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Hässlich gut oder hässlich hässlich?

Battle of the Gear – Ugly Shoes

Das Phänomen hat mit Raf Simons Ozweegos seinen Vorreiter und mit dem Balenciaga Triple S Sneaker seinen Endgegner gefunden. Doch wie steht die Community zu den ungewöhnlichen Schuhen? Janiv und Simon sind sich da nicht ganz einig.


Simon, Pro

»Ugly Sneaker?! Der Name ist Programm« mag ein eingefleischter Holic finden. Ich finde das zu eindimensional gedacht. Nicht umsonst ist die große Ära der Runner vorbei – simples Upper plus Sohle, das gehört der Vergangenheit an. Ugly Sneaker samt ihrer dicken Sohlen und vielen Layern ersetzen das Komfortgefühl aus Leichtigkeit und Bequemlichkeit mit einem sicheren Halt und einer neu zu definierenden Coziness. Der Trend begann 2013 schleichend mit dem Release des Adidas Ozweego und fand Ende 2017 seinen Höhepunkt mit dem Balenciaga Triple S – von dem man bis heute nicht weiß, ob er eine Parodie dieser Bewegung darstellt. So oder so ist die mediale Aufmerksamkeit größer denn je, denn Ugly Sneaker beeinflussen den Kleidungsstil des Trägers maßgeblich. So werden zum Beispiel vermehrt wieder weitere, gemütlichere Hosen getragen. Hypes um klobige Sneaker gab es schon immer, und sie werden auch in Zukunft immer mal wieder entstehen. Es ist so, als würde man mit den Schuhen eine Epoche durchleben, an der man früher nicht teilnehmen konnte – es gibt ja auch Leute, die 2018 erst Tupac für sich entdecken. Abschließend meine Top 3 der Ugly Sneaker: Acne Manhattan, Gucci Rhyton, Raf Simons Ozweego.

Janiv, Kontra

Ozweegos, Balenciagas, Dad-Shoes … für mich persönlich ist dieser Trend der letzte Sargnagel der Schuh-Ästhetik. Ein gut maskierter – und schockierenderweise gelingender –Versuch, den Kunden Scheiße für Gold zu verkaufen und sich dabei ins Fäustchen zu lachen. Das Design-Äquivalent zu einem tragischen Unfall – mit dem Unterschied, dass ich als moralisch intakter Mann über den Unfall natürlich nicht lachen würde. Wenn zehn Leute zu besagtem Schuhwerk greifen – wie viele tun das aus einer eigenen geschmacklichen Präferenz heraus? Ich mutmaße: Ein einziger. Wer sich einen Schuh anschnallt, der aussieht, als hätte ein Zeitreisender auf einer Überdosis halluzinogener Drogen einen Skistiefel mit einem Lehrbuch zur Geometrie und einem Tuschkasten gekreuzt, der soll das gerne tun. Aber doch bitte nicht, weil ihm irgendein pseudo-erleuchteter Fashion-Trottel auf Instagram gesagt hat, »dass man das jetzt so trägt«? Sich in sündhaft teuren Designertretern zu profilieren, das ist doch einfach. Wer würde solche Botten denn noch tragen, wenn sie für einen Zwanni bei Deichmann im Sale stünden? Fakt: Ich habe bisher genau zwei Sorten Mensch gesehen, die sich in diesen Atomklötzen vor die Haustüre getraut haben – prätentiöse Mode-Spasten und Migos. Falls du nicht bei den letzteren bist, dann bleibt ja nicht mehr so viel übrig, oder?