×

Wenn Nachmacher andere Nachmacher nachmachen

Kommentar: Muschi Kreuzberg "Vetements"

Muschi Kreuzberg schafften es mit ihrem "Too broke for Supreme"-Shirt einen kleinen Hype auf Kosten einer anderen Marke zu kreieren. Nun werfen sie eben dieses Fehlverhalten Demna Gvasalia vor und antworten mit einer eigenen Vetements-Kollektion für einen "guten Zweck".


Ach Muschi Kreuzberg. Noch nie war ein Name so bezeichnend für eine Brand. Der Versuch stetig edgy zu sein und aktuelle Hypes mitzunehmen, ist inzwischen ein gängiges Stilmittel der Berliner. Vor einiger Zeit hatte die Brand mit dem "Too Broke for Supreme"-Shirt für Aufsehen gesorgt. Der eigentliche Hintergedanke, nämlich den Kapitalismus seitens der Preispolitik Supremes zu bekämpfen, wurde relativ fragwürdig mit einem eigenen Shirt, Feuerzeug, Stickern und gefühlt zehn Restocks, die überall beworben wurden. In der Zwischenzeit wurde so ziemlich jede Marke unter dem Deckmantel der "Parodie" kopiert. Beim groben durchscrollen sind Designs sowie komplette Marken+Schrift-Logos von Yeezy Season, Balenciaga, Chanel, Off-White, Anti Social Social Club und schließlich auch Vetements kopiert worden. Letztere sind die unfreiwilligen Protagonisten der neuesten Muschi-Kreuzberg-Kampagne.

Anscheinend planen die Berliner eine eigene Vetements-Kollektion, um Berlin zu ehren ohne dass Leute von außerhalb sich an den "Institutionen" der Stadt bereichern. Der Erlös der Shirts soll dem Berliner Unternehmen "Ficken3000" gespendet werden. Und genau hier beginnt die Scheinheiligkeit. Eine Brand, die nahezu ihre komplette Range auf fremden Logos und Ideen aufgebaut hat, beschwert sich, dass eine andere Marke genau das macht? Scheint wohl so ein Berlin-Mitte-Ding zu sein. Obwohl im Design-Team von Vetements ebenfalls Berliner arbeiten, scheinen diese wohl nicht "Berlin genug" für Muschi Kreuzberg zu sein.

Muschi Kreuzberg hätte ehrlich sein und einfach das Vetements-Logo für eine weitere, "lustige" Kollektion verwenden können. Unter dem Deckmantel des "wir geben dem kleinen Mann seine Credits, der euch reich gemacht hat" wird hier jedoch der Samariter vom Späti gemimt. Auf der anderen Seite tut man so, als würde man mit Berlin-Themen auf den Motiven auch der eigenen Stadt seinen "Dues payen". 

Wir finden diese ganze Herangehensweise mehr als schwierig. Ähnlich wie beim "Too broke for Supreme"-Shirt wird auch hier die Mehrheit aller Käufer zugreifen, da sie so günstig an ein vermeintliches Vetement-Shirt herankommen. Muschi Kreuzberg nutzt also die Strahlkraft einer fremden Marke, um sich die eigenen Taschen voll zu machen (diesen Vorwurf nehmen wir natürlich zurück, sollte sich zeigen, dass SÄMTLICHE Erlöse bei dieser Kollektion sowie bei den kommenden Restocks ebenfalls gespendet werden). Sowieso: was wird jetzt überhaupt gespendet? Die Erlöse aus dem KOMPLETTEN Drop oder nur die Erlöse des Ficken3000-Shirts? Kriegen die anderen abgebildeten Unternehmen ebenfalls etwas vom Kuchen ab? Wurden diese überhaupt gerfragt? Oder ist das Ganze so wie damals bei dem Supreme-Shirt, wo vorgegeben wird, dass durch den Erlös "James Jebbias Flugticket bezahlt wird"?

Auf der anderen Seite ist es natürlich schön zu sehen, dass eine deutsche Brand kontinuierlich versucht Grenzen zu überschreiten. Jedoch stößt uns die Art und Weise der Kommunikation übel auf. Sich selber als den Retter des kleinen Mannes und Bekämpfer aller Markendiebe hinzustellen, aber auf der anderen Seite seit Jahren nichts anderes zu machen, wirkt doch sehr scheinheilig. Anbei ein paar Beispiele von Muschi Kreuzbergs innovativen und eigenen Ideen. Ihr könnt euch euer Urteil selber bilden. Falls ihr günstige Vetements-Sachen sucht, dann greift zu Vetememes bzw. Boolenciaga. Die geben wenigsten nicht vor, die Welt zu verbessern.