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Keine Regeln

Label-Feature: Lyph Apparel

Wer seiner Marke die Abkürzung für »Live Young Play Hard« als Namen gibt, der kann ja nur ein Draufgänger sein. Von Regeln hält Frederick Arron Edmondson jedenfalls nicht so viel. Sein Unisex-Label Lyph macht die Linien zwischen Kunst und Straße obsolet. Über eine Avantgarde, die kaum mehr Grenzen kennt.


Text: Manuel Almeida Vergara

There Are No Rules. Vier kleine Wörter, gerade mal ein paar Buchstaben lang, die als kurzer Satz eine immense Schlagkraft entwickeln. Es gibt keine Regeln – das bedeutet Freiheit, die Abwesenheit von Zwängen, die Anwesenheit von Anarchie. Für das britische Label Lyph wird das zur ästhetischen Prämisse. »There Are No Rules« steht denn auch in dicken Lettern auf einem T-Shirt der Marke. »Es kommt nicht darauf an, woher deine Ideen kommen, sondern wohin du sie bringst«, sagt Frederick Arron Edmondson: »Regeln können dieser Denkweise in die Quere kommen.« Dementsprechend frei von jeder Organisation und Ordnung ergeben sich auch die vielfältigen Felder, von denen er sich als Kreativdirektor inspirieren lässt. »Fantasie, alte Filme, neue Filme, Musik, Bücher, Bilder, Fotos, Gedichte, Wasser, Licht und Schatten«, stehen auf der Lyph-Webseite aufgelistet. Frederick selbst fasst seine Quellen so zusammen: »Einfach alles irgendwie.« Das ist ganz schön viel. Und verlangt nach ein bisschen Sortierung im Kopf.

Also setzt sich Frederick zum Entwerfen am liebsten in einen leeren Raum seines Studios in Manchester und zeichnet drauf los: »Ich fange mit dem ersten an, was mir in den Kopf kommt und baue dann immer weiter darauf auf«, sagt der Brite, der schon für Calvin Klein und Tommy Hilfiger gearbeitet hat. Dabei entstehen eklektische Kollektionen, die sich wohl nur als »Avantgarde« beschreiben lassen. Er lässt Grenzen zwischen Sportswear und High Fashion verschwimmen, bedient sich kultureller Positionen zwischen Kunst und Straße. Seinen Linien bleibt der lässige Komfort der Streetwear, die bedruckten T-Shirts, die weiten Hosen, die Tunnelzüge. Gleichzeitig bespielen gelayerte Silhouetten und Details in den Schnitten auch die Klaviatur der höheren Modekunst. Frederick remixed Futurismus mit Retro zu einem Stil, der sich klar im Hier und Jetzt verortet – und doch jenseits eines starren Trenddiktats funktioniert. Natürlich gehört es da schon fast zum guten Ton, dass er seine Linien unisex konzipiert und Frauen wie Männern zugänglich macht.

Und doch schleichen sie sich im Entstehungsprozess ein, die kleinen Regeln. Frederick muss ein paar von ihnen befolgen, um seinem Konzept gerecht zu werden, das den Kunden zum Designer macht: »Mit Druckknöpfen lassen sich die Taschen älterer Modelle auch auf die neuen Kollektionen übertragen und umgekehrt. Daher muss ich bei neuen Designs immer darauf achten, dass die Taschenposition und -größe dieselbe bleibt.« Dieser Grundsatz soll es den Trägern ermöglichen, ihre Lyph-Teile immer neu zu interpretieren und zu personalisieren. Ganz nebenbei entsteht so auch eine Antwort auf dringende Fragen nach dem Wert der Ware: Frederick stellt eine Verbindung zwischen den Saisons her. Die Jacke aus der ersten Kollektion wird mit einer Tasche aus der zweiten wieder aktuell, die Tasche aus der zweiten gibt dem Mantel aus der dritten eine neue Dimension. »So interagieren unsere Kunden mit unserer Mode«, sagt der Kreativdirektor.

Das kommt nicht nur bei den Endkunden an, sondern auch in der Branche. Lyph wurde bereits mit einigen Modepreisen ausgezeichnet, etwa als »Fashion Discovery« vom Online-Riesen Asos geehrt. Unlängst wurde Frederick eingeladen, sein Label bei der renommierten Modemesse Pitti Uomo in Florenz und im Poly King Showroom auf der Fashion Week Paris zu präsentieren. So ist Lyph ziemlich schnell ziemlich sichtbar geworden. Gerade mal mit der dritten Kollektion auf dem Markt, wird das Label neben dem hauseigenen Onlineshop auch über Concept Stores in Europa und Asien verkauft – von Sankt Petersburg bis Tokio, von Amsterdam bis Dubai. Auch da kommt für Frederick wieder der alte Slogan »There Are No Rules« ins Spiel: »Der Markt ist heute so unglaublich offen«, sagt er. »Es gibt keine Regeln mehr, an welchen Ort oder in welchen Kleiderschrank deine Kollektion gehört.«

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