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High Fashion with high prices?

Battle of the Gear: High Fashion Sneaker

High Fashion Labels wie Balenciaga, Gucci, Mcqueen oder Margiela bedienen sich an beliebten Sneakersilhouetten und bringen eigene Modelle für das dreifache an Retail heraus. Ob es sich hier um Bereicherung oder eher um Ausbeutung handelt, haben wir im aktuellen Battle of the Gear geklärt.


Vincent, Sneakerstammtisch Köln

»Deine Botten sehen aus wie von Deichmann«, das ist für viele Turnschuh-Freunde eine böse Beleidigung. Denn dort stapeln sich Modelle von Graceland und Co., die allzu deutlich an aktuelle Hypes, etablierte Retros oder aktuelle Releases der großen Marken erinnern. Und wohl niemand, der sich ernsthaft für Sneaker und deren Geschichte(n) interessiert, würde dort die günstige Variante ihres oder seines Grails erstehen wollen. Nicht viel anders verhält es sich mit den Entwürfen sogenannter High-Fashion-Brands. Für oft utopische Retail-Preise bieten jene die missgestalteten Interpretationen diverser Klassiker feil. Vermutlich kommen dabei atemberaubende Materialien wie westafrikanisches Wildwiesel-Leder oder Gartenraupengarn aus Grönland zum Einsatz – doch das macht es in meinen Augen nicht besser. Niemand braucht Sneaker von Maison Margiela, Balenciaga oder Alexander McQueen, solange es Instapump Fury, NMD oder Stan Smith gibt. Letztlich agieren die High-Fashion-Halbgötter genauso wie die Schuh-Discounter auf der unteren Etage im Einkaufszentrum: sie imitieren Silhouetten, um in der großen weiten Sneaker-Welt mitzumischen. Das mag aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar sein, ist aber trotzdem hässlich.

Bea, About You

Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass man einen qualitativ hochwertigen Sneaker für weit weniger als 1000 Euro bekommen kann. Oder dass es einen Pullover, für den bei Helmut Lang um die 400 Euro zu zahlen sind, bei Zara und Co. für eine Null weniger hintendran gibt. Beim Kauf von Marken- und Designer-Ware geht es nicht nur um Produkte, sondern um das Gefühl‚ Teil von etwas Besonderem zu sein. Rechtfertigen lassen sich die hohen Preise vielleicht damit, dass die Qualität bestimmt viel besser ist, oder die Produktionsbedingungen. Doch wenn wir ganz ehrlich sind, werden wir an dem 1000-Euro-Schuh genauso lange Freude haben wie an einem 100-Euro-Modell. Warum es für mich trotzdem in Ordnung geht, für einen Sneaker ein »bisschen« mehr als nötig auszugeben? Zum einen finde ich bestimmte Designer einfach toll – das, wofür sie stehen, ein bestimmter Stil und die besondere Ästhetik, die damit einher geht. All das hat einen gewissen Preis. Und der Preis sorgt ein Stück weit für die Exklusivität. Für mich sind High-Fashion-Sneaker ein Stück angewandte Kunst für die Füße. Und an manchen Tagen brauche ich dieses kleine Extra. Manche finden dieses »Extra« in teuren Taschen oder Uhren – bei mir sind es eben Sneaker. Wenn ich mir absolut sicher bin, dass ich an den Schuhen lange Freude haben werde, weil sie zeitlos sind – also keine Triple S oder so etwas – dann finde ich das schon okay.