Kunst, Companions und Kollaborationen

#praisethecollectors: Jean-Patrick Falmon aka Jeeplife

Jean-Patrick steht zwar auch auf und in Sneakers, sammeln tut er jedoch vor allem Kunst: Der Franzose ist verrückt nach allem, was mit Kaws, Murakami und Co. zu tun hat. Wir sprechen mit ihm über den Einfluss von Streetart auf Streetwear – und vice versa.

Wir begeben uns mit dir auf neues Terrain: Normalerweise stellen wir an dieser Stelle Sneakersammler vor. Du aber sammelst Kunst. Wann hast du damit angefangen?

Meine Begeisterung für Kunst fing 2008 an. Ich interessierte mich damals für Kanye West und seinen Blog namens »Universecity«. Er veröffentlichte jeden Tag Links und Bilder über Kunst, Design, Mode und den neuesten Hype. Dort las ich erstmals von Kaws, Takashi Murakami und Nigo. Damals war ich noch recht jung, hatte kein Geld und begann deshalb zunächst damit, Zeitschriften zu sammeln. Mein erster Kauf war eine Seite des C10-Buches von Kaws. Das war ein großes Buch mit all seinen Gemälden. Meine erste Sammelfigur war ein Astroboy, für den ich meine gesamte Comic-Sammlung verkaufen musste.

Wo kaufst du Kunst?

Seitdem ich sammle, bin ich auf Instagram sehr präsent. Über die Jahre habe ich mir ein großes weltweites Netzwerk aufgebaut, das mir schon oft dabei geholfen hat, Stücke direkt von anderen Sammlern zu kaufen – und das lange vor dem großen Hype um Kaws vor zwei Jahren. Zudem bin ich viel in verschiedenen Foren und auf Ebay unterwegs, wobei man hier auf Fälschungen achten muss. Ich bin schon einmal auf einen Betrüger hereingefallen und seitdem sehr vorsichtig geworden. Seit 2016 veröffentlicht Kaws viele »Open Editions«, die im Gegensatz zu den Limited Editions etwas einfacher zu bekommen sind.

Wie hat sich Kaws aus deiner Sicht über die Jahre entwickelt?

Seine Entwicklung ist verrückt! Er fing auf der Straße an zu malen, auf Plakaten und sogar auf einer Buswerbung. Er traf Nigo und begann 1999 sein ersten Figuren mit der Spielzeugfirma »Bounty Hunter« zu machen. Es folgten großartige Kooperationen mit Bape, Nike oder Supreme. Dennoch war er hauptsächlich Street- und Underground-Artist – bis Marc Jacobs sein Artwork für Damenschuhe benutzte. Parallel dazu begann Kaws mit seinen ersten Shows, die über die Zeit immer größer wurden. Heute sind seine riesigen Skulpturen auf der ganzen Welt zu sehen. Er hat es geschafft, von einem Streetartist zu einem der gefragtesten Künstler unserer Zeit zu werden.

Haben seine Kollaborationen aus der Streetwear-Welt einen Teil dazu beigetragen?

Die Zusammenarbeit mit Kanye, Nigo, Pharrell und die Kooperationen mit großen Marken haben ihm definitiv geholfen, ein großes Publikum zu erreichen und weltweit bekannt zu werden. Aber er arbeitete auch parallel an seinen Shows und ein großer Teil seiner Reputation kommt aus der Kunstwelt. Ich bin jedoch sicher, dass ihm der Galerist Emmanuel Perrotin auch sehr geholfen hat, indem er seine Werke oft bei sich ausgestellt hat.

Wie viel Geld müsste man inzwischen in die Hand nehmen, um eines seiner Werke zu erwerben?

Momentan liegen solche Sachen weit über meinem Budget. Seine Werke sind schon ausverkauft, bevor sie überhaupt gezeigt werden. Es gibt eine Warteliste von mindestens einem Jahr, wenn man eines davon haben möchte. Man muss also grundsätzlich auf den Sekundärmarkt gehen und natürlich sind die Preise dort inzwischen explodiert. Sein »Seargant Pepper × Simpsons«-Gemälde wurde bei Sotheby’s für 13 Millionen Euro verkauft. Seine Drucke sind ebenfalls teuer und liegen bei etwa 10.000 bis 15.000 Euro. Daher muss ich mich im Moment mit seinem Spielzeug begnügen.

Gibt es Parallelen zwischen dem Sammeln von Sneakern und Kunst?

