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Sogar ihr Hund hieß Nike

Sammlerporträt: Shoenica

Seit dem viel beachteten »Masters of Air«-Video, das zum Air Max Day 2017 erschien, sollte Shoenica einem größeren Publikum bekannt sein. Im Interview erzählt Chanica Kist von Freud und Leid des Sneaker-Sammelns, der Begegnung mit Tinker Hatfield – und dem eigenen neuen Consignment-Store im Herzen ihrer Heimatstadt Amsterdam.


Kannst du dich noch an dein erstes Paar Sneaker erinnern?

Nicht andas erste Paar, aber ich hatte als Kind definitiv Nike Tailwind, Air Sanjaya und Air Max 98. Mein Großonkel besaß in den 80ern und 90ern einen Sneakerstore in Amsterdam, und einmal im Jahr nahm mich mein Großvater dorthin mit und ich durfte mir ein Paar Sneaker aussuchen. Sie waren immer zu groß, aber ich war das glücklichste Kind, wenn ich die in der Schule trug.


Wann wurde dir klar, dass du süchtig nach Sneakern bist?

In dem Moment, als ich festgestellthabe, dass ich nicht mehr ohne mein Handy leben kann: Wenn ich morgens aufwache, checke ich als erstes alle Sneaker-Foren, um zu sehen, ob ich über Nacht etwas verpasst habe. Ich verbringe auch fast meine ganze Freizeit im Internet auf der Suche nach einem Gral, den ich noch nicht besitze.

Das »Masters of Air«-Video und die damit verbundene Reise nach Portland waren so etwas wie ein Ritterschlag für dich. Wie denkst du ein Jahr später über das alles?

Das war eine der besten Sachen, die mir in meinem Leben bisher passiert sind! Alles begann mit einem Anruf aus dem europäischen Hauptquartier von Nike. Sie hatten gehört, dass ich ein großer Fan des Air Max 1 bin und wollten wissen, ob ich mit ihnen »etwas ganz Spezielles« zum Air Max Day starten wollte. Natürlich sagte ich sofort zu! Über die nächsten Wochen folgten zwei weitere Anrufe von Nike, und am Ende sagten sie nur: »Wir kommen nächste Woche für ein Shooting vorbei.«

Du wusstest immer noch nicht, worum genau es ging?

Ich wusste nur, dass es etwas Großes sein musste. Da meine Sammlung über verschiedene Orte verteilt war, musste ich also alle AM1 zusammensuchen und in mein kleines Haus in Amsterdam bringen. Dort baute ich mit meinem Cousin ein großes Regal, um sie alle ausstellen zu können. Dann kam das Team von Nike und wir drehten den ganzen Tag. Abends gingen wir Sushi essen und erst da erfuhr ich, dass es um eine globale Kampagne zu Ehren des AM1 ging, mit »Masters« aus der ganzen Welt. Sie sagten auch, dass ich etwas für meinen Einsatz bekommen würde – dabei dachte ich an einen Nike-ID-Gutschein oder so etwas.

Und dann wurde es doch ein bisschen mehr.

Zum Air Max Day kam das Video raus und meine Social-Media-Kanäle explodierten förmlich – es war überwältigend, all die netten Kommentare. Ich fühlte mich wirklich geehrt, dabei zu sein. An dem Tag machte ich eine kleine Ausstellung meiner liebsten Air Max, und zum Abend kam jemand von Nike vorbei und überreichte mir eine Geschenkbox von Nike ID. Ich freute mich sehr, denn das Ganze war ja schon eine Weile her,und außerdem liebe ich Nike ID. Doch statt einer Nike-ID-Karte waren drei Karten in der Box, auf denen stand »Want to« »meet« »Tinker?«. Ich rastete komplett aus! Ich konnte es nicht glauben, ich würde wirklich mein Idol treffen?

Und zwar nicht irgendwo, sondern im Nike-HQ in Portland.

Ja, der Wahnsinn! Auf den Flug nahm ich – natürlich im Handgepäck – mein OG-Paar Air Max 1 mit, um es vom Meister persönlich signieren zu lassen und schrieb mir eine lange Liste von Fragen an ihn auf. Ich war auch sehr aufgeregt, all die anderen »Masters« zu treffen, die meisten kannte ich nur aus dem Internet. In Portland gab es dann eine Tour über den Nike-Campus. Wir durften sogar in die »Innovation Kitchen«, wo wir schließlich Tinker Hatfield trafen. Ich erinnere mich noch, dass er Jordan-Samples trug, die farblich zu seinem Hut passten. Am Abend gingen wir sogar alle noch mit ihm in einem Restaurant in Portland essen. Das war alles so cool, es fühlt sich heute noch an, als hätte ich es nur geträumt.

Als offizieller »Master of Air« dominiert der Air Max 1 natürlich deine Sammlung. Wieviele Paare hast du insgesamt,und welches bedeutet dir am meisten?

So um die 250 Paare. Die Animals bedeuten mir am meisten, damit fing damals alles an. Ich sah sie an jemandem,und es war Liebe auf den ersten Blick.


Wie
viele Schuhe umfasst deine gesamte Sammlung?

