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Turnschuh-Business as usual?!

City Check Berlin – Overkill Marc

Seit Anfang der 90er-Jahre gibt es den Overkill Shop, seit 2008 leitet Marc Leuschner aka The Joker den Sneakerstore in Kreuzberg. Der Laden hat es von einer kleinen Anlaufstelle für Sprayer und Turnschuhfanatiker zu einem der relevantesten Instanzen in der deutschen Sneakerszene geschafft. Jüngst hat das Overkill-Team einen Laden eigens für Ladies lanciert. Im Anschluss gab Marc uns einen kleinen Einblick in die Branche, das Leben in Berlin und das Berghain.

Seit wann bist du im Sneakerbereich unterwegs?

So richtig fing das bei mir zwischen 2001 und 2002 im Alter von 15 Jahren an. Mich infizierte das ganze Thema schon Jahre zuvor, jedoch war ich zu jung und hatte kaum ausreichend finanzielle Möglichkeiten, hier schon aktiv zu werden. Doch dann ging es recht fix: Die Schuhkäufe häuften sich, ich habe die Szene verfolgt und wurde ein Teil von ihr.
Wie hast du es geschafft, Overkill zu seinem jetzigen Standing zu verhelfen?

Ein ganz wichtiger Aspekt ist sicherlich, dass ich die Möglichkeit hatte, mein Hobby zum Beruf zu machen. Dieses Prinzip verfolgen wir übrigens auch bei der Wahl unserer Mitarbeiter. Das ganze Team besteht aus authentischen Schuhliebhabern, die ihre Passion jeden Tag im Store ausleben dürfen. Wir alle haben jahrelange Erfahrungen mit allem, was das Turnschuh-Business hergibt. Wir sind sehr bemüht, viel Content zu liefern, um unsere Kunden jederzeit mit Fachwissen zu versorgen. Uns geht es nicht einzig um wirtschaftliche Zwecke, wir wollen auch Gleichgesinnte treffen und neue Freundschaften entstehen lassen – über ein Hobby, das alle verbindet. Das alles trägt zu unserer Erfolgsgeschichte bei.
Welchen Stellenwert genießt dein Store speziell in Berlin?

Unser hoher Stellenwert gilt meiner Meinung nach deutschlandweit und ist nicht auf Berlin limitiert. Hier in Berlin sind wir natürlich die Anlaufstelle Nr. 1, wir haben die größte Auswahl an Sneakern. Unsere Kompetenz spielt dabei auch eine wesentliche Rolle, doch der Mix aus beidem ist am Ende sicherlich entscheidend. Der Store an sich, vor allem auch die Erweiterung durch den OVERKILL Women Space, spielt natürlich eine große Rolle. Jeder kann von außen sehen, dass wir immer wieder viel investieren und definitiv nicht in der Zeit stehenbleiben.
Was würdest du jemanden raten, der jetzt einen neuen Laden eröffnen möchte?

Dass er sein Geschäftsmodel überdenken sollte und sich gegebenenfalls lieber eine andere Herausforderung suchen soll. In den letzten Jahren haben viele Stores eröffnet, etliche mussten bereits wieder dichtmachen. Das ist eindeutig ein Zeichen dafür, dass das Konzept in einigen Regionen einfach nicht funktioniert. Außerdem ist es heutzutage schwer, sich mit den aktuellen Platzhirschen auf Produktebene zu messen. Der Kuchen ist stationär bereits verteilt, denke ich.
Du bist mit deinen Leuten bei jeder Sneakerness vertreten. Was motiviert dich, immer wieder aufs neue deine Stadt zu verlassen?

