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Flashback

Fila 2018

Fila hat sich für 2018 einiges vorgenommen. Nachdem die norditalienische Marke letztes Jahr die Mädels mit ihrem Disruptor umgarnte, erwartet uns in diesem Sommer eine Star-Besetzung von ikonenhaften Fila-Modellen aus den 90ern. Die Hauptrollen spielen dabei die charaktervollen Silhouetten Venom, Ray, Mindblower und D-Formation.


Vorbemerkung des Autors: Ich bin 1991 geboren und würde mich daher nicht als klassisches »90s Kid« bezeichnen – obwohl meine Kindheit in jener Zeit stattfand, waren es doch die Jahre nach dem Millennium, die mich sowohl musikalisch als auch in Sachen Mode geprägt haben. Dennoch ist eine gewisse Nostalgie für die Blütezeit von Eurodance, Boygroups und Tamagochis auch in mir stark. Sogar meine Begeisterung für Sneaker keimte bereits damals auf: Die coolen großen Kids trugen Plateausneaker, klobige Skate-Silhouetten – und den heißen Scheiß von Fila. Die Marke zelebriert das Comeback der 90er in diesem Jahr im ganz großen Rahmen. Wir haben uns das aktuelle Line-Up angeschaut und mit Konrad Novak, dem Marketing-Chef von Fila Deutschland, über Vergangenheit und Gegenwart sinniert.

Smells Like Teen Spirit

»Modisch gesehen waren die 90er wirklich eine schräge Zeit: Tattoo-Ketten, Schlaghosen, Crop-Tops, Denim-Komplett-Looks, Samt-Rollis oder Plateau-Schuhe – all das wurde in jenen Jahren rauf und runter getragen«, erinnert sich Konrad Novak. Doch so richtig schräg wirken all diese Trends aus heutiger Sicht nicht mehr. Schaut man sich um, was in den Straßen und auf Instagram getragen wird, so finden sich viele Parallelen zu den 90er Jahren.

Ein Phänomen, das auch Konrad Novak auf dem Schirm hat: »Das Ganze fing vor ein paar Jahren mit dem Sneaker-Hype an. Auf einmal waren Nike Air Max wieder heiß begehrt.« Dann gab es auf einmal ein Revival für Tommy Hilfiger und Calvin Klein – auf dessen Unterwäsche wie schon vor zwanzig Jahren groß und breit der Firmenname zu sehen war, was die junge Zielgruppe richtig cool fand. Im Zuge des aufbrandenden 90er-Trends begannen die Hipster, nach Logo-Shirts aus vergangenen Jahrzehnten zu suchen, und Stores wie Urban Outfitters befeuerten die Lust auf Nostalgie mit Vintage-Ware, erzählt Konrad: »Für unsere Marke haben aber vor allem aber die Kollaborationen mit angesagten Designlabels der Jetzt-Zeit den Stein ins Rollen gebracht. Gosha Rubchinskiy hat Fila einen neuen Anstrich verpasst und damit den Weg geebnet für den aktuellen Hype der Marke.«

Die Bo(u)rgeoisie

Die Geschichte von Fila reicht über 100 Jahre zurück. Giansevero Fila und seine drei Brüder gründeten das Unternehmen 1911 am Rand der italienischen Alpen. Ihr Kerngeschäft bestand damals in Unterwäsche. Ein halbes Jahrhundert verging, bis die Firma mit dem Einstieg in die Sportbekleidung den wohl wichtigsten Schritt in der gesamten Firmenhistorie wagte. Als Testimonials dabei: Skifahrer, Bergsteiger – und das Tennis-Wunder Björn Borg. Der Schwede war, was seine Leistungen und den richtungsweisenden Einfluss in der Sportswear-Welt betrifft, zu jener Zeit im Tennis das, was Michael Jordan später im Basketball schaffte.

Mit dem Jahrhundert-Sportler führte Fila den Tennis-Hype der 70er Jahre an. Und während die Brand in den frühen 80ern mit ihren Trainingsjacken und Sweatshirts in den Straßen in Europa bestens vertreten war, wuchs in den USA die modehungrige Hip-Hop-Szene heran. MCs wie LL Cool J oder das Duo Eric B. & Rakim trugen komplette Trainingsanzüge von Fila, Nas namedroppede sie in seinem Track »My Way« mit den Worten: »Word to Will, buried in his Fila suit and heavy chain. I want to be iced-up nigga, bury me the same.« Dennoch verschwand die Marke zum Ende der 90er für fast eine Dekade von der Bildfläche.

