×

„nicht unbedingt Street Art oder Graffiti“

Interview: Random EXP

Schon über die farbenfrohen Trennerseiten in unserer zweiten Ausgabe gestolpert? Gestaltet hat sie der Kölner Künstler Random EXP. Der Mann macht nicht nur wundertolle Sticker und Assemblagen, sondern kuratiert am letzten Juliwochenende auch eine Ausstellung namens „The Backdraft Exhibition #2“. 

Magst du mal erklären, was es mit deinem Namen – Random EXP – auf sich hat?

2014 habe ich angefangen, unter dem Namen RandomEXP zu arbeiten. Das steht für „Random Experiment“ und ist dadurch entstanden, dass ich für meine Artworks nie eine Vorlage benutze. Ich sketche oder skizziere nicht vor, sondern arbeite aus dem Bauch heraus. Mir fallen bei der Arbeit an einem Projekt immer neue Sachen ein. Am Anfang weiß ich also nie, wie das Resultat am Ende aussieht.
Kannst du dich noch daran erinnern, wie du zur Kunst gekommen bist?

Ich hatte 1992 das erste Mal ein Graffitimagazin in der Hand. Ein Freund hatte es aus einem Skateshop aus Dortmund mitgebracht. Damals wusste ich gar nicht, was das ist, was ich da vor mir habe – aber ich war total geflasht! Ich hab dann angefangen, die Sachen abzumalen. Mit 14 habe ich zu Weihnachten das Buch „Graffiti Art Germany“ geschenkt bekommen, da bin ich total drauf abgegangen und ich hab angefangen, wirklich zu verstehen, worum es bei Graffiti geht. Ich bin dann von meiner Heimatstadt Arnsberg im Sauerland viel nach Dortmund gefahren, das war ja in den 90ern eine der Graffiti-Hochburgen. Das war immer eine Highlight, mit dem Zug in die Stadt zu fahren. Mit 16 habe ich dann selbst angefangen, mit der Sprühdose zu arbeiten.
Wann hast du dich entschieden, auch mit anderen Medien zu arbeiten als nur mit Sprühdose und Wand?

Ich habe eine Zeit lang, so um 2003 rum, in Dortmund gelebt. Da habe ich in einem Kreativmarkt Folien entdeckt. Ich war total begeistert, weil man damit perfekt kleine Graffitis als Sticker schneiden konnte. Ich habe mit meinem besten Kumpel Huhn zusammen dann ganz viele produziert, wir sind in viele andere Städte wie Köln, Hamburg und Berlin gefahren und haben die Sticker da überall verklebt. Und daran hat sich auch bis heute nichts geändert.

Ganz schön viel Arbeit, wenn alle Sticker Unikate sind...

Ja das stimmt, aber auch sehr meditativ. Ich kann dabei super entspannen, Musik hören und Sachen schneiden. Das mache ich mittlerweile lieber als Graffiti malen.
Ist ja auch die relaxtere Tätigkeit! Man kann es jederzeit machen und muss keine Sorge haben, erwischt zu werden...

Genau! Ich hab immer mehr Bock bekommen, mehr solche Sachen zu machen und habe angefangen, anstatt zum Beispiel in Blackbooks zu sketchen, einfach spontan Sticker zu cutten. Mit Stiften arbeite ich persönlich nicht so gerne. Mit Folien sehen die Arbeiten schön clean aus, man hat klare Kanten, gleichmäßige Flächen, die Farben knallen. Ich arbeite lieber mit einem Skalpell.
Du hast dich dann aber weiter von der Fläche hin zu dreidimensionalen Arbeiten entwickelt, hin zu richtigen Assemblagen.

Ja, das ist mir lange im Kopf herumgeschwirrt, wie ich es hinbekommen könnte eine gewisse Haptik zu bekommen. Ein mehrdimensionales Objekt zu schaffen, das aus verschiedenen Blickwinkeln immer anders wirkt. Ich habe Foam Board für mich entdeckt, das lässt sich auch mit der Hand schneiden, man braucht keine Säge oder anderes Werkzeug. Ich klebe die Folien auf Foam Board und setzte daraus meine Artworks zusammen.
Woher stammt die Inspiration für deine Werke?

Ich hab schon immer nebenbei meinen Stuff gemacht. Anfang 2014 war ich dann für vier Monate in Südostasien. Ich war auch in Hongkong, das hat mich nochmal richtig geflasht und motiviert - die Schriftzeichen, die Schilder und die Designs dort! Außerdem stehe ich auf japanischen Roboter-Kram aus den 70er Jahren, das sammle ich auch, aber in überschaubarem Rahmen. Als ich wiedergekommen bin, hab ich entschieden, dass ich mich beruflich verändern will und mich selbstständig mache, um mich mehr um meine Kunst zu kümmern. Vorher habe ich jahrelang bei Carhartt gearbeitet, das war eine super Zeit aber zuletzt auch sehr zeitintensiv.
Wie wichtig ist es denn für dich, auch weiter ungefragt draußen tätig zu sein?

