali, Mountain Jacket und Himalayan Suit, aber wir haben ein erstaunliches Archiv, das über 50 Jahre zurückreicht, so dass es aufregend bleibt, von Zeit zu Zeit etwas Unerwartetes herauszubringen.

Während die erste Kollektion noch sehr farbenfroh war, erschien die letzte Serie in einem neutralen Schwarz-Weiß-Colorway. Wie kam es dazu?

Die erste Rage-Kollektion, 92 Rage, war in der Tat sehr bunt. Die Farben stammten exakt aus der Farbpalette von 1992, da wir die Kollektion wieder ganz der Vergangenheit entsprechend einführen wollten. Für die “Black & White”-Interpretation wollten wir etwas Unerwartetes tun. Auch wenn diese Kollektionen stark auf unser Archiv verweisen, wollen wir nicht immer jedes Kleidungsstück genau so zurückbringen, wie es in der Vergangenheit war. Manchmal macht es Spaß, auch in die Zukunft zu schauen.

The North Face legt großen Wert auf Technologie und Funktionalität. Die Rage-Kollektion basiert auf Snowboarding. Inwieweit hat die Brand damals Pionierarbeit in Richtung Techwear betrieben?

Mitte der 90er war eine Zeit des hellen, mutigen und selbstbewussten Designs, in der Marken viel mit Form, Proportionen und Silhouetten experimentierten. Als die Rage-Kollektion ursprünglich auf den Markt kam, verkörperte sie die mutige Haltung des Snowboardens und ermöglichte es unseren Athleten, sich durch die Erfüllung der einzigartigen Anforderungen ihres Nachwuchssports zu profilieren. In den 90er Jahren gab es ein enormes Wachstum der technischen Bekleidung, da die technischen Produkte immer fortschrittlicher wurden und die Verbraucher ein besseres Verständnis dafür bekamen, was technische Bekleidung leisten konnte.

Chitose Abe, Junya Watanabe oder Kazuki Kuraishi haben bereits für die Marke entworfen. Wer sind deine persönlichen Vorbilder bzw. welche Arbeit inspiriert dich persönlich?

Ich liebe die Collabs, die unsere Partnermarken erstellt haben, da sie eine einzigartige Vision davon vermitteln, was The North Face ist. Sie bringen eine neue Sicht auf unser Produkt – etwas, das wir normalerweise nie tun würden. Von Anfang an spielten Supreme oder Kazuki mit unkonventionellen Farben und Stoffen, um unserem Produkt einen frischen, urbanen Touch zu verleihen. In den letzten Jahren haben wir auch mehr Catwalk getriebene Collabs von Junya Watanabe & Chitose Abe bei Sacai gesehen. Ein kreativer Visionär, der uns bei TNF weiterhin inspiriert, ist Buckminster Fuller. Er war ein amerikanischer Architekt, Designer, Erfinder, Futurist und ein erstaunlicher Mann. Er war der Pionier eines Konzepts rund um Dymaxion/geodätische Strukturen und wir haben uns bereits in den frühen 70er Jahren mit ihm zusammengetan, um unser erstes Geodomzelt zu bauen. Ich nehme an, man könnte es unsere erste Collab nennen. Die Designphilosophie von Buckminster Fuller konzentrierte sich auf “weniger ist mehr”, woran ich bis heute festhalte.

Letzte Frage: was ist wichtiger: Form oder Funktion?

Form ODER Funktion!? Man kann das eine nicht ohne das andere haben! Es macht keinen Sinn, die technischste Jacke der Welt zu haben, wenn sie nicht richtig passt. Ebenso kannst du nicht einfach etwas haben, das cool aussieht, wenn du dich nicht darin bewegen kannst! Bei The North Face verbringen wir Monate, wenn nicht Jahre damit, uns mit Form und Funktion zu beschäftigen, damit unser Produkt perfekt funktioniert.