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Gegen den Strom

Labelfeature: Djinns

Deutsche Brands sind in diesen Tagen gefragt wie nie. Immer mehr Sneakerheads sind von den großen Marken gelangweilt, sehnen sich nach Abwechslung – und wollen diese am liebsten lokal und nachhaltig produziert. All diese Kriterien erfüllt die Firma Djins aus Mühlheim an der Ruhr bereits seit 2001. Gründer Jens stand uns Rede und Antwort.


Jens, Gründer der Marke Djinns

Wie seid ihr einst auf die Idee gekommen, eine eigene Marke zu starten?

Nachdem ich mein Studium an einer Textilfachhochschule absolviert und einige Jahre bei großen Brands wie PME, Replay und Diesel gearbeitet habe, wollte ich unbedingt meine eigene Marke gründen. Es sollte eine Sneakerbrand sein, denn ich war ein großer Fan und begeistert von den Möglichkeiten des Designs im Sneaker-Bereich.

Das war also die Geburtsstunde von Djins. Was bedeutet der Name eigentlich?

Djinns stammt aus dem Arabischen und bezeichnet einen Geist oder Dämon – ein Flaschengeist, der drei Wünsche erfüllen kann. Auf unsere Marke bezogen sind das: Innovatives Design, gerechte und umweltverträgliche Produktion sowie faire Preise.

Neben Preis und Produktionsbedingungen ist vor allem das Design kaufentscheidend. Woher nehmt ihr die Inspirationen für eure erfolgreichen Modelle?

Das Leben ist die beste Inspirationsquelle. So ändern sich im Laufe der Jahre auch die Kollektionen. Mal bin ich im Streetart-Film, ein anderes Mal kommt mein Surferherz durch. Das Leben ist spannend und abwechslungsreich. Und so sind auch meine Entwürfe. In der Praxis ist man allerdings auch oft abhängig von Gegebenheiten. Grundsätzlich beginnt jede Designphase mit einer Reise. Wir besuchen Stoffmessen, Ledermärkte, Gerbereien sowie Veredler auf der ganzen Welt. Ebenso besuchen wir die Zulieferer für Gewebe, Ösen, Labels, Schnürsenkel, Sohlen und so weiter, um zu sehen, was möglich ist.

Und wo werden eure Schuhe produziert?

Unseren »Ur-Schuh« Genesis lassen wir in Spanien in einem kleinen, familiären Betrieb in Handarbeit fertigen. Die eher technischen Schuhe kommen aus Asien. Das war auch der deutlich schwerere Part. In den frühen Nullerjahren waren Arbeitsbedingungen und Bezahlung dort nicht gerade menschenfreundlich. Doch es gelang mir, eine Fabrik ausfindig zu machen, die meinen ethischen Ansprüchen gerecht wurde. Die Fabrik hat zwar nur einen Output von maximal 500 Paar am Tag, aber dafür wird umweltbewusst gearbeitet und gut und fair entlohnt.

Im Sneakergame ist das ja leider keine Selbstverständlichkeit. Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für euch – und was tut ihr dafür?

Neben der Einhaltung der EU-Ökotex-Standards achten wir darauf, Leder zu finden, das ökologisch verträglich ist. Unsere Recherchen haben ergeben, dass eine Gerbung mit Mineralien die beste Variante ist. Die Häute zur Gerbung stammen ausschließlich von Tieren, die der Fleischgewinnung zugeführt werden.

Für Baumwolle und Nylongewebe haben wir uns schon frühzeitig auf die Suche nach ökologischen Materialen gemacht. Inzwischen ist es deutlich einfacher, Biobaumwolle, Nylon aus recyceltem Material wie Plastikflaschen, nickelfreie Ösen und andere Dinge zu finden. Für unsere Sohlen verwenden wir mindestens 40 Prozent Natur-Kautschuk, der aus nachhaltiger, regenerativer Gewinnung stammt. Zudem sind wir bemüht, abgesehen vom Leder komplett auf tierische Produkte zu verzichten. So sind zum Beispiel alle Djinns Schuhe und Caps aus Baumwolle oder anderen textilen Stoffen zu 100 Prozent vegan.

Was unterscheidet euch noch von anderen Sneakermarken?

Djinns soll eine Brand sein, die nicht ausschließlich der Profitoptimierung dient. Es geht um die Passion für Sneaker und Design. In Djinns können sich die Querdenker und Individualisten wiederfinden, die sich frei machen wollen von den künstlichen Hypes. Zudem wollen wir unsere Produkte zu bezahlbaren Preisen anbieten und verzichten deshalb weitestgehend auf Marketing und Sponsoring. Diejenigen, die Djinns tragen, sind unsere Werbung. Die, die anders sein wollen und nicht dem vorgegebenen Mainstream folgen, das sind unsere Botschafter.

Dennoch habt ihr euch ja schon so manch bekanntes Zugpferd vor den Kollabo-Karren gespannt. Wie steht ihr zu dem Thema?

Ich bin ein großer Fan! Einige unserer Kollaborationen kann man auf unserer Website sehen, 2019 kommen weitere hinzu. Ich mag es, mit Künstlern und Brands, die ich cool finde, an einem Projekt zu arbeiten. In guter Erinnerung habe ich noch, dass wir als erstes Label eine Kollabo mit einem Blogger – Sneakerb0b – gemacht haben. Der Release fand parallel zur Sneakerness in Köln statt und wir haben ein Event veranstaltet, so konnten wir allen möglichen Sneakerheads unsere Kreation zeigen. Das Thema war »90er«, es standen Konsolen, Süßigkeiten und Getränke aus der Zeit bereit, es gab 90er-Jahre-Gimmicks wie das Klatschband und einen DJ, der 90er Sound aufgelegt hat. Das war wirklich eine runde Sache.

Was können wir denn dieses Jahr noch von euch erwarten?

Neben den vier Kollektionen für dieses Jahr wird es ein paar sehr spannende Collabs geben. Außerdem wollen wir das Nachhaltigkeitsthema für uns auf ein neues Level bringen. So experimentieren wir gerade unter anderem mit Fasern aus den Blättern der Ananasfrucht.