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Turnschuh Bahamas meets Art

Interview: Mac Clem

Turnschuh Bahamas wird der erste, unabhängige Sneaker- und Skatestore auf der karibischen Insel sein. Geführt von Max, den einige von euch vom Sneakerness-Schuh oder den Stammtischen kennen. Um seinen Dues auch in Deutschland zu payen, bringt der bahamaische Deutsche zusammen mit dem lokalen Künstler Mac Clem gemeinsame Decks heraus. Mit letzterem haben wir uns zum Interview getroffen.


Hey Clement! Wie kamst du dazu mit einem Skateshop auf den Bahamas zusammenzuarbeiten?

Als ich aus Thailand nach Deutschland gezogen bin, kam ich auf eine englische Schule – ich konnte damals kaum Deutsch. Dort habe ich den englischsprachigen Max kennengelernt. Fast forward: wir begegnen uns durch gemeinsame Bekannte wieder und er erzählt mir von seinem wahnsinnigen Plan den ersten Skateshop auf den Bahamas zu eröffnen. Er hatte mein Zeugs auf Instagram und Ausstellungen gesehen und jetzt stehen wir hier.

Was war deine Inspiration für diese Serie?

Ich bin Kind des Internets, schwer zu sagen. Alles fließt unfiltriert als Input rein und kommt zerstückelt und rekombiniert wieder raus. Zum Beispiel: Enthauptungen und die Beziehung zwischen Hund und Besitzer führen zu einem Hund, der es seinem diktatorischen Herrchen zeigt. Momentan höre ich sehr viel Stand-Up-Comedy beim Malen: Norm Macdonald, Bill Burr, Dave Chappelle. Humor ist für mich wichtig und ich denke das fließt irgendwo in meine Arbeiten ein. Bei Kreativblockaden schneide ich Schnipsel aus Zeitschriften und breite sie auf meinen Tisch aus. Das reicht meistens, damit irgendetwas wieder fließt.

Wie war es für dich mit Skateboards als Leinwand zu arbeiten?

Die Leinwände sind 5-lagiges Klopapier und die Decks zu Beginn Sandpapier. Aber hey, man gewöhnt sich an alles. Ich experimentierte acht verkrampfte Stunden rum und irgendwann lief es. Ich bin mit den Decks jetzt echt zufrieden. Vermutlich fühlt sich die Leinwand jetzt an wie Sandpapier.
Ich bin keiner der Leute, die jeden Tag einen anderen Schuh anziehen. Ich kaufe einen Sneaker und trage ihn jeden Tag bis er genauso aussieht wie mein Schuh. So in etwa ist es bei mir in der Malerei auch, ich bin erst zufrieden, wenn ich das Medium nach meinem Empfinden beherrsche. Nur sehen meine Gemälde am Ende hoffentlich besser aus als runtergerockte Sneaker. Das entscheide aber nicht ich.

Deine Zeichnungen wirken sehr verspielt. Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Als uneheliches Kind von Keith Haring und Tomi Ungerer. Auf jeden Fall ziemlich plakativ und erkennbar. Mein Haupteinflüsse sind Comic und Graffiti. Als Kind habe ich die alten Comicbänder meiner Mutter gelesen. Französische Größen wie Marcel Gotlib (Rubrique-à-Brac) und Uderzo (Asterix) hatten mit Sicherheit einen Einfluss auf meinen Stil. Später kam ich in die Schule und habe die Tische mit Tags und Sticker vollgerotzt. Damals waren das eher so Wildstyle-90er-Jahre-Boom-Bap-Geschichten. Mich hat das als Kind schon sehr beeindruckt und ich habe nur Buchstaben gemalt. Mit der Zeit habe ich mehr und mehr Charaktere gemalt und mich darauf komplett fokussiert. Die gegenwärtige naive Welle im Graffiti und Tätowieren find ich auch ganz gut. Da falle ich auch mehr oder weniger rein, um die Frage zu beantworten.

Skaten ist eine Kunst für sich. Skatest du selber auch?

Ich bin ein unbegabter Skater, ich kriege gerade mal einen Ollie hin. Ich habe früher lieber Sticker von Robotron und Cleptomanicx gesammelt und Skatedecks abgemalt. Der DIY-Aspekt der Skateszene hat mich mehr als das eigentliche Skaten interessiert. Ich habe die Skatedecks meiner Freunde mit Lackstiften bearbeitet und die sind dann gefahren. 
Ich hatte einmal am Barbarossaplatz ein Thrasher-Shirt an und ein gebräunter Typ, Mitte 40, kam mir mit ausgestreckter Hand entgegen und meinte: »Ahhh Thrasher Bro! That's sick, do you skate?« Ich habe nein gesagt, er meinte dann laut und sarkastisch: „Ahhh that sucks man, you should skate“ und ist dann theatralisch rückwärts weitergelaufen. Irgendwo kann ich ihn verstehen, aber mein Gott.

Was machst du sonst so, wenn du nicht gerade Skatedecks bemalst?

Ich arbeite freiberuflich als Illustrator und Webdesigner, mache Alben-Cover, Shirts und illustriere für Zeitschriften und Webseiten. Dazu lade ich freche Zeichnungen auf Instagram hoch, meine arme Mutter schüttelt nur noch mit den Kopf bei manchen Skizzen. Wenn ihr zusammenarbeiten oder gucken wollt: @mac.clem

Wer sich das ganze Spektakel live anschauen möchte, sollte am 20. April im Pivot in Köln vorbeischauen. Hier werden Max und Clement ihre Decks zum Verkauf anbieten und ein wenig über Sneaker, die Bahamas und Kunst plaudern. Das ein oder andere Praise Mag wird ebenfalls vor Ort sein. Hier geht es zur Facebook-Veranstaltung.