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Tokio am Rhein

City Check Düsseldorf mit Seb vom Afew Store

Als Mitarbeiter von Afew ist Sebastian Morgner über die letzten Jahre zu einem der Gesichter des Stores geworden. Der gebürtige Düsseldorfer ist dort hauptsächlich im Bereich Marketing und Fotografie tätig und verbringt seine knappe Freizeit zwischen Sneakers und seiner Familie mit zwei Kindern. Wir sprachen mit ihm über die – aus Sicht der Kölner Redaktion »verbotene« – Stadt, den Laden und die Entwicklung von beidem.


Was begeistert dich an Düsseldorf?

Die Stadt wächst und wächst und es kommen immer wieder neue coole Dinge hinzu. Aber Düsseldorf ist nicht nur Stadt, hier gibt es viel Grün, großartige Parks, Wälder, den Rhein und vieles mehr. Das ist genau der Kompromiss, den ich brauche – ich kann mal eben in die Stadt, um einen Kaffee trinken, aber genauso schnell in den Wald, am liebsten mit der Family.

Gibt es auch Dinge, die dich an der Stadt stören?

Es gibt einfach keine guten Techno-Clubs und die Subkultur wird hier klein gehalten. Dafür liebe ich Köln – sorry an meine Düsseldorfer, aber dort geht einfach viel mehr. Außerdem ist es schwer geworden, hier eine Wohnung zu einem erschwinglichen Preis zu bekommen. Die Mieten sind einfach nur noch absurd.

Wie bist du seinerzeit zur Crew vom Afew Store gestoßen?

Als ich damals keinen Bock mehr auf meinen alten Job hatte, entschied ich mich, eine Fortbildung zu machen. Um dabei den einen oder anderen Euro dazu zu verdienen, fragte ich bei Afew wegen eines Nebenjobs an. Ich kannte die Jungs schon länger, da ich Dauergast im Store war. Anfangs habe ich nur zwei Tage die Woche gearbeitet. Man kann es sich heute kaum mehr vorstellen, aber zu der Zeit hat ein Mitarbeiter im Store gereicht – an einem Samstag! Zum Glück befand sich Afew damals an einem Wendepunkt, und so gab es im Dezember 2014 das bisher unmoralischste Jobangebot meines Lebens, abends bei Köfte und Reis. Seitdem habe ich mich hier von Job zu Job geschlagen: Store Manager, Produktpflege, Fotografie, Marketing. Bis auf den Store Manager mache ich das alles noch. Wobei es jetzt in der Hauptsache ums Marketing geht und die Betreuung des Foto-Teams.

Der Laden liegt im japanischen Viertel von Düsseldorf. Was begeistert euch an der fernöstlichen Kultur?

Bei mir ist es tatsächlich das Essen! Was einem bei den Nachbarn direkt auffällt, ist der höfliche Umgang und das Miteinander. Aber mal ehrlich, wer bitte mag denn die japanische Kultur nicht? Japan als Land steht bei mir schon immer ganz weit oben.

Inwiefern hat die Arbeit bei Afew dein eigenes Sneaker-Kaufverhalten und deine Sicht auf die Szene beeinflusst?

Mein eigenes Kaufverhalten war die ersten Jahre etwas gestört. Obwohl ich eigentlich pleite war, ging fast mein komplettes Gehalt wieder zurück an Afew. 2015 war auch krass für Asics, ich habe so ziemlich jede Asics-Kollabo gekauft, die in dem Jahr erschien. Das mit dem Kaufen habe ich dann über die Jahre zurückgeschraubt. Momentan versuche ich mich zurückzuhalten und wenn, dann kaufe ich nur unsere eigenen Collabs. Die Sicht auf die Sneakerszene wird durch so einen Arbeitgeber natürlich hart auf die Probe gestellt. Alle wollen plötzlich mit dir befreundet sein und viele verstehen nicht, dass es neben dem Job bei Afew noch einen privaten Seb gibt. Ich versuche, zu jedem nett zu sein, aber hier und da ist es schwer, die Contenance zu wahren. Die Leute echauffieren sich über alles und lassen den Frust oftmals bei mir raus. Das Positive hingegen überwiegt um ein Vielfaches. Ich liebe es einfach, dass man durch das gemeinsame Hobby viele neue Leute trifft und manche sogar zu Freunden werden. Dazu passieren immer wieder neue Dinge und es wird nie langweilig.

Man merkt bei euren Events, dass die Beziehung zu lokalen Partnern stetig gepflegt wird. Welche Rolle spielt euer Store für die Stadt?