Für uns sind Messen oder Events wie die Sneakerness immer wie eine Klassenfahrt: Wir entfliehen unserem Alltag und sind fernab von Berlin unterwegs, um uns auch außerhalb zu präsentieren. Wir sind mit viel Spaß an der Sache, sehen teilweise fremde Städte, können dabei viel erleben – ob im Nachtleben oder auf Sightseeing vor und nach der Messe – diese Touren haben immer einen hohen Unterhaltungswert für uns. Viele unserer Stammkunden reisen oft mit und haben viel Freude mit uns. Wir sind einfach ’ne geile bunte und wilde Truppe und mittlerweile bekannt für unseren Unterhaltungswert und gute Stimmung. Außerdem wollen wir als Team Overkill auch außerhalb von Berlin greifbar sein. Ob Köln, Paris oder Amsterdam – uns ist kein Weg zu weit.
Was unterscheidet deine lokalen Kunden von deinen internationalen?

Ehrlich gesagt kann ich keine großen Unterschiede feststellen, lediglich in den Trends gibt es sicherlich welche. Auch modische Unterschiede spielen hier und da natürlich eine Rolle.

In Berlin erfreuen sich alte Adidas-Modelle einer hohen Beliebtheit. Auch du bist ein passionierter Adidas-Sammler. Ist das so ein Hauptstadt-Ding?

Das Thema kann man nicht nur auf Berlin reduzieren. Diese Vorlieben existieren aber vor allem in Ostdeutschland. Dort gibt es zahlreiche Adidas-Liebhaber mit beeindruckenden Sammlungen. Ich habe gute Freunde und Stammkunden in Dresden, Leipzig, Halle, Chemnitz, … Sie alle sind seit Anfang an dabei und tragen ihren Teil zur deutschen Turnschuh-Kultur bei.
Die Stadt hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Viele Leute ziehen von außerhalb zu und die Mieten werden teurer. Wie siehst du diese Entwicklung?

Berlin boomt, das ist spürbar. Für mich gibt es in Deutschland keinen besseren Ort zum Leben. Ich bin hier geboren und dafür sehr dankbar. Wirtschaftlich ergeben sich durch diese Entwicklung einige Möglichkeiten, generell ist das positiv.
Negativ sind ganz klar die steigenden Mietpreise. Es wird immer schwieriger, einen normalen Lebensstandard zu finanzieren. Viele Berliner haben wegen dieser Entwicklung daher auch einige Sorgenfalten auf der Stirn. Vor allem für Familien mit Kindern wird es leider nicht einfacher.


Haben sich auch der Style und die Mode verändert?

Die Mode ändert sich doch stetig, Trends kommen, Trends gehen – die Welt dreht sich halt. Und die Mode auch.


Berlin in drei Worten?

Ich bin sprachlos.


Wenn Berlin ein Sneaker wäre, welcher wäre es?

Es müsste ein Hybrid aus vielen Modellen sein. Berlin ist bunt, bei Tag und bei Nacht. Die Trends sind ebenfalls bunt, genauso wie die unterschiedlichen Sneaker …

Pics by Runnerwally
Damit ihr pünktlich zu der Sneakerness in Berlin diesen Sonntag vor und nach der Veranstaltung die Stadt erkunden könnt, haben wir euch ein paar Tipps zusammengestellt, wo ihr hingehen könnt zum Schlafen, Shoppen, Snacken und Staunen.
Sneaker & Streetwear shoppen

Voo Store

Der im November 2010 gegründete Voo Store ist in den Räumen einer ehemaligen Schlosserei beheimatet. In fünfeinhalb Jahren hat er sich zu einer festen Fashioninstitution gemausert. Seine Betreiber, die beiden aus der Türkei stammenden Brüder Kaan und Yasin Müjdeci, kennen sich bestens aus, sowohl in ihrem Kreuzberger Kiez – sie betreiben auch die beliebte Luzia Bar auf der Oranienstraße – als auch in diversen Modemetropolen. Brands wie Acne, Reality Studio, Wood Wood, Carven und A Kind of Guise finden sich in dem loftartigen Laden auf gut 300 qm – natürlich umfasst das Sortiment auch Sneaker von Nike, New Balance, Reebok, Y-3, Eytys, Adidas by Raf Simons und Christopher Kane. Eine kleine Auswahl an schönem Schmuck und Coffee Table Books ergänzt das Angebot – im angeschlossenen Café von Companion Coffee kann dann schön geschmökert werden.

