×

100 % Adidas

Sammlerporträt: Quote

Sammler gibt es viele, doch nur wenige legen so viel Passion an den Tag wie Quote. Der Ur-Berliner hat sich auf Adidas spezialisiert und hütet in seinen vielen Regalen einen der weltweit größten Drei-Streifen-Schätze.

Text: Björn Claus
Fotos: Denis Kuhnert

Stell dich doch bitte kurz unseren Lesern vor.


Ich bin 34 Jahre alt, gebürtiger Berliner und interessiere mich seit knapp 20 Jahren für Turnschuhe, insbesondere für die mit den drei Streifen.

Du giltst als einer der weltweit größten Adidas-Sammler. Woher rührt deine Leidenschaft für die Marke?


Am Anfang war es eine Entscheidung aus Platzgründen – alles, was keine drei Streifen hatte, musste weichen. Diese Entscheidung fiel mir relativ leicht, da mein Interesse verstärkt bei Modellen aus den 70er- und 80er-Jahren liegt, und da war und ist Adidas die erste Adresse. Es gibt einfach die größte Auswahl, außerdem sind die meisten Schuhe tragbar und vor allem bezahlbar. Bei Modellen, die heute auf den Markt kommen, hat Adidas für mich genauso die Nase vorn wie bei Kollaborationen.

Wie viele Paare umfasst deine Sammlung?


Ehrlich gesagt: Ich habe sie noch nie gezählt. Es gibt auch eine gewisse Fluktuation. Es kommen neue Modelle dazu, andere müssen gehen – ich denke, es sind so um die 350 Paar.

Gibt es einen oder mehrere Holy Grails für dich?


Die gibt es allerdings! Wenn ich durch alte Kataloge blättere, entdecke ich oft Modelle, die wie aus einer anderen Welt wirken. Diese zu finden ist nicht immer einfach. Der Adidas Silberwind ist so ein Grail für mich. Aber ich kann das nicht auf ein Modell reduzieren, bei den Hunderten Modellen und all den Lizenzprodukten, die Adidas in den letzten 70 Jahren veröffentlicht hat. Außerdem gibt es auch aktuelle Modelle, die ich unbedingt noch haben möchte – der schwarze 3D Futurecraft zum Beispiel.

Kannst du dich noch an deinen ersten Sneaker erinnern?


Wer kann das nicht? Bei mir war es ein brauner Superstar mit schwarzen Streifen. Mein erster Adidas und mein letzter Superstar! Jahre später habe ich das Modell bei Recherchen wieder gefunden und nur aus sentimentalen Gründen noch einmal gekauft. Heute ist es von DMC signiert, dem Helden meiner Jugend. So schließt sich der Kreis wieder.

Es gibt die These, dass der Osten Berlins nach der Wende ganz klar auf Adidas gesetzt hat, während der Swoosh im Westen der Hauptstadt dominierte. Wie siehst du das?


Das wäre meiner Meinung nach schon sehr überspitzt. Was den Osten betrifft: Klar, die Mauer fiel, der ZX8000 stand in den bunten Regalen und wird selbst eine Generation später noch gefeiert. Ein paar Jahre nach der Wende kam dann die Equipment-Serie, damit hat sich Adidas bei jenen Leuten vielleicht schon etwas zementiert. Aber auch im Westen – sowohl vor als auch nach dem Mauerfall – gehörten beispielsweise Basketballschuhe mit den drei Streifen zur Uniform von Sprühern und anderen. Ich war sechs Jahre alt, als die Mauer fiel, und sehe mich als Gesamtberliner im Herzen. Mit meiner Herkunft hat es jedenfalls nichts zu tun, dass ich Adidas so abfeiere.

Welcher Sneakerstore ist deine erste Anlaufstelle in Berlin?


Das ist Paul's Boutique, der Shop ist immer noch eine gute Adresse für Vintage-Sneaker. Außerdem gehe ich logischerweise zum Adidas Originals Store sowie zu No74, aber ich bin auch bei Overkill, Solebox und SNS. Meistens besuche ich die Läden allerdings nur, um Freunde zu treffen.


Vor Kurzem wurdest du zu einem Sammler-Event nach Malaysia eingeladen. Den Bildern nach zu urteilen hat man dich dort wie einen Popstar empfangen.