Ich weiß, dass wirklich jeder bei Afew hinter Düsseldorf steht und die Stadt liebt. Hier kommt genau das zum Tragen, was ich zuvor schon erwähnte: Einerseits liegt es natürlich nahe, sich mit den Partnern aus der Umgebung auszutauschen, zum anderen kommen viele auf uns zu, weil sie genau das feiern, was wir sind. Ein Beispiel ist der Blumenladen gegenüber vom Store – ein richtig schöner Laden, der sich von vielen anderen abhebt. Als wir zum »Mighty Forest« einen Stammtisch machen wollten, war klar, wen wir fragen würden. So geht es ständig, egal ob wir in einem japanischen Supermarkt ein Shooting machen oder uns mit Hotels connecten, um unsere Gäste dort unter zu bringen. Ein ständiges Geben und Nehmen, von dem alle profitieren.

Wie lässt sich der typische Düsseldorfer Style beschreiben?

Vermutlich erwarten viele jetzt die immer wiederkehrende Antwort: versnobt. Klar, das gehört auch zur Stadt – aber kommt doch mal an einen Sonntag zu einem Parklife-Event. Da kommen die ganzen Hipster-Mamis und -Papis, die Skater und Raver aus ihren Höhlen und der Style-Faktor in Düsseldorf steigt auf 110 Prozent.

Was unterscheidet euren Look bei Afew von dem der restlichen Stadt?

Wir haben so ziemlich jeden Look bei uns im Store, egal ob High-Fashion oder swaggy Skate-Look. Der Großteil von uns mag es aber eher gediegen, ein bisschen vintage, techy, manchmal auch Supreme – ein guter Mix.

Afew hat gerade zehntes Jubiläum gefeiert. Wie haben sich der Store und die Stadt in der letzten Dekade entwickelt?

Bei meinem ersten Besuch standen diverse Air Max 1 in einem selbstgebastelten Holzregal. Seither befindet sich der Store im steten Wandel. Der »Glow in the Dark«-Boden wurde eingelassen, der Store wurde immer cleaner und strukturierter, bis der ganz große Umbau stattfand. Jetzt hängen die Schuhe an Magnetwänden und werden über Media-Stationen geordert. Die Stadt hat sich genauso entwickelt, es kommen immer größere und krassere Gebäude hinzu. Nicht zu vergessen, dass wir endlich eine vernünftige U-Bahn bekommen haben, übrigens ein sehr guter Spot für Fotos. Die U-Bahn bietet meiner Meinung nach den krassesten Mehrwert für die Stadt. Die Autos wurden – so gut es geht – verbannt und die Fahrradwege super ausgebaut. Man merkt, dass Düsseldorf Bock hat, und das spiegelt sich in der Stadt wieder, aber auch bei uns im Store.

Wenn Düsseldorf ein Schuh wäre – um welches Modell würde es sich handeln?

Ganz klar: Asics Gel-Lyte III!

Sneaker & Streetwear shoppen

Ela Selected

Sneaker und Streetwear der gängigen Marken sucht man bei Ela Selected vergebens. Shop-Betreiberin Gabriele Hölscher, Ela genannt, mischt seit über 30 Jahren im Fashion-Business mit. Es wird gemunkelt, ihr Hang zum nonchalanten Nonkonformismus sei in den 80er Jahren zum Beispiel besonders gut bei der legendären Düsseldorfer Band Kraftwerk angekommen. Und was den Elektro-Pionieren taugte, dafür sollten sich auch Sneakerheads nicht zu schade sein. Der Store mit ordentlich Loft-Flair liegt in der Werkhalle eines ehemaligen Fabrikgeländes auf der Volmerswerther Straße, ein perfektes Ambiente für die ambitionierte Avantgarde-Mode. Neben etablierten Labels für Männer und Frauen wie Maison Martin Margiela, Odeur oder Henrik Vibskov finden sich bei Ela Selected Stücke noch kaum bekannter Nachwuchsdesigner, aktuell zum Beispiel die coolen Unisex-Teile von House Of The Very.

Volmerswerther Straße 21,40221 Düsseldorf
ela-selected.com

Essen

Takumi

Mit mehr als 6000 Japaner*Innen ist Düsseldorf die einzige deutsche Stadt, die mit einer eigenen »Japantown« aufwarten kann. Eine Vielzahl von Karaoke-Läden, Sake-Bars und Ramen-Restaurants prägt rund um Oststraße, Immermannstraße und Charlottenstraße die Szenerie. Fragt man Locals nach ihrem Japan-Tipp, sind sich schnell alle einig: Takumi! Die Schlange vor dem Laden ist entsprechend lang, das Lokal dagegen winzig – und die Ramensuppen köstlich. Hat man es erstmal durch die Eingangstür geschafft, fühlt man sich wie nach Nippon gebeamt. Von in Plastik laminierten Menüs lachen einen Meisterwerke der Food-Fotografie an, neben den japanischen Kanji-Zeichen geben nur englische Untertitel Aufschluss über das Angebot. Bei Unsicherheit während der Bestellung einfach wahllos mit dem Finger irgendwo auf die Karte zeigen – hier ist alles lecker.