Ja, natürlich! Es gibt in beiden Welten begehrte limited Editions und Reseller, die ihren Profit damit machen wollen. Sammeln ist ein lustiges Hobby und der lustigste Teil ist die Jagd auf die jeweiligen Schätze. Deswegen sammle ich auch Kaws Magazine, Flyer und Goodies. Es macht mich unglaublich glücklich, wenn ich ein altes Magazin aus dem Jahr 2001 finde, in dem zum Beispiel noch die Aufkleber sind. Man bestellt Sachen aus der ganzen Welt, verhandelt um Preise, wartet auf Pakete – diesen ganzen Prozess liebe ich!
Das Gleiche gilt für das Sammeln von Sneakern.

Heutzutage sind Künstler immer mehr in die Modebranche involviert. Wie Futura bei der Off-White-Show oder Murakami bei Louis Vuitton – was hältst du von der Verbindung zwischen Mode und Kunst?

Ich denke, dass Marc Jacobs die Szene nachhaltig verändert hat, als er die Zusammenarbeit mit Takashi Murakami oder Stephen Sprouse für Louis Vuitton in die Wege geleitet hatte. Dann folgte die Supreme-Kollaboration, die erstmalig eine Streetwear-Brand auf den Catwalk geholt hatte. Egal wie das jeweilige Ergebnis aussieht, ein Mehrwert ist eigentlich immer gegeben.

Können Sneaker oder Streetwear auch als Kunst verstanden werden?

Klar, jeder Rohstoff kann Kunst sein! Da reicht es schon, einen Blick auf Jean-Michel Basquiat zu werfen, der früher auf alles gemalt hat – von der Holzplatte bis zur Kühlschranktür. Sogar BMW hat früher mit Künstlern wie Andy Warhol oder Jeff Koons zusammengearbeitet. Solange eine Künstlerin oder ein Künstler die eigenen Ideen oder Visionen durch oder auf etwas zum Ausdruck bringt, kann man von Kunst sprechen. Sei es ein Canvas, eine Skulptur, ein Spielzeug, Plüsch, ein Kleid oder eben ein Paar Turnschuhe.

Welche Künstler verfolgst du außerhalb von Kaws?

Ich liebe Murakami! Seit fast zehn Jahren sammele ich seine Sachen. Ich hatte sogar die Gelegenheit, ihn in Paris beim VIP-Event seiner Frisk-Kollaboration anzutreffen. Zudem sammle ich auch die Arbeiten von D*Face, die ich letzten Monat kennengelernt habe. Zudem noch ein wenig von Parra, Todd James, Kenny Scharf, James Jarvis und Beejour.

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Gibt es momentan Künstler, die wir kennenlernen sollten?

Definitiv Taku Obata. Seine Holzskulpturen sind total verrückt. Er macht alles von A bis Z selber: Er geht in den Wald, wählt einen Baum aus und formt daraus jedes Teil. Seine Referenzen kommen aus dem Hip-Hop der 80er- und 90er-Jahre.
Außerdem habe ich kürzlich an einer Ausstellung in der Pariser Galerie Openspace teilgenommen und mich dabei in die Gemälde von Andrew Hem verliebt. Die Farben sind so lebendig. Seine Inspiration ist eine Mischung aus Mangafiguren – er liebt Dragon Ball und Samurai Champloo –, Reisen und imaginären Landschaften.

Was ist der höchste Betrag, den du je für ein Kunstwerk ausgegeben hast?

3000 Euro für eine Figur von Kaws. Damals fühlte sich das nach einer Menge Geld an, aus heutiger Sicht war es jedoch ein schlaues Investment, da es inzwischen das dreifache seines Preises wert ist.

Wie viel ist deine gesamte Sammlung wert?

Meine gesamte Kunstsammlung einschließlich Murakami, Kaws, D*Face etc. wird auf circa 80.000 Euro geschätzt, aber ich bin weit davon entfernt, dieses Geld ausgegeben zu haben. Die Sammlung hat in den letzten Jahren an Wert gewonnen und es ist schwer, eine genaue Summe anzugeben, da die Preise sich ständig ändern.

Gibt es einen Holy Grail, nach dem du noch suchst?

Da gibt es einige. Ich suche noch ältere Stücke wie die Twins-Kollaboration mit Todd James oder einen Darth Vader, um mein Star-Wars-Set zu vervollständigen.
Aber mein heiliger Gral wäre ein »No Future Companion«-Figur, der in Zusammenarbeit mit Hajime Sorayama entstand. Ich bedaure, keinen für 1000 Euro gekauft zu haben, als ich vor ein paar Jahren die Chance dazu hatte – jetzt findet man keinen mehr unter 12.000 Euro.