Erst 2007 meldete sich Fila mit einem Paukenschlag zurück – in Form einer Kollaboration mit niemand geringerem als Supreme. Die Kollektion trug eine klare Tennishandschrift, und so wurden Poloshirts und Stirnbänder zur Uniform von Hypebiestern, die zu den Zeiten von Filas größten Erfolgen nicht einmal geboren waren. Die Wichtigkeit dieser Kollaboration lässt sich im Nachhinein laut Konrad Novak gar nicht überbewerten: »Anfang der 2000er besaß Fila nur eine unzureichende Markenidentität. Um diesen Umstand zu korrigieren, haben wir die Positionierung neu ausgerichtet. Wir konzentrierten uns fortan auf den Sport- und Lifestyle-Fachhandel.« Die kontinuierliche Arbeit an der Markenidentität gipfelte schließlich in der Kollaboration, die Fila wieder dauerhaft zurück im Streetwear-Game etablierte.

Vier Schuhe für ein Halleluja

Da Fila nun die Aufmerksamkeit der Szene zurück gewonnen hatte, bestand der nächste Schritt darin, einen Schuh abzuliefern, der an die Markengeschichte anknüpfte und gleichzeitig etwas komplett Neues sein sollte – und so kam der Disruptor auf die Bildfläche. Innerhalb kürzester Zeit schlug das Modell ein wie ein Topspin von Björn Borg. Konrad Novak schwärmt noch heute von der klobigen Silhouette: »Der Disruptor ist mit Abstand unser wichtigster Schuh! Wir haben damit eine unverkennbare Silhouette geschaffen, die sich deutlich von der restlichen Sneaker-Konkurrenz abhebt. Darauf sind wir schon etwas stolz.«

In diesem Sommer folgen nun vier weitere Silhouetten, die den Siegeszug Filas fortführen sollen. Den Anfang macht der Venom, der bereits in unserer letzten Ausgabe exklusiv zu sehen war. Erstmalig 1994 veröffentlicht, versprüht der Schuh mit dem giftigen Namen noch heute eine gefährliche Aura. Sein hochtechnisierter Look in Verbindung mit einer üppig bemessenen, gerillten Plastiksohle machen ihn zum Superschurken unter den »Dad Shoes«.

Für einen weiteren starken Retro-Moment sorgt der Fila Mindblower. Ursprünglich ein Jahr nach dem Venom erschienen, erregt dieser Schuh durch das übergroße, verzerrte Logo in der Midsole noch heute Aufsehen. Sein verspulter Look in Verbindung mit atmungsaktivem Komfort wurde bereits auf über vierzig Kollaborationen mit Akteuren wie Shinzo, Lafayette oder Sneakerlab zelebriert – weitere sollen noch in diesem Jahr folgen.

Der nächste im Bunde ist ein echter Dad-Shoe-Mutant: der D-Formation. Wie der Name schon vermuten lässt, haben wir es hier mit einem echten Statement-Sneaker zu tun. Das eigenwillige Schnürsystem in Verbindung mit dem komplexen Upper, die teils glatte, teils geriffelte Midsole sowie die an einen Haifisch erinnernde Laufsohle stellen sicher, dass niemand diese Silhouette übersehen kann.

Das vierte Modell innerhalb des Comeback-Quartetts ist schließlich eine komplett neuartige Silhouette: Der Ray wirkt wie die wavy Antwort auf den Disruptor. Tatsächlich sind Wellen hier ein Leitmotiv, was das Design und den Look betrifft. Sie finden sich auf den Side-Panels und der Zwischensohle wieder. Breit gebaut und in den klassischen Farben gehalten, rundet dieser neue Sheriff in der Stadt das Fila-Quartett für den Sommer 2018 ab.

Welcome 2k18

Mit großen Logos, wuchtigen Schuhen und einem krassen Line-Up baut Fila in dieser Saison auf ihren Erfolgen aus den letzten Jahren auf. Diesmal braucht die Brand allerdings keinen Gosha Rubchinskiy oder James Jebbia, um ihre Produkte an die Füße vieler junger und vor allem weiblicher Fans zu bringen: »Frauen haben einen sehr ausgeprägten Sinn für Mode. Ich behaupte, dass sie auch ein besseres Verständnis für Mode haben als Männer. Sie kombinieren und probieren Styles deutlich progressiver aus«, behauptet Konrad Novak.

So hat nicht nur das passende Gespür, was Timing und Trends angeht, sondern auch die Einsicht, dass ohne die Damen einfach nichts geht, den Erfolg der Marke beflügelt. Den ersten Schritt der 90er-Retro-Offensive hatte der Venom gemacht, der zur Veröffentlichung dieses Magazins bereits bei ausgewählten Stores im Sortiment zu finden ist. Im Juli folgt der psychedelische Raver-Schuh Mindblower. Die ersten Herbsttage lassen sich im September mit der völlig neuen Silhouette Ray feiern, während der D-Formation pünktlich zur Sneakerness in Köln im Oktober den Reigen vorerst beschließt.

Was die Zukunft bringt und wie die kommenden Generationen herumlaufen werden, das mag noch in den Sternen stehen. Was sich dagegen mit großer Sicherheit behaupten lässt: Beseelt vom Spirit der 90er und ausgestattet mit inspirierten Sneakern und Sportswear, wird die Marke Fila auch in den nächsten Jahrzehnten ihren Teil zum Straßenbild beitragen.