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Wenn man nichts mehr zu sagen hat...

Ideenlos und Overhyped: TNF x Supreme 2019

Heute erreichten uns die Bilder der neuen TNF x Supreme-Kollektion. Und siehe da: die üblichen Farben, ein geschmackloses Branding mitten auf der Brust und das war es auch schon. Aus unserer Sicht hat Supreme, zumindest was seine TNF-Kollabos betrifft, schon lange seinen Zenit erreicht.


Hand aufs Herz: wann wart ihr das letzte Mal von einem Supreme-Drop so richtig angetan? Als Marke ist es schwer, sich ständig neu zu erfinden und zeitgemäß zu bleiben – vor allem, wenn man schon 1994 angefangen hat, die Skateboarding- und Streetwearszene zu revolutionieren. Die Erwartungen sind hoch, da die ganze Welt jeden Donnerstag auf diese eine Homepage geht, um die Vorherrschaft der Marke aus New York erneut zu bestätigen.

Wir wollen Supreme auch nicht vorwerfen, dass sie 2019 ideenlos gewesen sind. Ein Blick auf die Accessoires und auf die letzte Kollaboration mit Stone Island zeigen, dass die New Yorker die Szene wie kaum ein anderer verstanden haben. Ihre Projekte mit Künstlern und Bands sind über jeden Zweifel erhaben und leisten einen großen Beitrag zu unserer Kultur. Doch gerade dann, wenn wir Supreme wieder lieben gelernt haben, sehen wir lieblose Projekte wie die neueste Kollektion mit The North Face.

Wir erinnern uns zurück: im Winter 2007 fanden The North Face und Supreme erstmalig zusammen. Das Ergebnis waren zwei Summit Jackets. Beide verfügten über interessante Colorways und einen für TNF typisch ausgezeichneten Materialmix. Seitdem erschienen fast jährlich mehrere Teile der beiden Marken.

Supreme x The North Face 2007

Die Zusammenarbeit beider Marken schien ein "Win" für alle Parteien zu sein. The North Face schafften es so endgültig in die Streetwearszene einzudringen und konnten zudem ihr Image, als trocken-ernste Outdoor-Marke aufpolieren, während Supreme gezeigt hatte, dass sie auch qualitativ hochwertige Teile herausbringen können, die auch noch in einigen Jahren zeitgemäß bleiben werden, ohne ihren Charme zu verlieren. Von Jahr zu Jahr schien sich das Duo zu steigern und die gemeinsamen Projekte dienten als Spielwiese, bei der beide Parteien die Möglichkeit hatten, sich auszutoben und abseits der eigenen Heritage abzuliefern.

Supreme x The North Face 2014

Nun sind bereits 12 Jahre nach der ersten The North Face x Supreme-Jacke ins Land gezogen. Beide Marken sind über die vergangenen Jahre immens gewachsen – und damit auch die Erwartungen. Es reicht 2019 einfach nicht mehr aus, einen Mountain Parka mit Supreme-Schriftzug auf der Brust zu produzieren und dann davon auszugehen, dass die gesamte Szene blind alle Jacken aufkaufen wird – weil Supreme. 

Vor allem The North Face sind nicht mehr auf den Support der New Yorker angewiesen. Ihre "Purple Label"-Linie erscheint exklusiv in Japan und setzt auf Understatement und interessante Schnitte – und ist dadurch ein kompletter Erfolg. Zur gleichen Zeit wird bei der in Europa exklusiven "Black Series" mit dem japanischen Designer Kazuki Kuraishi gearbeitet, der zusammen mit TNF Teile kreiert hat, die selbst eingefleischte Acronymiker mit kompletter Techwear-Garderobe anerkennend in die Knie zwingt. 

Supreme scheint mit TNF gerade den selben Fehler zu machen, wie seinerzeit Anti Social Social Club mit A Bathing Ape. Man nehme zwei gehypte Marken, kündigt eine gemeinsame Kollaboration an, flanscht blind und ohne jegliches Feingefühl für Branding seine Logos auf die Teile und hängt am Ende das Preisschild an. Dieses Konzept wäre vielleicht 2007 noch aufgegangen, als der Markt noch nicht wöchentlich mit Kollaborationen, limitierten Kollektionen und Quickstrikes überflutet wurde. 2019 ist der Anspruch jedoch ein anderer.

Damit Supreme und The North Face als Duo wieder Spaß machen, sollten sich beide Marken an ihre gemeinsamen Anfänge erinnern und wieder das abliefern, was wir nicht von ihnen erwarten. Ein Schnellschuss wie die kommende Kollektion wird sich zwar gut verkaufen, da der Hype noch auf der Seite der New Yorker ist, dennoch werden die Teile spätestens in einem Monat wieder vergessen sein. 

Die japanische Marke Undercover behauptet von sich "We make noise not clothes!" – bei Supreme dürfte es bei diesem Drop genau andersherum sein.