Oranienstraße 24, 10999 Berlin
www.vooberlin.com
Wood Wood / Wood Wood Annex

2002 initiierten ein paar ehemalige Studenten der Royal Design School of Denmark das Label Wood Wood. Was mit limitierten Shirts begann, entwickelte sich schnell zu einem der populärsten Streetwear-Brands diesseits des Atlantiks. Vier Jahre später folgte dann der erste deutsche Shop auf der Rochstraße in Berlin, wo neben der eigenen Kollektion auch Brands wie DKNY und Comme des Garçons feilgeboten werden. Weil ein vernünftiger Style aber ohne den dazu passenden Sneaker nix ist, eröffneten die designaffinen Dänen 2012 in unmittelbarer Nähe zum hippen Haupthaus Wood Wood Annex, einen Shop für Schuhe und Accessoires. Der Laden ist nicht nur die erste Anlaufstelle für gehypte Kollabos wie zuletzt zwei UltraBoost-Modelle in Zusammenarbeit mit Adidas, sondern auch für die neusten Modelle von Common Projects, Nike und natürlich die unvermeidlichen Yeezys.
Rochstraße 3 & 4, 10178 Berlin
http://www.woodwood.dk/stores
No 74

Der Name lautet No 74, aber eigentlich ist der Store auf der Torstraße die Nr. 1 für alles rund um den Adidas-Kosmos –  seien es Y-3-Modelle, Jeremy-Scott-Schuhe oder die kreativen Ergüsse von Kanye West. 2008 wurde No 74 als erster Adidas Icon Store lanciert, mit der Idee, einen Ort zu schaffen, der den Adidas-Kosmos vereint und gleichzeitig einer kreativen Community als Treffpunkt dient. Und weil das im Real Life immer noch schöner ist als im Netz, gönnt man sich bei No 74 den Luxus der Webshop-Abstinenz. Kunden können aber telefonisch die Artikel ihres Begehrens anfragen oder vor Ort aufschlagen, um sich die Kollaborationen mit 032c, Uslu Airlines, Cookies, IGNANT, Haw-Lin und Terranova zu sichern. Das Konzept geht auf, deswegen hat Paris seine eigene No 42 bekommen, in London wird derweil bei No 6 geshoppt.

Torstraße 74, 10119 Berlin
http://www.no74-berlin.com/
Essen & Kaffee

District Mot

Bei District Mot ist man auf Saigon Street Food spezialisiert. Hier weht ein vietnamesischer Wind: Statt auf Stühlen sitzt man auf Plastikhockern, sogar an einem kleinen Tuk-Tuk-Stand wird Essen angeboten. Eine gehörige Portion Vietnam findet sich aber nicht nur in der Gestaltung des Gastraums, sondern auch auf der Speisekarte – wenn man in Berlin frittierte Seidenraupen essen möchte, dann am besten hier. Für den europäisch geprägten Gaumen eignet sich der Bao Burger »De La Sauce«: Auf einem Burger-Bun aus Reismehl stapeln sich ein 120-g-Rindfleich-Patty, vietnamesische Mixed Pickles, Sesam, Koriandergrün, frittierte Sojahaut und frische Mango. Mariniert wird mit drei verschiedenen Soßen: Mayonnaise, karamellisierte Fischsoße und rote Chilisoße. Die Burger-Interpretation heimste schon einige Male den ersten Platz beim Wettbewerb des „Burgers and Hip Hop“-Events ein.
Rosenthaler Str. 62, 10119 Berlin
www.districtmot.com
Parker Bowles

