Keine Popkultur ohne Superstar

Adidas Superstar – Eine Ikone wird 50

2020 gibt es ein ganz besonderes Jubiläum mit drei Streifen: Der Adidas Superstar wurde vor 50 Jahren erstmals vorgestellt und ist seitdem aus der Sport-, Mode- und Musikwelt nicht mehr wegzudenken. Vorab lassen wir ein halbes Jahrhundert Shelltoes Revue passieren.

Text: Rami Eiserfey
Fotos: Niels Freidel

Wir schreiben das Jahr 1969. Die erste Mondlandung gelingt, die Beatles spielen ihr letztes Konzert in London – und Adidas entwickelt mit dem Superstar einen völlig neuartigen Basketballschuh. Die Kombination aus einem Leder-Upper und einer Gummi-Kappe auf der Toebox – die ikonenhafte Shelltoe – gilt am Übergang zu den 70ern als hochinnovativ und stellt die Vorherrschaft der allgegenwärtigen Canvas-Modelle im Basketball sofort in Frage. Fünf Jahre, bevor Kanye West das Licht der Welt erblickt, gibt es noch keine »Influencer«. Botschafter für Sportswear-Marken wie Adidas sind zu jener Zeit vor allem Sportler, und das System funktioniert: Rekordsportler wie Kareem Abdul-Jabbar tragen den neuen Schuh bei ihren Spielen – mit dem Effekt, dass in den folgenden Jahren 75% aller NBA-Profis zum Superstar wechseln.

Doch rein durch sportives Endorsement werden keine Kulturgüter geschaffen. Dank der großen Strahlkraft der NBA dauert es nicht lange, bis die Superstars auch auf die Straße gelangen. Dort wird der charaktervolle Sneaker sehr schnell von der gerade aufkeimenden B-Boy-Kultur entdeckt und beim Sprayen, Breaken und Rappen gesportet. Endgültig im HipHop etabliert werden die Schuhe durch das New Yorker Trio Run-D.M.C., das seine Superstars ohne Laces trägt – eine Hommage an die Homies in den Gefängnissen, die gezwungen sind, ihre Schnürsenkel abzugeben – und ihrem Track »My Adidas«.

Als Adidas-Mitarbeiter ein Konzert der Gruppe im Madison Square Garden besuchen, wo die Band ihr Publikum auffordert, ihre Schuhe hochzuhalten, beginnt eine neue Ära für Run-D.M.C., aber auch für die Marke aus Herzogenaurach und das Marketing von Sportswear an sich – ohne jenen Moment gäbe es heutzutage vielleicht gar keine Kollaborationen, weder von Kendrick Lamar, noch von Liam Gallagher und selbst von Kanye West. Run-D.M.C. sind somit die ersten Vertreter der Popkultur, die in Zusammenarbeit mit einer Sportswear-Marke ihre eigenen Versionen eines Sneakers bekommen. 1988 erscheinen drei Modelle: die beiden Hi-Tops »Eldorado« und »Fleetwood« sowie der Low-Top »Brougham« – alle drei nach den liebsten Automodellen der Rapper aus Queens benannt.

Durch den extremen Boom jener frühen Jahreund den exemplarischen Erfolg einer Kollaboration avanciert der Superstar über die Jahrzehnte zur beliebtesten Adidas-Silhouette für Kooperationen und kreative Experimente. Alleine mit der »Star Wars«-Franchise sind bereits über zwanzig verschiedene Versionen veröffentlicht worden. Pharrell Williams ist so vernarrt in die Ikone, dass er 2015 genau hundert verschiedene Superstars auf einmal herausbringt, die alle Farben des Regenbogens wiedergeben. Unter anderen namhaften Partnern sind etwa Yohji Yamamoto, Keith Haring, Bape oder Rick Owens zu nennen. Längst gibt es Superstars mit Primeknit-Material, mit Boost-Sohlen, aus Hirschleder oder sogar komplett transparent.

Für den 50. Geburtstag im kommenden Jahr sind bereits Partner-Projekte mit Prada und Blondey McCoy angekündigt, und das ist erst der Anfang. Ein Ende scheint nicht in Sicht, und genau das macht eine echte Sneaker-Ikone aus: egal, wie viel Zeit vergeht oder wie viele Leute schon ihren kreativen Input beigetragen haben – der Superstar lebt immer weiter. Wir schauen gespannt auf das nächste Jahr und freuen uns schon jetzt auf den 100. Geburtstag des Superstars.