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I Got You Bape

Sammlerporträt: Mike Nieuwstraten

Wir haben uns für unsere aktuelle Ausgabe vom Praise Mag mit dem passionierten A Bathing Ape Sammler Mike Nieuwstraten in Eindhoven getroffen und mit ihm über die Anfangsjahre von Bape, Nigo und Kaws gesprochen.


A Bathing Ape – kurz Bape genannt – ist seit fast 25 Jahren ein großer Name der internationalen Streetwear. Gegründet und geprägt vom Multitalent Nigo, hat das japanische Label mit seinen Designs und unzähligen Kollaborationen gerade in den frühen Jahren vieles vorweggenommen, was heute für Marken selbstverständlich ist – und ist dabei so exklusiv geblieben, dass seine Teile außerhalb Japans selbst heute noch selten im Straßenbild auftauchen. Mike Nieuwstraten aus Eindhoven gehört zu den wenigen Sammlern in Europa, die sich auf Bape spezialisiert haben. Für Praise hat Mike die Schränke geöffnet und über seine Passion gesprochen.

Wann und womit hat deine Leidenschaft für A Bathing Ape begonnen?

Ich fing 2008 damit an, Stücke des Künstlers Kaws zu sammeln und bin dabei auf die Sachen gestoßen, die er mit Nigo gemacht hatte. Damals wusste ich zwar, dass es Bape gibt, aber mehr auch nicht. Ich legte mir einen Account auf bapetalk.com zu und erfuhr nach und nach mehr über die Marke. Wie die meisten Bape-Sammler machte ich ein paar Anfängerfehler mit Fakes – einer der Nachteile dieser Marke. Auf der anderen Seite hatte ich den Vorteil, dass ich schon vorher hin und wieder über Yahoo Japan – die größte Auktionsseite dort – Autoteile gekauft hatte. Daher war es kein großer Schritt, auf der Seite auch nach Bape-Teilen zu suchen. Zu jener Zeit waren die Preise noch human, gerade für ältere Sachen, daher ist meine Sammlung recht schnell gewachsen. Was mich an der ganzen Sache sofort begeisterte, waren die Einflüsse von Nigo aus der amerikanischen Popkultur. Seine Liebe zum Beispiel zu »Planet der Affen« und »Star Wars« schlug bei mir definitiv eine Saite an.

 

Wie viele Teile umfasst deine Bape-Sammlung?

Vor einer Weile habe ich begonnen, meine T-Shirts zu archivieren – ich besitze derzeit 145 ältere Bape-Tees. Daneben habe ich viele Magazine, Promo-Material wie Flyer und Poster, spezielle Verpackungen wie die für die Campbell’s-Dosen-Shirts, aber auch Türstopper, Gläser, Figuren und vieles mehr. Eine der besten Sachen beim Sammeln von Bape ist, dass Nigo den Bapehead schon auf fast alles gebracht hat. So kommen mir bis heute die merkwürdigsten Sachen unter, von denen ich teilweise nie auch nur gehört habe. Ein aktueller Fund zum Beispiel ist eine gebrandete Box mit Bape-Camo-Ballons und den dazugehörigen Helium-Flaschen. Solche Sachen sind für mich der Antrieb, immer weiter zu sammeln.

Ist es nicht ein Nachteil, dass man – anders als etwa Sneaker – T-Shirts, Flyer und solche Dinge in einer normalen Wohnung nicht anständig ausstellen kann?

Ich habe eine große Affinität zu T-Shirts. Für mich stellen sie eine tolle Möglichkeit dar zu zeigen, worauf du stehst. Die meisten Marken fangen mit T-Shirts an, und so war es auch bei Bape. Über die Jahre haben sie Hunderte, wenn nicht Tausende verschiedene Designs veröffentlicht, für die Nigo mit einigen der besten Künstlern unserer Zeit gearbeitet hat:  Futura, Stash, Kaws, Shawn Mortensen – die Liste ist endlos. Außerdem machten sie einiges aus einem simplen T-Shirt, wie die Swarovski-Shirts oder die verschiedenen Verpackungen – etwa, Shirts in Sprühdosen zu komprimieren. Also ja: Es ist schwierig, die Sachen anständig zu präsentieren. Aber ich liebe es, sie zu tragen und durch die zu wühlen, die mir nicht passen oder die zu wertvoll zum Anziehen sind.

