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Ein Quantum Unendlichkeit

Asics Gel-Quantum Infinity

Der Gel-Quantum Infinity ist der erste Asics-Schuh mit komplett sichtbarer Gel-Laufsohle. Ein Novum in der erfolgreichen Laufbahn von Gel als Dämpfungssystem, die wiederum untrennbar mit der langen Geschichte der Marke verwoben ist.


Text: Daniel Giebel / Franziska Knupper
Fotos: Sebastian André Kruthoffer

Es lässt sich nicht sagen, ob diese Geschichte wirklich unendlich sein wird – mit dem Infinity, der als Performance- wie als Street-Silhouette konzipiert ist, unternimmt die innovative Firma aus dem japanischen Kobe zum Auftakt des Jahres 2019 aber auf jeden Fall einen großen Schritt Richtung Zukunft.

1949 von Kihachiro Onitsuka gegründet, um dem Japan der Nachkriegszeit auf die Sprünge zu helfen, erringen die Schuhe von Onitsuka Tiger bald so einen guten Ruf, dass ein gewisser Phil Knight sie in den 60er-Jahren im Namen seiner Firma »Blue Ribbon Sports« in immer größeren Mengen in die USA importiert. Ende der 70er – Blue Ribbon ist inzwischen ein etwas größeres Unternehmen geworden, das nun eigene Schuhe herstellt – entwickelt sich auch Onitsuka Tiger weiter, um fortan unter dem neuen Namen »Asics« zu firmieren. Eine Wortschöpfung, die inspiriert ist von den Anfangsbuchstaben des lateinischen Leitspruchs von Onitsuka – »Anima Sana in Corpore Sano«, zu Deutsch »Eine gesunde Seele in einem gesunden Körper« – und so die Tradition des Hauses wahren und auf moderne Weise weiter führen soll.

Innovationen und Verheißungen

Spätestens seit jenen Jahren des Jogging-Booms übertrumpfen sich die Sportswear-Hersteller gegenseitig mit technischen Superlativen. Dämpfung gilt seit jeher als die Königsdisziplin des Sneaker-Tunings, und jede Marke verfügt über ihr eigenes Team von Raketenwissenschaftlern, das hinter blubbernden Glaskolben in den Laboren neuartige Systeme zur Schonung von Sportlerfüßen entwickelt – so jedenfalls das gerne transportierte Bild. Viele Verheißungen entpuppen sich als bloßes Marketing, halten dem kritischen Auge und den realen Bedingungen des Sportler-Lebens nicht stand und sind schnell vergessen. Jede große Marke hat technische Rohrkrepierer produziert, die nie zum Erfolg und daher bald unter den Teppich gekehrt wurden. Bei Asics dagegen geht es bereits seit 1986 immer um dieselbe Dämpfungstechnologie: Gel.

Die Entwicklung von Gel als Dämpfungssystem beginnt mit der Entdeckung, dass eine halbflüssiges, silikonbasierte Substanz in einem versiegelten Kissen hervorragende Eigenschaften zur Stoßdämpfung beweist, die Läufern laut der bald erstellten ersten Studien beachtliche Belastungen ersparen kann. Dazu stellt sich heraus, dass das Material selbst bei lateralen Bewegungen Stabilität und Stützung verleihen kann. Nach weiteren Testreihen ist belegt, dass die Eigenschaften von Gel auch nach hoher Beanspruchung und über große Distanzen erhalten bleiben. Und schließlich spricht für Gel eine produktionstechnische Handhabung, die sich mit dem experimentierfreudigen Sneaker-Design von Asics bestens verträgt und in den kommenden Jahren in viele legendäre Silhouetten eingehen soll.

Vom Freaks zum Infinity

Sein Debüt feiert das neue Dämpfungssystem in einem vergleichsweise obskuren Schuh mit dem passenden Namen »Freaks«, der damals vor allem in Japan beworben wird. Erst seit dem Gel-Lyte wird die neue Leittechnologie von Asics 1987 auch im Namen der Schuhe verewigt – neben der Gel-Lyte-Reihe zum Beispiel Gel-Epirus, Gel-Saga, Gel-Spotlyte, Gel-DS Trainer oder Gel-Kayano, um nur die wichtigsten zu nennen. Über die letzten drei Dekaden hat Gel viele Einsätze in vielen Schuhen und ganz verschiedenen Varianten erlebt – unter anderem als Alpha Gel, Twist Gel, Porous Gel oder Hexagon Gel – und ist dabei zum Aushängeschild für die Marke Asics geworden. Nicht zuletzt gilt die Gel-Technologie längst als Standard für ernsthafte Läufer und Sportler, was ihre Attraktivität für die Streetwear-Klientel natürlich noch erhöht.

