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Ciao Kitty!

Sammlerporträt: Alessandro von der Pink Mill

Alessandro arbeitet in Italien bei Nike an Kommunikationsstrategien für globale Kampagnen. Doch eigentlich schlägt sein Herz für »The Pink Mill« – seine eigene Mischung aus Café, Galerie und Bed & Breakfast – und seine außergewöhnliche Hello-Kitty- und Pop-Art-Sammlung.


Wie viele Hello-Kitty-Figuren befinden sich momentan in deinem Besitz?

Ich würde von etwa 80 Figuren ausgehen, dazu um die 50 Originale und 100 signierte Drucke. Ich habe vor ungefähr 15 Jahren angefangen, Kunst rund um Hello Kitty zu sammeln. Zuerst ging es um gängige Toys, bis ich bemerkte, dass alle meine Lieblingskünstler mit dieser Ikone der Firma Sanrio arbeiteten. Also beschloss ich, mich auf diesen Bereich zu konzentrieren. Mein Traum ist es, alle Hello-Kitty-Kunstwerke zu besitzen – und ich habe es fast geschafft!

Wie sind die Reaktionen deiner Mitmenschen darauf, dass du alles rund um eine Anime-Katze sammelst?

Katze?! Hello Kitty ist keine Katze! Sanrio hat das Geheimnis vor einigen Jahren enthüllt: Hello Kitty ist Hello Kitty! Ähnlich wie Gott eben Gott ist, Aliens keine Menschen sind … und einige Menschen Aliens. Es gibt viele schräge Geschichten und Deutungen um Hello Kitty – von Dämonen bis zu japanischen Geistern. Aber im Grunde genommen liebe ich sie, weil sie eine Pop-Ikone ist, noch dazu eine der bekanntesten unserer Zeit.
Zurück zu deiner Frage: Ja, die Leute sind immer wieder überrascht, es macht Spaß, das zu erleben! Aber es ist auch stets schwer zu erklären, dass es mir bei Hello Kitty um die Kunst und nicht um das Geschöpf selbst geht.

Machst du Unterschiede zwischen Spielzeug für Kinder und Toys für Erwachsene?

Spielzeuge sind etwas für Menschen! Ich denke, dass das, was ich sammle, reine Kunst ist, egal ob es sich um Produkte für Kinder oder für Erwachsene handelt. Bei The Pink Mill gibt es Kunst zu sehen – auch wenn manche Leute vielleicht behaupten mögen, es sei Kinderkram.
Alle Artikel in meinem Laden stammen von unabhängigen Künstlern oder sind Markenkooperationen mit Künstlern oder Herstellern von Kunstspielzeug.

Tom Sachs hat Hello Kitty ja bereits Ende der 90er zur Protagonistin von vielen seiner Werke gemacht.

Sachs ist wirklich inspirierend, er interpretiert unsere Welt immer mit einem leicht verstörenden, ironischen Blickwinkel und erlaubt sich auch Scherze mit seinen Werken. Seine beiden Kollaborationen sind handgefertigt und roh, aber zugleich sehr einfach. 
Zum Release seines ersten NikeCraft Mars Yard war ich bei Nike fürs Visual Merchandising verantwortlich. Was habe ich ihn damals gehasst! Das Setup war wirklich schwierig, ich habe die ganze Nacht vor dem Release im NikeLab in Mailand auf Boxen und Wände geschrieben.

Was sind deine liebsten Hello-Kitty-Kollaborationen?

Hello Kitty Fetus von Jason Freeny, Hello Kitty Custom by MAD*L, Hello Kitty × Undercover, Hello Kitty Convex Balzac Mutan Kun sowie die Werke von Buff Monster, Jeremyville, Gary Baseman und Ron English.

Gibt es einen Hello-Kitty-Gral, den du noch nicht besitzt?

Da gibt es leider mehrere, aber wenn ich wählen müsste, dann wäre es das Komplettwerk der Pose-Ausstellung während der Art Basel 2010 zum fünfzigsten Jubiläum von Sanrio. Derzeit bin ich in Verhandlungen um ein paar Hello Kitty × Nike Presto von Jun Takahashi vom Friends & Family Release 2004.