Du bekommst viele deiner Sachen durch Kontakte in Asien. Wie genau funktioniert das?

Lange Zeit war es unmöglich, auf Yahoo Japan etwas ohne eine japanische Adresse zu kaufen. Einige Leute dort fingen an, als Zwischenhändler zu agieren. Im Grunde läuft es so, dass man denen sagt, was genau man haben möchte, und die kaufen das dann oder bieten darauf, bezahlen den Verkäufer, bekommen die Ware und schicken sie weiter – was nicht billig ist. Anfang gab es wenige dieser Leute, oder sie waren nicht sehr organisiert, daher war es viel schwieriger. Über die Jahre haben sich Seiten wie Yahoo oder Rakuten Partner dazugenommen, um sich für ausländische Kunden zu öffnen. Es braucht ein wenig Arbeit, um alles einzurichten, aber das bleibt von hier aus der beste Weg, um dort einzukaufen – außer natürlich, du hast Familie oder Freunde dort. Ein Geheimtipp ist für mich Malaysia. Dort gibt es eine riesige T-Shirt-Kultur und viele kaufen dicke Pakete mit Shirts aus Japan. Sehr oft stecken in solchen Paketen einige der besten älteren Bape-Shirts. Daher bin ich froh, mit Saiful befreundet zu sein, einem großen OG-Bape-Sammler in Malaysia – wir helfen uns gegenseitig dabei, rare Sachen aufzuspüren.

Du sammelst nur die Teile von 1993 bis 2006 – was fasziniert dich gerade an dieser Ära?

Ich mag die Herausforderung, solche frühen Teile zu finden. Außerdem liebe ich die Geschichten dahinter, von den ersten T-Shirts, die oft noch mit dem Bügeleisen bedruckt wurden, bis zu den Swarovski-Shirts, die in Kooperation mit Läden auf der ganzen Welt entstanden. Um 2006 herum fingen sie an, verschiedene Tags für die Shirts zu verwenden und nicht mehr die ikonischen Neck-Tags – und das steckt für mich einen Zeitrahmen ab.

 

Bape hat über die Jahre mit vielen Künstlern und Marken gearbeitet. Welche Kollaborationen sind deine persönlichen Highlights?

Die Kaws-Kollaboration ist mein absoluter Favorit. Auch, weil damit für mich alles begann. Ich liebe auch die Arbeit mit der Anglermarke Daiwa und die ikonenhafte Pepsi-Kollabo. Dann gibt es schwer zu findende Projekte wie das mit Fendi, bei der es neben der offiziellen Milo-Figur noch ein paar inoffizielle Hoodies gab. Was ich dagegen überhaupt nicht brauche, ist das Projekt mit Angry Birds – was haben sie sich dabei bloß gedacht?

Wie stehst du zum Verkauf der Marke und dem Abschied von Nigo?

Ich bin nicht so hardcore, dass mich die Teile nicht interessieren würden, die nach seinem Weggang entstanden sind. Zwar denke ich, dass Nigo eine großartige Vision für die Marke hatte und ein Gespür für die besten Leute, um diese Vision umzusetzen. Doch für mich sind Leute wie Skatething oder Mankey genauso wichtig für Bape wie Nigo. Seit seinem Abschied sind unter den Sachen mehr Nieten, während es bei Nigo nur sehr wenige Ausfälle gab.

 

Was war aus deiner Sicht der Meilenstein, der Bape zur Hype-Marke gemacht hat?