Siebzig Jahre nach der Firmengründung durch Kihachiro Onitsuka kommt die laut Kreuzworträtsel »gallertartige Masse« mit drei Buchstaben am Gel-Quantum Infinity nun erstmals in der Geschichte der japanischen Firma sichtbar unter die Sohle. Schon der Performance-Vorgänger Gel-Quantum zeigte »sichtbares« Gel in der Mittelsohle, was eine Premiere in der Gel-Laufbahn markierte. Beim Infinity besteht nun die gesamte Sohleneinheit aus Gel. Dieser Schritt soll zum einen den bereits im Namen verheißenen »unendlichen« Laufkomfort gewährleisten, zum anderen das Gewicht des Schuhs entscheidend verringern. Und ganz nebenbei wird damit Gel als Material endgültig freigelegt. Eine Maßnahme, die so logisch wie überfällig scheint und ganz neue Möglichkeiten des Sneaker-Designs eröffnet.

Natürlich, technisch – typisch japanisch

Die neuartige Struktur der halb transparenten Laufsohle sticht sofort ins Auge. Durch ihre fließenden Formen erinnert ihre Fläche – vor allem in der Männerversion durch die rote Färbung – an einen brodelnden Vulkan, oder an Wasser. Das kommt nicht von ungefähr, denn laut Asics ist die Sohle mit ihren Formen und den Linien an den Seiten von einer Installation des Künstlers und Designers Tokujin Yoshioka inspiriert: Für»Waterfall« hat der Japaner 2011 eigene Glasbänke mit charakteristisch fließenden Mustern entworfen und in Räumen in Szene gesetzt, die durch Gischt Wolken aus transparenten Strohhalmen zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung einladen. Eine typisch japanische Mischung aus natürlich und technisch, aus Tradition und Moderne, die genau ins derzeitige Asics-Narrativ passt.

Der Farbverlauf der Sohle – von intensiv leuchtenden Tönen unter der Ferse hin zu der blasseren Frontpartie, die in der Fußspitze in der entsprechenden Komplementärfarbe aufgeht – wirkt ebenso disruptiv. Bei den Männern ist es der bereits erwähnte Übergang von glühendem Orange hin zu einem schimmernden Grün, der für den dynamischen Auftritt sorgt, bei den Damen geht es von einem starken Purple zu einem hellen Blau. Gekontert werden diese bewusst verschwimmenden Formen und Farben von den klar umrissenen »Tiger Stripes« in den jeweiligen starken Tönen, mit einem konträren, zu den Fersen hin ins Schwarze gezogenen Verlauf. Laut Asics stellen diese beiden Colorways allerdings nur die Speerspitze einer ganzen Palette dar – weitere Farben auf dem neuen Modell sollen bereits im Frühjahr 2019 folgen.

Von 2019 bis zur Unendlichkeit

Schließlich ist da das Upper des Gel-Quantum Infinity, das zugunsten der Sohle ganz bewusst sehr zurückhaltend gestaltet ist, dabei aber genau so viel Innovation birgt wie das Stockwerk darunter. Das einlagige, in einem Stück gestaltete »Vacuum No Sew«-Obermaterial zeigt tatsächlich keinerlei Nähte, sondern nur geprägte Muster, um der Silhouette Struktur zu verleihen. Das Obermaterial aus einem speziell gewobenen Mesh soll sowohl stabilisierend als auch elastisch wirken, die natürlichen Bewegungsabläufe im Fuß unterstützen und gleichzeitig einen bequemen Sitz gewährleisten. Das alles sind Attribute, die vor allem natürlich von leidenschaftlichen Läufern geschätzt werden, im Verbund mit dem schnörkellosen, puristischen Gesamt-Design des Gel-Quantum Infinity aber auch im Lifestyle-Bereich funktionieren dürften.

Als einzige kleine Extravaganz gibt es goldene Details an den Fersen. Auf dem linken Schuh steht »Infinity«, auf dem rechten die Übersetzung des Wortes in japanischen Katakana-Schriftzeichen. Auf der Zunge beider Schuhe findet sich noch der japanische Begriff »Mugen«, was ebenfalls »unendlich« bedeutet, in goldenen Lettern. Bei aller sonstigen fernöstlichen Zurückhaltung: Im laufenden dritten Jahrzehnt der Erfolgsgeschichte von Gel – und anlässlich dieses ersten Einsatzes des Materials nicht mehr nur zur Dämpfung, sondern auch als auf den ersten Blick erkennbares Gestaltungselement – darf man die Dinge ruhig beim Namen nennen. Auf in die Unendlichkeit!

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