Bevor du bei Nike anfingst, hast du für einen Fashion-Store in Seoul gearbeitet. Inwiefern hat dich die Szene in Südkorea geprägt?

Ich habe vor etwa zehn Jahren für sechs Monate in Seoul gelebt. Das ist eine meiner Lieblingsstädte, sie gehört für mich zu den Top 3 in Sachen Musik und Mode. Auch die dortige Pop- und Kunstszene entwickelt sich zu einer der wichtigsten weltweit. Die Mischung aus koreanischer Kultur und globalem Hype ist so weit vorne. Tokio ist in den letzten Jahren zum Hype-Mekka geworden, aber manchmal sind sie dort zu sehr mit sich selbst beschäftigt und der Popkultur-Teil wird zu ernst genommen. Seoul hingegen ist viel offener. Derzeit lässt sich dort eine perfekte Fusion aus internationaler Mode und Kultur, globalem Hype und Mainstream-Vibes erleben. Also, um auf die ursprüngliche Frage zurück zu kommen – meine koreanische Erfahrung war sicher ein wichtiger Schritt in meinem Leben.

Neben Hello Kitty bist du offensichtlich auch Fan von Künstlern wie Kaws und Murakami?

Ich liebe Pop Art und zeitgenössische Kunst, ich liebe die Manga-Welt, ich liebe die süßen Figuren, aber ich bin auch vom Business getrieben. Die von dir genannten beiden haben es geschafft, inspirierende Dinge zu kreieren, die zugleich kommerziell sind. Ein großartiges Werk ohne Mehrwert, ohne Zugänglichkeit, das ist für mich nur eine Stilübung. Kunst ist Kommunikation, und diese beiden sind in der Lage, mit dem heutigen Mainstream-Publikum auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Mit »The Pink Mill« machst du deine Sammlung für Außenstehende greifbar. Was für ein Konzept steht hinter dem Laden?

Es ist die erste Kunstgalerie, die Hello Kitty und der Popkultur gewidmet ist. Sie befindet sich mitten in Rom im »Pastificio Mulino Pantanella«, einem renovierten Industriekomplex, der in den 70er Jahren die bedeutendste Pastafabrik Italiens beherbergte.
The Pink Mill beherbergt meine Hello-Kitty-Sammlung sowie Kunstwerke und Spielzeug, das von den coolsten Künstlern der zeitgenössischen Szene geschaffen wurde – Kaws, Obey, Gary Baseman, DRx Romanelli, Risk, Pose, Frank Kozik, Tara McPherson, Amanda Visell, Kathie Olives oder Joe Ledbetter, um nur einige zu nennen.
Unsere geheime Küche ist das pulsierende Herz der Pink Mill, eine Mischung aus Kultur und Innovation. Wir bieten dort typisch römisches Essen, kombiniert mit japanischen Einflüssen, zum Beispiel Pasta Cacio e Pepe mit Matcha-Tee, oder auch Pasta Amatriciana und Carbonara, gekocht nach alten Rezepten.
Pink Mill ist aber nicht nur eine Galerie und ein Restaurant – das gesamte Lokal kann als Veranstaltungsort und Bed & Breakfast gemietet werden. Darüber hinaus arbeite ich an der Entwicklung verschiedener Produkte, von Lebensmittelkisten mit typisch römischen Rezepten bis hin zu Kunstspielzeug mit einem lokalen Künstler.

Noch mal kurz zu deinem regulären Arbeitgeber: Welcher Nike-Schuh hat dich einst als erster wirklich umgehauen?

Vor zehn Jahren lebte ich die Sneaker-Kultur – nicht den Hype, sondern nur das Design. Ich liebte den Triple Black Nike Free 3.0 und auch den ersten Roshe. Das ist vielleicht schwer zu glauben, aber ich erinnere mich an die erste Skizze zum Roshe Run, ich habe sogar selbst daran gearbeitet, und das Ergebnis war fantastisch. Dann kam die Hype-Ära mit dem »Moonlanding« Air Max 90 und dem Air Jordan 1 × Fragment Design.

Und was waren deine Lieblings-Releases 2018?

Ich fand den Parra × Air Max 1 Friends & Family sehr cool – und ich freue mich jetzt schon auf das Comeback vom Shox!

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