Die Betreiber des Prince Charles, wo es sich vorzüglich zu Hip-Hop-Beats bouncen lässt, stecken auch hinter dem Parker Bowles. Es ist sowohl Deli als auch Bar und befindet sich am Moritzplatz. Schon morgens kann man sich hier mit allerlei Ei-Variationen stärken (Omeletts im Italien- oder French-Style), mittags hat man die Wahl zwischen fleischig-fischig oder vegetarisch und auch abends lässt es sich delikat dinieren. So richtig Sinn macht ein Besuch aber vor allem in den späten Abendstunden, um sich bei hervorragenden Drinks auf den anschließenden Dance einzustimmen, zum Beispiel mit den Signature Longdrinks wie dem »Parker Lewis« mit Limonengras, Gordon’s Gin und Homade Grapefruit Limo. Die große Glasfront gibt den Blick auf ankommende Clubbesucher frei. Die stehen Schlange, um zu einem Extended Set von Detroit Swindle abzugehen oder um der breiten Öffentlichkeit ihren Flow bei einer Deutschrap-Karaoke zu präsentieren.
Trinken & tanzen  

Gretchen

Das Gretchen mag Bassmusik – schließlich haben auch seine Chefs nichts gegen einen ordentlichen Drop einzuwenden. 15 Jahre lang betrieben sie den legendären Drum 'n' Bass -Club »Icon«, bevor dieser im Januar 2012 seine Pforten für immer schloss. Damit der Abschied nicht ganz so schwerfiel, hatte man schon einige Monate zuvor in den alten Stallungen des preußischen 1. Garde-Dragoner-Regiments in Kreuzberg das Gretchen eröffnet. Die beeindruckende Location mit den hohen Decken, schmalen Säulen und filigranen Kreuzgradgewölben wird sowohl durch Konzerte als auch DJ-Sets bespielt. Da kommen schon mal Tricky und The Gaslamp Killer vorbei oder Ninja Tunes hostet eine Nacht und lädt den von Radiomoderator Gilles Peterson entdeckten Archie Fairhurst aka Romare ein.
Gretchen, Obentrautstr. 19–21, 10963 Berlin
www.gretchen-club.de
Schlafen  

Gorki Apartments

Die Gorki Apartments liegen mitten in Mitte, direkt am Volkspark beziehungsweise Weinbergsweg. Wie der Name schon nahelegt, handelt es sich nicht um eine weitere Berliner Bettenhochburg, sondern um ein altes Mietshaus, dessen Wohnungen in liebevoller Kleinstarbeit zu temporären Hauptstadtdomizilen ausgebaut wurden. 35 Apartments freuen sich dort auf design-affine Gäste. Die kleinsten Einheiten bieten Platz für zwei und kommen mit Küchenzeile inklusive Kaffeemaschine daher, die Penthouses protzen mit bis zu 200 m². Außerdem gibt es Räumlichkeiten mit fast 50 m² auf zwei Zimmern, die neben Badewanne und Raindance-Dusche auch einen Balkon mit Ausblick bieten. Alle Appartements haben eine Klingel und einen Briefkasten – anonymisiert versteht sich. Auch ansonsten wurde nicht an Liebe zum Detail gespart: So stammen beispielsweise die Kissenbezüge aus dem Hause Odeeh und das dänische Street-Wear-Label Wood Wood stattet die Angestellten aus.
Weinbergsweg 25, 10119 Berlin
www.gorkiapartments.de
Kunst gucken  

Circle Culture Gallery

Wenn es eine Galerie gibt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Grenzen zwischen Urban Art und Bildender Kunst aufzuweichen, dann ist es die Circle Culture Gallery. Neben einer Dependance in Hamburg betreibt sie auch einen Standort in Berlin. 2001 legte Johann Haehling von Lanzenauer den Grundstein für die Galerie, in der von Malerei über Fotografie bis hin zu Skulptur und Installation keine medialen Grenzen gesteckt werden. Nach elf erfolgreichen Jahren ist die Galerie 2013 von der Gipsstraße in die Potsdamer Straße umgezogen und bespielt seitdem dort Räume im zweiten Hinterhof. Neben akademischen Positionen von Künstlern wie Arno Rink, Direktor der Leipziger Schule und Lehrer von Neo Rauch, umfasst das Ausstellungsprogramm auch viele Street-Art-Künstler wie Jaybo Monk, Aaron Rose und Nomad.
Potsdamer Straße 68, 10785 Berlin
http://www.circleculture-gallery.com/