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Im Gespräch mit einer Legende

Interview: Bobbito und Rock Rubber 45s

Bobbito Garcia ist über die letzten drei Jahrzehnte zu einer der einflussreichsten Figuren der Straßenkulturen Basketball, HipHop und Sneakers geworden – und dabei absolut kein Prahlhans. Er lässt lieber seine Taten für sich sprechen: Garcia schrieb den allerersten Artikel und dann ein bahnbrechendes Buch über die Sneaker-Kultur. Er war einer der Köpfe der Radioshow Stretch und Bobbito, die viele heute legendäre Rap-Künstler vorstellte. Er selbst ist eine Lichtgestalt auf den Street Courts von New York City. Und da ist noch so viel mehr – wohl auch deshalb hat dieser bescheidene Mann eine Doku über sich selbst gemacht, mit oft prominenten Freunden aus den diversen Sphären. Nach einer vom Afew Store präsentierten Vorführung von Rock Rubber 45shaben wir uns im August in Düsseldorf mit Bobbito unterhalten – aufgrund technischer Problemchen kommt der Artikel erst jetzt. Macht nichts, der Film bleibt so fresh und relevant wie sein Hauptdarsteller!


Zunächst Danke von einem Vinyl-Liebhaber, dass du den Begriff 45s in deinen Filmtitel eingebaut hast – aber ob das jüngere Zuschauer überhaupt checken?

Der Titel Rock Rubber 45s ist absichtlich ein wenig codiert. Wenn du weißt, was jedes dieser Wörter bedeutet, braucht es keine zusätzliche Erklärung. Aber über diesen Kreis hinaus war es mein Ziel, einen Titel zu kreieren, der Neugier erzeugt und einen guten Klang hat. Und es funktioniert soweit!

Du hast schon so viele verschiedene Projekte gemacht und offensichtlich nie Angst davor gehabt, in neue Richtungen zu gehen. Gibt es etwas, das Du unbedingt noch meistern willst?

Hmm... frag’ mich in fünf Jahren noch mal, haha! Mein Ziel für 2019 ist die Kreation eines Festivals, das auf den Themen von Rock Rubber 45s– Basketball, Sneaker und Musik – basiert. Es ist gerade in der konzeptionellen Phase, und ich freue mich – wie immer – sehr über diese neue Herausforderung. Ich möchte, dass das Programm auch einen erzieherischen Aspekt hat. Viel mehr kann ich jetzt nicht dazu sagen. Stay tuned!

Warum bist du oft in eine komplett neue Richtung gegangen, nachdem du in diesem oder jenem Bereich erfolgreich warst? Langweilst du dich schnell oder magst du einfach die Herausforderung?

Ich bin nicht schnell gelangweilt, im Gegenteil. Ich spiele seit 1973 Basketball, im September 2018 werde ich 52 Jahre alt – und ich versuche immer noch, mein Spiel zu verbessern. Ich liebe Herausforderungen, aber vor allem liebe ich Basketball, Sneaker und Musik, besonders Hip Hop. Ich habe hart daran gearbeitet, um in jeder dieser sehr eigenen und doch miteinander verbundenen Szenen Akzente zu setzen. Ich vertraue meinem Urteilsvermögen, wann es Zeit ist, weiter zu ziehen, aber das geschieht nicht aus Langeweile…

Wie man im Film sehen kann, hast du viele berühmte Leute und echte Legenden kennengelernt. Wen würdest du noch gerne treffen – und bei wem wärst du noch „starstruck“? Oder passiert dir das einfach nicht mehr? 

Das einzige Mal, dass mich die Begegnung mit einem Star eingeschüchtert hat, war 1989, als ich Chuck D von Public Enemy zum ersten Mal traf. Ich habe Michael Jordan interviewt, stand ein paar Meter von Michael Jackson entfernt, habe Lebron die Hand geschüttelt und vieles mehr. Das sind alles normale Menschen, die mit dem gleichen Respekt behandelt werden wollen, den ich auch einem Fremden auf der Straße zeigen würde. Ich würde gerne Barack Obama treffen und mit ihm Ball spielen. Ich mag seinen Vibe und ich bin mir sicher, dass wir gut miteinander auskämen.

In deinem Leben (und im Film) geht es viel um New York City. Kannst du dir je vorstellen, von dort weg zu ziehen?

Meine Frau, mein Sohn und ich sind für ein Jahr nach Washington, DC gezogen, nur um im letzten April in die Heimat zurück zu kehren. Ich habe nicht vor, NYC jemals wieder zu verlassen, haha!

Dein Film ist eine Art Autobiographie. Warum hast du ihn jetzt gemacht und nicht in fünf, zehn oder 20 Jahren? Hast du etwa vor, in den Ruhestand zu gehen? 

Ich werde in absehbarer Zeit nicht damit aufhören, aufzulegen, Basketball zu spielen oder kreativ zu sein. Ich habe eine autobiographische Dokumentation über mein Leben und meine Karriere gemacht, weil ich in den letzten acht Jahren im Rhythmus des Filmemachens war. Meine erste Doku war 2013 Doin' It In The Park: Pick-Up Basketball, NYC, danach kam 2015 Stretch and Bobbito: Radio That Changed Lives. Es hat weitere zweieinhalb Jahre gedauert, Rock Rubber 45s umzusetzen. Vielleicht ziehe ich mich jetzt von der Filmerei zurück, denn ich bin sehr stolz auf alle drei und habe dokumentiert, was die Welt über meine Kultur erfahren soll.

Ab sofort könnt ihr euch die komplette Dokumentation auf Vimeo anschauen. Mehr zu dem Film gibt es hier:

www.rockrubber45s.com
www.koolboblove.com