Immermannstraße 28, 40210 Düsseldorf

What‘s Beef

Neben Sushi und Ramen hält Düsseldorf rund um die Immermannstraße natürlich zahlreiche Alternativen für weniger experimentierfreudige Gaumen parat. Bei What’s Beef kommen laut Eigenwerbung die frischesten Burger der Stadt auf den Rost und in hungrige Mägen, begleitet von den unvermeidlichen Fritten, natürlich frisch aus wahlweise süßen oder normalen Kartoffelknollen geschnitten. Selbst die Buns werden vor Ort gebacken, stolz ist man auch auf die hausgemachten Shakes und Limonaden. »Street Art trifft auf Street Food« lautet hier das Motto, an den Wänden gibt es viele Werke von zeitgenössischen Street-Künstlern zu sehen, überhaupt transportiert das Ambiente ein durch Lokale in New York City inspiriertes, urbanes Flair. Dazu passt auch der moderne Service: Wer per App vorbestellt, erspart sich vor Ort das Warten.

Immermannstraße 24, 40210 Düsseldorf
whatsbeef.de

Trinken & Tanzen

Golzheim

Düsseldorf ist historisch betrachtet eine deutsche Metropole für die elektronische Musikproduktion. Auch wenn internationale Jünger der House- und Techno-Szene mittlerweile eher nach Berlin pilgern – in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen legten einst Kraftwerk den Grundstein für Clubmusik, wie wir sie heute kennen und lieben. Dieser Tradition fühlt sich das Golzheim verpflichtet. Der Betonbau unter einem Bogen der Theodor-Heuss-Brücke bringt vornehmlich Elektronisches auf die Plattenteller, aber auch grundsolide Hip-Hop-Sausen wie »Get Down« finden sich im Programm. Die Location mit einer Gesamtfläche von 160 Quadratmetern und stellenweise fünfeinhalb Meter hohen Decken bietet viel Platz zum Tanzen, die Gast-DJs kommen aus aller Welt – und die Besucher sogar aus dem benachbarten Köln angereist.

Uerdinger Str. 45, 40474 Düsseldorf
golzheim.is

Kunst gucken

Kit

Es soll ja Menschen geben, die zum Lachen in den Keller gehen. In Düsseldorf geht man zum Kunst gucken in den Tunnel. Der 2007 eröffnete Ausstellungsraum befindet sich in Höhe des Familienministeriums, in einem direkt unter der Rheinuferpromenade gelegenen Bereich zwischen den Verkehrstunneln. Die spektakuläre Lage allein macht die Location natürlich noch nicht zur Empfehlung – bei KiT hat man sich auf das Zeigen spannender zeitgenössischer Kunst von jungen Kreativen spezialisiert. Ob Bildhauerei, Malerei, Fotografie, Video- oder Installationskunst, hier wird ausgestellt, was vielleicht bald schon zum Kanon der Kunstgeschichte gehören könnte. Der perfekte Ort also, um neue Künstler*Innen für sich zu entdecken!

Mannesmannufer 1b, 40213 Düsseldorf
kunst-im-tunnel.de

Schlafen

25hours

Vorbei die Zeiten, in denen Hotelketten sich vor allem durch eine biedere, auf maximale Funktionalität ausgerichtete Gestaltung auszeichneten. Individualismus ist das neue Interieur-Credo – das gilt auch selbstverständlich auch für die deutschen 25hours-Häuser. Neben Ablegern in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg, Zürich, Wien und bald Paris haben auch in den beiden Rheinmetropolen Köln und Düsseldorf solche Hotels eröffnet. Das Thema in der Landeshauptstadt lautet »Das Tor. Französisches Flair und deutsche Ingenieurskunst mit spektakulärem Blick über Düsseldorf«. Die Zimmer sind entweder in französischem oder deutschem Stil eingerichtet, also provenzalisch-pittoresk oder industriell und klar. Als sprichwörtliches Highlight des Hotels gilt das The Paris Club Restaurant und die dazugehörige Bar mit spektakulärem Blick in der 16. und 17. Etage. Zum Glück darf man dort auch ohne Zimmerschlüssel einkehren!

Louis-Pasteur-Platz 1, 40211 Düsseldorf
25hours-hotels.com