Hunde, Hip Hop und Hymnen

Zuhause bei der Noldi Gang

Deutscher Hip Hop: gekaufte Chartplatzierungen, spießiger Beef, peinliche Award-Verleihungen. Immer mehr Leute hören sich daher Rapper jenseits des Mainstreams an – und genau dort ist die die Noldi Gang zuhause. Die Dortmunder Crew steht für einen ehrlichen Sound, humorvolle Texte und ein belebtes Wohnzimmer.

Wer gehört alles zur Noldi Gang?

Die Noldi Gang besteht aus Asthmaboy3000, Babyjoe44, Lil Bird, Stoney Noldi, SeppXTC und Crybaby Stasiak.

In jeder Boygroup gibt es verschiedene Typen. Wie sind die Rollen bei euch verteilt?

Lil Bird ist auf jeden Fall der Tollpatsch und das Küken in unserer Gruppe. Sepp Flanders kann sehr schnell aus der Haut fahren, aber das beschreibt auch die Energie, die er auf die Bühne bringt. Stoney ist die unmotivierteste Person in unserer Crew, deshalb ist er auch nicht auf dem Tape drauf. Dennoch ist er von der ganzen Gruppe mit Abstand der beste Rapper. Komplett gemacht wird die Crew mit den Skatern und anderen speziellen Charakteren. Das macht uns aus, dass wir in unseren Eigenschaften sehr verschieden sind und dazu alle ein bisschen verrückt.

Erstaunlich, aber wahr – das ist schon das zweite Mal, dass uns eine Homestory nach Dortmund führt. Was verbindet ihr mit der Stadt?

Wenn man an Dortmund denkt, kommt einem sofort Fußball in den Sinn – doch die Stadt hat auch noch andere Seiten. Ein großer Minuspunkt sind die rechten Gruppierungen. Doch man darf diese Stadt auf keinen Fall darauf reduzieren, weil man hier auch sehr schnell Menschen mit gleichen Interessen und Hobbys findet und Freundschaften entstehen, die für immer sind.

Ihr tragt eure Heimat mit der hiesige Reinoldi-Kirche sogar im Namen. Woher kommt diese starke Loyalität zum Ruhrpott?

Wenn wir mal ein paar Tage irgendwo anders sind, fehlen uns die Gesichter, die wir hier in Dortmund haben. Es passiert woanders häufig, dass du jemandem ins Gesicht schaut und er dir etwas vorgaukelt. Wenn du hier jemanden anguckst, weißt du sofort, was Sache ist.

Auch wenn nur zwei von euch hier wohnen – welche Rolle spielt diese Wohnung für die ganze Noldi?

Die Wohnung ist die Zentrale der Noldi Gang. Wir treffen uns hier und chillen zusammen. Wir haben in dieser Wohnung den allerersten Release gefeiert und sie dafür so umgebaut, dass wir hier knapp 60 Leute unterbringen konnten, weil wir einfach keine andere Location fanden. Dabei haben wir aber leider unsere Nachbarn vergessen, was uns ein bisschen Ärger eingebracht hat, aber zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Und ein zweites Mal würden wir das auch nicht mehr machen, weil die Fußabdrücke auf dem Boden nicht mehr weggehen.

Wie würdet ihr den Lifestyle der Gang beschreiben?

Der Noldi-Lifestyle ist verrückt: Man weiß nicht, was am nächsten Tag passiert, wir haben zum Beispiel auch keinen Plan für das Musikmachen – das passiert alles sehr plötzlich und aus dem Bauch heraus. Allgemein kann man sagen, dass wir crazy sind und einfach Bock haben, guten Sound zu machen und in der Gruppe Zeit zu verbringen. Wir haben einfach aus Spaß gerappt und dann hat sich das soweit entwickelt, dass wir eine richtige Fanbase bekommen haben – damit haben wir nicht gerechnet, weil wir es eigentlich nie richtig ernst gemeint haben.

Hat sich mit dieser Resonanz eine gewisse Erwartungshaltung gebildet? Und habt ihr eure Musik daran angepasst?