Das ist immer noch sehr wichtig und wird gerade sogar wieder ein bisschen mehr, weil ich durch „Whatsart“ mit vielen netten Leuten aus der Szene in Kontakt gekommen bin. Wenn das nicht wäre, würde ich sicherlich weniger malen. Aber gerade kommen auch wieder einige Graffiti-Projekte rein. Zuletzt habe ich im niederländischen Heerlen das Gebäude einer Galerie bemalt. Aber schwerpunktmäßig möchte ich mich mehr auf meine anderen Arbeiten konzentrieren.
Kürzlich hattest du in der Kölner Galerie 0 deine erste Solo-Ausstellung. Wie ist das, wenn man eigentlich von der Straße stammt, plötzlich einen Kunstraum zu bespielen?

Mir hat das großen Spaß gemacht. Ich habe ja schon mal in Gruppenausstellungen einige meiner Arbeiten gezeigt. Die Ausstellung wurde von Freundinnen von mir im Rahmen der „make it on time“ organisiert und lief sehr familiär ab. Es hat schon im Vorfeld Freude bereitet, weil wir uns ein nettes Rahmenprogramm für ein langes Wochenende überlegt haben.
Ich sehe meine Arbeiten nicht unbedingt als Street Art oder Graffiti, auch wenn ich sie hin und wieder schon in die Stadt hänge. Trotzdem glaube ich, dass meine Bilder nicht gleich daran denken lassen. Street Art, das sind für mich eher Stencils oder Paste Ups. Aber natürlich ist der Ursprung meiner Kunst urban.
Du machst ja nicht nur selber Kunst, sondern vertreibst auch die von anderen Artists. Magst du mal kurz erklären, was es mit deinem Shop whatsart.de auf sich hat?

Whatsart ist ein Online Art Store, unser Fokus liegt auf Siebdrucken in Kleinauflagen und Originalkunstwerken. Ich habe Whatsart zusammen mit meiner Freundin und ihrem Bruder gegründet. Die beide kommen aus dem Handel und dem E-Commerce und zusammen ergänzten wir uns super um einen Online Art Store auf die Beine zu stellen. Durch meinen eigenen Erfahrungen und dem Feedback bekannter Künstler haben wir uns zusammen ein Konzept überlegt, das Künstler und Leute, die Bock auf Kunst  haben, im Netz zusammenbringt. Wir kennen die meisten Artist auch persönlich, was uns ziemlich wichtig ist. Wir verkaufen Arbeiten von Artists wie Semor, The Top Notch, David Radon, Daim und vielen mehr. Wir sind aber auch immer auf der Suche nach neuen Künstlern und sind offen für neue Projekte und Kooperationen.
Für den Dedicated Store haben wir zum Beispiel auch schon einmal limitierte T-Shirts vertrieben, mit Babak arbeiten wir viel und gerne zusammen, an dieser Stelle ein High5 für den ständigen Support!
Mit Whatsart hostet ihr jetzt auch eine Gruppenausstellung namens „The Backdraft Exhibition #2“, die vom 19. bis zum 31. Juli in der Kölner Feuerwache stattfindet. Magst du mal ein bisschen was zum Konzept und den ausstellenden Künstlern erzählen?

Die erste „The Backdraft Exhibition“ fand ziemlich spontan im März 2015 statt. Wir haben Künstler aus Köln und dem Ruhrgebiet zusammengetrommelt und innerhalb von kürzester Zeit eine echt schöne Ausstellung auf die Beine gestellt. Die Ausstellung hat Spaß gemacht und wurde hier in Köln sehr gut angenommen, das hat uns motiviert und wir wollten unbedingt eine zweite Ausgabe machen. Am Freitagabend starten wir mit einer Vernissage ab 19:00, wir zeigen Arbeiten von Base23, Mikko Heino, The Top Notch, Golden Green, Jacky&Hide, Misous, Innerfields, Qumi76, Pout, Zipper die Rakete, Ole von Oepen und Semor the mad one.  Die Graffiti-Live-Action findet anders als geplant wegen eines Flohmarkts erst am Sonntag statt. Musik kommt Freitag von M.Prove und Sebo Sellout, Samstag von Niko Soprano und Sonntag von Cmone.
Was sofort ins Auge fällt: Sowohl bei deiner Solo-Schau als auch bei der Gruppenausstellung ist nicht nur für visuelles, sondern auch akustisches Entertainment gesorgt. Wie wichtig ist Musik für dich und deine Arbeit?

Musik ist für mich sehr wichtig, sie gehört einfach zu meinem Leben dazu. Ich habe lange Platten gesammelt und als Wohnzimmer-DJ aufgelegt. Mein Musikgeschmack ist sehr vielfältig, ich höre sehr unterschiedliche Genre. Ich höre aktuell viel Elektronisches, aber auch viel independent Hip Hop zum Beispiel aus New York, Mucke aus den 80ern und Punkrock.
Was sind deine Lieblingsacts?

Schwer zu sagen, die Liste ist lang! Musik der Kölner Entourage oder auch Mixe mit unbekannteren Interpreten die man im Netz findet hör ich mir an... meine absolute Lieblingsplatte ist von Bad Religion 80-85, die geht immer! Und ein absolutes Highlight für mich war, das Retrogott und Twit One auf meiner ersten Soloausstellung aufgetreten sind.  

The Backdraft Exhibition #2, 29. Juli – 31. Juli, Alte Feuerwache Köln
Alle Infos zum Event: www.facebook.com/events/1586332104997894  

Random EXP findet ihr hier: www.facebook.com/rndmexp/
www.instagram.com/random_exp/  
und auch bei Whatsart.