Das ist passiert, als die US-Rapper die Marke in den frühen 2000ern für sich entdeckten. Davor war sie nur in Japan wirklich groß und in anderen Ländern schwer zu kriegen. Leute wie Kanye oder Pharrell brachten das auf ein neues Level.

Du sammelst nicht nur für dich, sondern auch für deine Kinder. Kaufst du ihnen auch aktuelle Sachen oder konzentrierst du dich dabei auf die Vintage-Teile?

Bape Kids ging Mitte der 2000er erst richtig los, daher versuche ich viele Teile aus dieser Zeit für sie zu finden. Um diese Zeit kamen viele der berühmten Sachen raus, wie die Sharks oder manche der BapeStas. Damals veröffentlichten sie Kinder-Versionen ihrer Erwachsenen-Linien, und so lassen sich viele schöne Teile in kleinen Größen finden. Aber selbst die sind oft sehr teuer. Daher dürfen meine Kinder manche der Sachen nur tragen, wenn Papa dabei ist.

 

Gibt es einen »Holy Grail«, der dir noch fehlt?

Mein wohl heiligster Gral zur Zeit ist ein T-Shirt mit einem großen Bild einer NGAP-Sprühdose. Davon hat Nigo nur 25 Stück von Hand bedruckt, und in all den Jahren ist mir bisher keines untergekommen. Zuletzt gab es Gerüchte, dass eines in Malaysia aufgetaucht sein soll. Außerdem gibt es diesen riesigen Apehead, den man seinerzeit nur bei den Bapepsi-Contests gewinnen konnte. Das Ding ist über zwei Meter groß, und ich bin sicher, dass meine Frau sofort die Scheidung einreicht, wenn ich damit eines Tages vor der Tür stehe!

Was müsste Bape heute anders machen, damit du aktuelle Teile kaufen würdest?

Ich mag einiges von dem, was sie in letzter Zeit herausbringen. Der »Readymade«-Release – speziell die Jacke – war unfassbar gut, leider war ich da nicht schnell genug. Die NMDs mit Adidas waren toll. Doch mir als Sammler macht es einfach mehr Spaß, mein Geld für die alten, schwer zu findenden Sachen auszugeben, darin liegt die Herausforderung. Ich liebe es, morgens Yahoo Japan aufzumachen und zu sehen, auf was für Juwelen ich stoße.

Hast du Tipps für Leute, die selber Bape sammeln möchten?

Seiten wie Bapetalk sind ein guter Ausgangspunkt, speziell der »Legit Check«-Bereich, wo man sich darüber schlau machen kann, wie sich die echten von den falschen Teilen unterscheiden lassen. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen Haufen Geld für eine Fälschung auszugeben. Ein Tipp, den ich immer gebe: auf Yahoo Japan die Begriffe »Nigo«, »Bape« und »A Bathing Ape« eingeben. Mit der automatischen Übersetzung von Google Chrome zum Beispiel kommt man auf der Seite ziemlich gut klar. Es gibt dort eine eigene Bape-Abteilung, da stehen zu jeder Zeit ein paar Tausend Teile drin. Auch alte Magazine aus Japan wie Popeye, Relax, Smart und Boon sind immer empfehlenswert. Selbst wenn nichts über Bape drinsteht, gibt es immer tolle Anzeigen von Nike und anderen Marken.

Wo wird die Marke in zehn Jahren sein?

Es scheint gerade ganz gut zu laufen, mit neuen Stores in Paris oder Los Angeles. Ich glaube, es wäre wohl am besten, wenn die Marke weiterhin recht schwer zu kriegen ist, daher hoffe ich, dass sie den Kreis der Händler klein halten. Vielleicht sollten sie Stores wie Solebox oder End eigene Camo-Muster geben, um für Exklusivität zu sorgen. Im Großen und Ganzen wäre ich nicht überrascht, wenn die Marke in zehn Jahren immer noch so am Start wäre!

Mehr von Mike gibt es auf seinem Instagram-Kanal und seinem Interview mit den Kollegen von Highsnobiety.