Malaysia war richtig krass, sogar etwas unheimlich! Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartet. Die ersten Kontakte nach Malaysia gab es schon vor ein paar Jahren, ich habe Schuhe von jemandem gekauft. Bis dahin hatte ich Malaysia immer als Dritte-Welt-Land definiert – weit gefehlt! Die Sneakerszene dort ist relativ neu, es gibt sie erst seit sieben oder acht Jahren. Die Jungs, aber auch viele Mädels sind eher jung, schätzungsweise zwischen 20 und 30 Jahre alt. Malaysia hat eine große Second-Hand Kultur, so haben einige eine beachtliche Sammlung mit teilweise sehr raren Modellen. 

Wie kam der aktuelle Kontakt nach Malaysia zustande?


Es gab eine Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, für eine Adidas-Ausstellung nach Kuala Lumpur zu kommen. Man muss sich das so vorstellen: Die Leute sind alle miteinander vernetzt, jeder kennt jeden, obwohl viele über das ganze Land verteilt sind, es gibt auch viele Inseln. Manche kamen extra für das Wochenende rüber geflogen, insgesamt 3000 Leute, richtig irre. Und gefühlt jeder von denen wollte ein Bild mit oder ein Autogramm von mir. Ich habe da alles signiert: Schuhe, Handyhüllen, Poster, Shirts, sogar ein Baby hat man mir unter die Nase gehalten! Ich habe auch noch nie so viele Quotooles (Anmerkung der Redaktion: der limitierte Adidas ZX420, den Quote 2014 mit dem britischen Illustrator Peter O’Toole veröffentlichte) an einem Ort gesehen. Generell war die Vielfalt der Modelle dort erste Sahne, sowohl bei den Vintage-Modellen als auch bei den Retros. Und alle waren unfassbar nett! 

Zurück nach Berlin: Wie siehst du die Szene dort?


Für mich ist das gar keine Szene. Als ich angefangen habe, mich für Turnschuhe zu interessieren, gab es noch das legendäre Sneaker.TV-Forum. Man hat sich zum Stammtisch getroffen und ist auch mal weit über das Schuh-Thema hinaus gekommen. Heute kommt es mir so vor, dass man nur noch mitmachen darf, wenn man Hype-Schuhe hat. Wie langweilig! Versteht mich nicht falsch, ich bin kein alternder Sneakersammler, dem das Ganze nur noch suspekt ist. Ich kenne genug Leute aus ganz Deutschland, die cool sind und vor allem Wissen und Leidenschaft mitbringen. Viele Kids heutzutage kannten Adidas vor Kanye gar nicht und profilieren sich nur über das Resellen. Nicht meine Welt, aber ich picke mir die netten Leute raus und muss auch nicht jedem Trend hinterherrennen.

Wie stehst du zu aktuellen Adidas-Konzepten wie NMD, Ultra Boost und Co?


Wie schon gesagt, ich muss Gott sei Dank nicht alles mitmachen, was so auf den Markt geschmissen wird. Ich verstehe das Konzept NMD – es trifft den Nerv der Zeit und den Geschmack der Kids heutzutage. Ich habe sogar zwei bis drei davon, da geht es für mich dann aber um den Colourway oder die Kollaboration. Yeezys sind überhaupt nicht meins – da freue ich mich immer nur, wenn die tatsächlich mal jemand trägt und nicht die Auktionsseiten damit verstopft. Von Ultra Boost bin ich seit der ersten Stunde ein Riesenfan. Das passt vielleicht nicht zu meiner Liebe für 80er-Jahre-Schuhe, aber ich feiere das extrem. Primeknit und Boost, das passt einfach. Für mich funktioniert Boost allerdings nicht bei jedem Schuh. Auch diesem ganzen Future-Thema stehe ich äußerst positiv gegenüber. Futurecraft, 3D, 4D, kein Kleber, keine Nähte, Speedfactory – das ist schon Zukunftsmusik. Ich bin gespannt, wie sich das alles entwickelt.

Wenn du deinen eigenen Adidas-Sneaker basteln könntest – wie würde der aussehen und welche Modelle würden als Inspiration dienen?


Er würde mit ziemlicher Sicherheit ganz schön geil aussehen (lacht). Ich würde mich schon an der dreistelligen ZX-Serie orientieren. Nylon, Mesh, Suede, mehr braucht ein guter Schuh nicht. Den Rest macht der Colourway und da müsste man was kreieren, was es noch nicht gab. Darin liegt die eigentliche Herausforderung – aber ich würde sie annehmen!