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What girls want

High Kicks – Low Equality

Pünktlich zum Weltfrauentag möchten wir euch die Kolumne zu "Frauen in der Sneakerszene" nicht vorenthalten. Unsere Autorin Valiere-Siba hat nämlich kein Bock mehr, auf Tussie-Colorways präsentiert von halbnackten It-Girls.

Frauen sind aus der Sneakerszene nicht mehr wegzudenken. Von Vashtie Kola, der ersten Frau, die einen Air Jordan design hat, zu weiblichen Sneakerheads mit Extra-Zimmer für ihre Beute. Trotzdem werden Frauen als Zielgruppe noch immer kaum von den Marken bedient. Schuhe aus Limited Editions werden oft nur in einem Size-Run released, der vorwiegend Männern passt und die Looks sind auf typisch männlich konnotierte Styles ausgerichtet. Wenn ein neuer Schuh für Girls auf den Markt kommt, sieht der leider oft so aus, als hätte der Lolly-Emoji Pate gestanden. Dabei würden die Konsumentinnen ein an sie gerichtetes Modell auch dann erkennen, wenn der Colourway nicht in Bonbonfarben gehalten würde. Denn auch wenn Rosa der Knaller ist, heißt das noch lange nicht, dass man in flauschigen Farben ins Business-Meeting stolpern will. Einige Brands haben das erkannt und servieren auch mal appetitlichere Colourways. Das ist gut, denn wir haben Lust auf Neon und wir haben Bock auf Schwarz. Vor allen Dingen aber haben wir genauso unterschiedliche Vorlieben wie unsere männlichen Kollegen. Aber während selbst die WNBA-Basketballerin Skylar Diggins nur ein läppisches Stirnband bekommt, reicht es bei männlichen Sportprofis offenbar, in der zweiten Liga zu spielen – schon sind sie prädestiniert für einen eigenen Schuh. Die Werbung, mit der Frauensneaker gepusht werden, schreit häufig förmlich "Achtung, für Mädchen!". Doch zum Glück gibt es Kollaborationen mit den Rihannas und Rita Oras dieser Welt. Doch auch hier geht es eher um Leichtigkeit, Dynamik und cleane Looks, während aggressive oder lässige Designs meistens den Male-Kollektionen vorbehalten bleiben. Und man fragt sich schon mal, wieso eine Gigi Hadid im neuen Reebok Classic Club C eigentlich ohne Hose rumsteht. Typen dürfen ihre Jeans anbehalten, während Frauen im Sneakerkontext immer noch eher als Sexobjekt dienen. Das "Nike Head"-Meme von einer Frau, die vermeintlich einen "Swoosh" in den Mund nimmt, spricht da Bände. Dabei gibt es genügend Frauen, die 1-a-Konsumentinnen sind, ohne damit einem Mann imponieren zu wollen. Nike hat immerhin schon Slogans wie "Ladies First. Men Second" entwickelt – ein erster Schritt in Richtung Sichtbarkeit von weiblichen Sneaker-Liebhaberinnen. Denn alles, was wir wollen: den heißen Scheiß der Limited Editions auch für unsere Looks kreiert zu bekommen, also eine Range im Schuhregal vorfinden, die über Leoparden-Prints und Blümchen hinausgeht. Dazu noch empowernde Werbung, in der wir uns wiedererkennen – und fertig. Step it up!
Text: Valerie-Siba Rousparast