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Interview

Menschen tendieren dazu, sich vom Hype auffressen zu lassen

Kai Wright alias Sango gehört derzeit mit zu den spannendsten HipHop-Produzenten überhaupt und hat sich mit seinem unverkennbaren Hybriden aus Club-Sound, R’n’B und Baile Funk eine treue Anhängerschaft erspielt. Wir haben das Erscheinen seines neuen Albums »In The Comfort Of« zum Anlass genommen, um mit Wright über Stilfragen zu sprechen. Denn neben seiner Liebe zur Musik pflegt der studierte Designer auch ein ausgeprägtes Faible für Sneaker und Streetwear.


Als Designer legst du vermutlich prinzipiell einen hohen Wert auf Ästhetik – welche Rolle spielt Mode dabei?

Design sollte immer zielgerichtet, nützlich sowie einfach zu verstehen sein und eine bessere Welt um uns herum erschaffen – das gilt auch für die Dinge die wir tragen. Streetwear hat für mich immer eine große Rolle gespielt, weil es die Art und Weise direkt beeinflusst hat, wie ich an meine Musik herangehe. Was auch immer ich an hatte, es musste im Sinne meiner Erscheinung stimmig anmuten. Ganz egal ob ich Musik höre, selbst welche produziere oder sie auf einer Bühne performe – es muss passen. Da hat Streetwear einfach schon immer Sinn ergeben. Ich würde mich aber nicht als modisch bezeichnen. Ich weiß einfach, was ich tragen muss, um physisch und geistig zu funktionieren.

Was macht ein gutes Outfit deiner Meinung nach aus?

Ein gutes Outfit sollte aus natürlichen Tönen und einer gewissen Akzentfarbe bestehen, die über ein Accessoire oder Schuh transportiert werden kann. Der Stoff muss gut verarbeitet und belastbar sein. Ich mag Sportswear wirklich gerne. Alles, worin ich schwitzen und trotzdem gut gut aussehen kann, ist ein dickes Plus für mich. Ich mag auch Kollaborationen, bei denen Sportswear auf einen Designer trifft.

Würdest du dich als Sammler bezeichnen, wenn es um Sneaker geht?

Ich habe eine Zeit lang Sportschuhe gesammelt, das ist allerdings ein bisschen eingeschlafen. Ich mag es, meine Sammlung einfach und nützlich zu halten.

Hast du ein spezielles Lieblingsmodell?

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein großer Fan von Adidas bin. Der Superstar ist mein absolutes Lieblingsmodell.

Welches Modell würdest du für eine Kollabo wählen?

Wenn ich an einer Kollabo arbeiten könnte, würde ich den Adidas Samba nehmen. Der Schuh ist für meinen Lieblingssport essentiell: Fussball.

Welche Rolle spielt Sneaker-Kultur in deiner Heimatstadt Seattle?

Historisch gesehen begann hier alles damit, dass die hiesigen Sportstars ihre eigenen Modelle bekamen. Die offiziellen Farben sind da ohne Zweifel Grün, Gelb, Türkis und Weiß. Die »Glove’s« von Gary Payton und die Air Max Griffey sind die prominentesten Schuhe, die Seattle repräsentieren. Heutzutage kannst du uns aber in sehr vielen unterschiedlichen Schuhen antreffen. Je nachdem wo du aufgewachsen bist oder lebst, hat Seattle jede viele verschiedene Subkulturen. Manche tragen eben ihre kaputten Vans, andere wiederum ihre Jordan 3.

Was denkst du über den Hype, der gerade um Brands wie Supreme und Leute wie Kanye oder Virgil Abloh herrscht?

Der Hype um Ye, Virgil und Brands wie Supreme ist gut. Ich unterstütze Schwarze, die sich Mühe geben, die Kultur nachhaltig zu verändern. Virgil hat im Alleingang einen dahin schwindendes Nike-Modell wiederbelebt. Kanye kreiert Trends, die ihrer Zeit vier Jahre voraus sind und erst weitere vier Jahre später H&M oder Forever 21 landen. Das sind acht Jahre Einfluss! Zwei Legislaturperioden. Nichtsdestotrotz sind es am Ende auch nur Klamotten. Klamotten sollen uns vor den Elementen schützen. Viele verbiegen sich regelrecht vor lauter Sorge im die aktuellen Trends. Die richtigen Leute merken das aber. Menschen tendieren einfach dazu, sich vom Hype auffressen zu lassen.