Am Lifestyle selbst hat sich nichts verändert – außer dass man mindestens einen Tag im Monat braucht, um mal klarzukommen. Aber bei der Musik ist das ein bisschen anders. Unsere Philosophie war eigentlich, dass wir einfach nur das machen, worauf wir Bock haben. Ab einem gewissen Grad schwimmt man jedoch mit der Welle und hat auch das Ziel, von der Musik zu leben. Das bedeutet, dass der Produktionsweg für uns ein wenig strukturierter ist. Aber wir haben jetzt keinen Masterplan entwickelt, dass wir das Rapgame komplett übernehmen.

Ein wichtiger Punkt für euch sind offensichtlich Tiere. Woher kommt das und was hat es mit eurem Hund Dion auf sich?

Dion kommt aus Kroatien und wir haben ihn zufälligerweise auf Ebay gefunden. Er war in einer Tötungsstation und als wir mitbekommen haben, dass der Hund in Dortmund ist, haben wir uns dazu entschieden, ihn zu adoptieren. Er gehört nun als vollwertiges Mitglied zur Crew und ist sogar auf dem Cover von unserem nächsten Release abgebildet.

Das Ruhrgebiet ist die Heimat von legendären Acts wie RAG oder Creutzfeldt & Jakob. Wie hat sich die Szene seitdem verändert?

Wir ziehen unseren Hut davor, was diese Acts für Dortmund bedeutet haben, aber man muss auch bedenken, dass heute so etwas in Dortmund nicht mehr möglich ist. Musik entwickelt sich und auch im Ruhrpott geht es weiter, aber man muss respektieren was diese Leute für Dortmund getan haben.

Gibt es andere deutsche Rapper, die ihr feiert oder die euch inspirieren?



Wir feiern eher die Rapper im Untergrund, die den gleichen Weg gehen wie wir. Leute wie Juicy Gay oder die Sonos Clique, die wir extrem feiern. Aber sonst sind wir bei Deutschrap eher raus, weil wir es nicht mögen, wie sich die Szene entwickelt hat. Außerdem finden wir, dass Hip Hop in Deutschland einfach zu melancholisch ist. Natürlich zollen wir unseren Respekt, was Yung Hurn oder Rin für diese Szene gemacht haben, aber die Entwicklung dahinter feiern wir einfach nicht. Wenn uns etwas inspiriert, dann kommt es von den Kollegen aus Holland, mit denen wir auch sehr viel gemacht haben. Die Boys aus den Niederlanden kopieren nicht einfach den Vibe aus den Staaten, sondern kreieren etwas ganz Eigenes und das versuchen wir auch. Wir wollen uns inspirieren lassen, aber wir wollen trotzdem die Noldi Gang sein, die es so noch nicht gab.

Euer Style ist ähnlich wie euer Sound – ziemlich einzigartig und ignorant. Wie würdet ihr euren Swagger beschreiben? Gibt es bestimmte Marken, die ihr feiert?

Wir versteifen uns nicht so sehr auf Marken, sondern rocken einfach die Kleidung, die wir geil finden. Wir laufen durch die Straßen und wenn wir zum Beispiel etwas im Secondhand-Laden entdecken, was wir cool finden, dann coppen wir das. Es ist egal, was für ein Logo auf dem Kleidungsstück abgebildet ist – daran orientieren wir uns nicht, sondern wir achten eher auf das Visuelle und so zeichnet sich unser Style dadurch aus, dass wir das tragen, was uns gefällt.

Was mögt ihr am liebsten in dieser Wohnung? Und was hasst ihr am meisten?

Das Negative an dieser Wohnung ist definitiv das Chaos, weil hier einfach viel Dreck gemacht wird, vor allem in der Küche. Auf der anderen Seite lieben wir unser Wohnzimmer. Hier trifft man sich, hier kommen unsere Gäste hin und hier verbringen wir einfach den Großteil unserer Zeit. In diesem Raum sind viele Ideen und witzige Storys entstanden. Ohne dieses Zimmer hätten wir wahrscheinlich nicht die Musik gemacht, für die wir heute stehen.