Es sind derzeit um die 550 Paare. Letztes Jahr konnte ich es einfach nicht mehr aushalten. Überall waren Schuhe, in meinem Haus, im Auto, selbst auf der Arbeit – das konnte so nicht weitergehen, daher habe ich jetzt einen Lagerraum. Eine der besten Entscheidungen aller Zeiten, denn nun kann ich mich in meinem Haus wieder bewegen. Beim Gedanken, welche zu verkaufen, wurde ich direkt traurig, das war also keine Option.

Welche Silhouetten sind für dich neben dem AM1 am wichtigsten?

Mir liegen alle älteren Air-Max-Modelle am Herzen. Je größer die Bubble, desto besser, aber ganz besonders der Air Max 90. Weiterhin mag ich Air Span, Nike Yeezy, Footscape, New Balance 997, Diadora N9000,  Louis Vuitton Jaspers und Dons.


Welche Marken finden sich neben dem großen N noch in deinen Schränken?

Nike ist schon immer meine Lieblingsmarke. Schon als Kind rannte ich immer komplett in Nike rum, während andere Mädchen Kleidchen trugen. Sogar mein Hund hieß Nike. Heutzutage habe ich aber auch einige Modelle von Asics, New Balance, Diadora, Karhu, Adidas und Hummel Hive in meiner Sammlung.

Amsterdam ist nicht nur deine Heimat, sondern auch die von Patta – und du hast bekanntlich jede ihrer AM1-Kollaborationen. Welche Verbindung hast du zum Store?

Ich kaufe schon immer gerne bei Patta. Sie hatten schon früher immereinzigartige Sachen dort. Heute kaufe ich dort nicht nur Sneaker – Patta ist zu meiner bevorzugten Streetwear-Marke geworden. Über die Jahre hat sich das Team kaum verändert, inzwischen kenne ich alle sehr gut. Es sind echt coole Leute mit Wissen und Herz. Patta got love for all! Sie haben mir auch bei meinem eigenen Laden geholfen, mit Ideen und Connections.

Dein Laden »Chaptr One« hat im vergangenen Jahr eröffnet. Was passiert dort?

Ich wollte schon immer meinen eigenen Sneaker-Store, daher begann ich vor etwa zwei Jahren damit, nach einem guten Ladenlokal Ausschau zu halten, aber so etwas ist im Zentrum von Amsterdam natürlich schwer zu finden. Zu der Zeit eröffneten allerdings auch Size?, Solebox und JD ihre Filialen in der Stadt und es schien wenig Sinnzu machen, einfach nur einen weiteren »normalen« Sneaker-Shop zu betreiben.

Warum hast du dich für einen Consignment-Laden entschieden?

Mir als Sammlerin fehlte so etwas, wo man seltene Produkte finden kann. Amsterdam brauchte so einen Laden. Wenn ich in den USA bin, gehe ich immer zunächst in die Consignment-Stores um zu sehen, ob ich etwas für meine Sammlung finde. In solchen Shops erlebt man immer wieder Überraschungen, es ist wie auf Schatzsuche gehen. Also habe ich Chaptr One eröffnet! Es ist toll, mein eigener Chef zu sein und dabei auch noch den ganzen Tag über Sneaker reden zu können. Wir kriegen fast täglich neues Zeug rein, das macht es so aufregend. Bei uns gibt es Supreme, Bape, Nike, Adidas, Diadora und vieles mehr. Schaut mal vorbei – die Adresse lautet Singel 417.

Letztes Jahr stand bei Nike der AM97 im Focus, dieses Jahr ist es der 98er. Korrekt, dass beide Modelle in deiner Sammlung keine große Rollespielen?

Es stimmt, ich habe nur ungefähr 15 Paare vom 97er und sechs vom AM98. Ich mag die Silhouetten, aber bevorzuge einfach andere Modelle. Ich finde sie nicht so bequem und beim 98er gab es bisher nicht so viele spezielle Releases, abgesehen von der Supreme-Kollaboration natürlich. Ich mag den ursprünglichen Colourway vom 98, aber die OGs lassen sich nicht mehr tragen, daher freue ich mich auf die Retros. Beim 97 ist es etwas anderes wegen des Jubiläums im letzten Jahr – die Modelle mit Off-White, Undefeated, Swarovski waren super, ebenso wie die Country-Camo-Ausführungen, die ich einfach haben musste.

Du hast auch Yeezys. Wenn du dich entscheiden musst: Nike Air Yeezy oder Adidas Yeezy Boost?

Ohne Zweifel Air Yeezy. Es ist witzig: Bevor Kanye West zu den Drei Streifen ging, hatte ich kein einziges Paar Adidas. Ich brauchte Jahre, um alle Air Yeezys komplett zu haben – als Kanye dann mit seinem ersten Adidas kam, ließich den Schuh erst mal stehen. Doch als es mit dem zweiten weiter ging, wurde mir klar, dass ich meine Yeezy-Sammlung weiter führen musste. Inzwischen habe ich alle und bin damit sehr happy. Ich finde den 350 sehr bequem – aber es fühlt sich immer noch ein wenig wie Verrat an, den zu tragen!