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Am Zahn der Zeit

Sammler: Alfonso Padilla aka Docpadilla

Einen Zahnarzt mit mehr Style unterm Kittel als die meisten seiner Patienten im gesamten Schrank trifft man nicht alle Tage. Der Frankfurter Fashion-Fan Alfonso bietet neben Profilaxe auch direkt den Stylecheck abhaken.


Wie bist du zu dem ganzen Fashion- und Sneaker-Ding gekommen?

Es fing alles mit einem Nike Air Max 97 an, den ich immer noch als Beater im Schrank habe. Ich bin 48 Jahre alt und entstamme damit der Generation, die mit Hip Hop und der ganzen Streetwear-Kultur groß geworden ist. Es ist witzig, dass viele junge Leute heute denken, unsere Generation hatte mit diesen Themen nichts zu tun. Dabei sind gerade wir mit den Urgesteinen des US-Hip Hop und -R’n’B und der Techno-Szene aufgewachsen. Streetwear baut heutzutage auf all das auf. Ich war immer schon fasziniert von der urbanen Kultur und im Gegensatz zu vielen in meinem Jahrgang möchte ich meinen Stil nicht meinem Alter anpassen. Ich trage, was ich schön finde, was angesagt und bequem ist. Deswegen besitze ich auch nur Sweatpants und keine Jeans.

Als Zahnarzt gehst du einem verhältnismäßig konservativen Beruf nach – wie reagieren die Kollegen auf deinen Style?

99 Prozent meiner Kollegen haben einen sehr einfachen, gedeckten Stil. Ich bin der Meinung, jeder sollte das tragen, was er oder sie will. Ich habe seit meinem Examen immer wieder die Erfahrung gemacht, dass mit dem Diplom die Kollegen plötzlich anfangen, sich so zu kleiden, als spürten sie die Notwendigkeit, einer Rolle gerecht werden zu müssen. Ich bemerke durchaus skeptische Blicke, wenn ich bei Fortbildungen in Sneakern und in meinem eher sportlichen Look auflaufe.

Was sagen deine Liebsten zu deinem unkonventionellen Style?

Meine Familie lebt auf Kuba und hat wenig mit dem ganzen Kapitalismus und Konsum am Hut. Sie verstehen nicht viel von Trends, im Grunde genommen ist es in Kuba egal, was Mann oder Frau trägt. Zu Weihnachten habe ich meinen Neffen T-Shirts von Supreme und A.P.C. mitgebracht. Klar, sie haben sich gefreut – dennoch glaube ich, dass sich meine Neffen genauso über T-Shirts einer No-Brand gefreut hätten.

Hast du Ärzte-Kollegen, die einen ähnlichen Style fahren?

Ich persönlich kenne keinen, bin mir aber sicher, dass es in den USA oder Asien auch Zahnärzte gibt, die mit dem Thema Streetwear etwas anfangen können. Im deutschsprachigem Raum ist eher der Bilderbuch-Zahnarzt die Regel, mit zurückgegelten Haaren, in Chinos und Ralph-Lauren-Hemd.

Auf deinem Instagram-Profil sieht man Marken wie Balenciaga, Gucci oder Louis Vuitton – inwiefern hängen für dich guter Style und hochpreisige Kleidung zusammen?

Früher war es so, dass die High-Fashion-Brands sehr spießige Klamotten entwarfen, die für meinen Geschmack zu normal waren. Allerdings haben Brands wie YSL sich schon in den Sechzigern mit dem Streetwear-Gedanken beschäftigt. Das Stüssy-Logo, das von Chanel kommt oder die erste Grunge-Kollektion von Marc Jacobs sind weitere Beispiele. Heutzutage experimentieren und mischen die großen Häuser mehr mit Streetwear und dieser Begriff ist nun fest in Paris verankert. Der Preis ist mir nicht wichtig. Wenn eine Person Stil hat, ist egal, ob es Gucci oder Zara ist. Der Mensch macht die Klamotte.

Neben High Fashion sieht man bei dir auch mal Supreme oder einen Yeezy. Wie sehr wirst du vom Hype beeinflusst?

Ich muss zugeben, dass ich dem Yeezy-Hype zum Opfer gefallen bin – ich habe alle Modelle! Ich finde, dass es zu Beginn ein sehr überschätzter Schuh war, nicht zuletzt wegen Kanye West. Aber gerade V1, 500 und 700 sind neben ihrem tollen Aussehen auch sehr bequeme, alltagstaugliche Schuhe. Supreme trage ich schon sehr lange, noch vor dem ganzen Hype. Generell ist mir Hype nicht wichtig bei einer Marke. Wenn sie mir gefällt, kaufe ich sie – und wenn nicht, dann nicht.

Wie passen Streetwear und High Fashion zusammen?

Supreme x Louis Vuitton haben es vorgemacht. Und davor gab es ja schon Vetements. Die Differenzierung zwischen High Fashion und Streetwear verschwimmt immer mehr und wird irgendwann nicht mehr da sein. Möglicherweise tötet der Schritt hin zur High Fashion den Streetwear-Gedanken, wenn er nicht sogar schon tot ist. Vielleicht muss das so sein, als Teil der Entwicklung, um Platz zu schaffen für etwas Neues. So wie Puff Daddy damals mit seinem extremen Bling-Bling, Angebereien und hohlen Texten den Hip Hop zu etwas Neuem gemacht hat, wird dies auch mit Streetwear passieren. Das ist Teil der Entwicklung eines Business, denn schließlich bestimmt und beeinflusst die Gesellschaft durch ihre Akzeptanz und ihr Kaufverhalten den Fortbestand eines Trends.

Was sind deine Lieblingsbrands?

Prada, Louis Vuitton, Balenciaga, Adidas, Dior, Ambush, Supreme, Nike, Marni und Helmut Lang.

Hast du Geheimtipps jenseits der bekannten Brands?

Natürlich: AOMC, Letasca, Cav Empt, Archives und Spaghetti Boys. Bei Schuhen: Brandblack.

Wem würdest du gerne mal bei dir in der Praxis die Zähne machen?

Balvin und Luciano.

Alle Fotos stammen von Sascha Priesters aka Themoldernway.
Mehr zu Alfonso und seiner einzigartigen Sammlung findet ihr auf seinem Instagram-Account.