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Durch den Kaninchenbau in die Modewelt

Labelfeature: Rabbithole London

Ein bisschen Punk, ein bisschen Trekking plus sehr viel Sweatwear: Das Label Rabbithole London hat sich spätestens mit seiner aktuellen Kollektion in unsere Herzen und hoffentlich bald auch in eure Kleiderschränke geschlichen. Follow the Rabbit!


Der Kaninchenbau steht in der europäischen Kulturgeschichte für das Tor zu einer anderen Welt. Die Erzählung von Alice im Wunderland, die erstmals 1865 unter dem Titel »Alice’s Adventures in Wonderland« erschien und vom britischen Autoren Lewis Carroll geschrieben wurde, kennt vermutlich jedes Kind. Die Titelheldin folgt dabei einem kleinen Kaninchen in seinen Bau – und landet in einer völlig anderen Realität, in der Blumen singen und Tiere sprechen können.

Labelfeature: Rabbithole London

Der Kaninchenbau von Boon Chan, Gründer des Labels Rabbithole London, liegt an einem U-Bahn-Tunnel unweit des Camden Markets: Ein kleines, düsteres Ladenlokal, in dem früher aus Korea und Thailand importiere Männerbekleidung verkauft wurde und das den gebürtigen Malaien an den Bau eines Nagers erinnerte. Nachdem er eine Weile dort gearbeitet hatte, bekam er die Chance, den Store zu übernehmen. Aber das allein reichte ihm noch lange nicht.

Labelfeature: Rabbithole London

»Ein Lifestyle-Label zu gründen, das auf Menswear spezialisiert ist und sowohl japanische als auch andere asiatische Einflüsse mit zeitgenössischer Streetwear kombiniert, war schon immer mein Traum«, erinnert sich Boon. Anstatt den Traum Traum sein zu lassen, traute er sich, setzte im Jahr 2011 zum Sprung an und findet sich – schwuppdiwupp – in der illustren Londoner Modewelt wieder. »Zeitlos modern« beschreibt der DIY-Labelgründer den Look seiner Brand. Und tatsächlich haben auch die Stücke aus den älteren Kollektionen nichts an Aktualität eingebüßt. Oversized-Jerseys mit betonten Außennähten, Cropped-Pants mit Bundfalten, überlange Drawstrings und offene Säume lassen sich auch 2019 noch tragen.

So richtig nach vorne geht es ab dem Jahr 2016, die Plattform Hypebeast wird auf Rabbithole London aufmerksam. 2017 tut man sich mit dem Pro Era Produzenten und Rapper Kirk Knight zusammen und stattet ihn nicht nur für seine Live-Gigs aus, sondern shootet mit ihm auch das Lookbook zur Spring-/Summer-Collection: lässige Overcoats, Cargo-Pants aus robustem Twill und Jogger aus schwerem Wollmischgewebe, inszeniert in stimmigen Schwarz-Weiß-Fotografien. Schwarz und Off-White dominieren zu diesem Zeitpunkt auch die Looks, hier und da kontrastiert mit Creme- und Beige-Nuancen sowie einzelnen Knalltönen wie leuchtendem Gelb. Statt mit Prints von der raffinierten Schnittführung abzulenken, konzentriert Rabbithole London sich zunächst auf Colourblocking, gelegentlich ergänzt durch Camo-Muster. Peu à peu wird die Produktpallette erweitert, der Look von Rabbithole entwickelt sich in Richtung Punk mit einer Prise Trecking. Kindlich-naiv anmutende Typografien im Stile des Tattoo-Künstlers Maison Hefner zieren Sweat-Stücke. Das Trendpiece des Sommers 2019, die Anglerweste, findet sich schon 2017 im Portfolio der Marke.

Labelfeature: Rabbithole London

»Ich sehe mich selbst mehr als Bekleidungsingenieur denn als Designer. Ich denke, die meisten Designs gibt es einfach schon – wir rekonstruieren sie nur und lassen unseren eigenen Stil einfließen«, räumt Boon bescheiden ein. Dabei liefert er mit seinem Label Mode für kreative Individualisten, die es mehr avantgardistisch denn angepasst mögen. Die Designs stammen aus Camden, produziert wird in Hongkong. Inspiration findet Chan vor allem in seinem Freundeskreis, dessen Mitglieder vornehmlich wie er selbst in der Mode-Industrie arbeiten, in der Skate-Szene verwurzelt sind und auch gern als Models vor die Kamera geholt werden.

Im Lookbook für den Frühling und Sommer dieses Jahres lässt Rabbithole London die britische Hauptstadt der 80er-Jahre wiederauferstehen. Workerwear-Einflüsse treffen auf Longsleeves mit kleinen Prints, Anzugwesten werden über Hoodies gelayert, Patchwork-Denims zu Blousonjacken kombiniert und: Batik ist back! Die einzelnen Stücke sind dabei mehr als erschwinglich: Shirts gibt es schon ab 45 Pfund im hauseigenen Onlineshop unter www.rabbitholelondon.com. Also schlagt am besten schnell zu, bevor ihr zu spät seid. Davon kann das weiße Kaninchen aus dem Kinderbuch von Carroll ein Lied singen: »I’m late, I’m late!«.

Mehr zu der Brand gibt es hier:

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