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Eartothestreet and the Three Stripes

Sammlerporträt: Till Jagla

»Mach dein Hobby zum Beruf, und du wirst keinen Tag arbeiten« – dieser Spruch könnte von Till Jagla stammen. Als Global Senior Director bei Adidas Originals Footwear, als Kopf des Labels Pacemaker Products und als Sneaker-Sammler geht es bei Till immer um den nächsten heißen Sneaker- und Streetwear-Drop – und das 24/7.


Mit welchem Schuh hat das ganze Sneaker-Ding bei dir angefangen?

Den ersten bewussten Zugang zu Turnschuhen bekam ich 1991, als Adidas die Equipment-Reihe vorstellte. Damals waren die Schuhe für mich unerreichbar, vielleicht hat das einen gewissen Ehrgeiz in mir geweckt. Ich habe mich dann viel mit Schuhen, deren Konstruktionen und Materialien auseinander gesetzt, was mir heute entgegen kommt.

Wann hast du gemerkt, dass Sneaker für dich mehr sind als nur ein Alltagsgegenstand?

Sneaker bestimmen mein Leben. Im Privatleben bin ich Sammler und könnte mich stundenlang mit Schuhen beschäftigen. Durch meinen Job habe ich das Privileg, das auch tagsüber zu dürfen. Ich bin überzeugt, dass Turnschuhe ein Teil unserer Kultur geworden sind. Natürlich geht es viel um Hype und Resellen, allerdings sind diese Punkte nicht ganz neu. Schon zu meiner Jugendzeit gab es diese Statusobjekte – ob Jacken, Denims oder halt Turnschuhe, die gesammelt oder getauscht wurden. Richtig bewusst wurde mir die Größe der Industrie allerdings erst Ende der 90er. Für mich fing damals das aktive Sammeln an.

Wie viele Schuhe besitzt du aktuell? Und wie lagerst du sie?

Ich denke, dass ich 500 bis 700 Paar habe. Vor zwei Jahren habe ich viele meiner Schuhe verschenkt, weil sie fast zu einer Belastung wurden. Der wichtigste Teil meiner Sammlung steht in einem dunklen und trockenen Lager. Da ich viele der Schuhe auch trage, habe ich immer eine Rotation bei mir in der Wohnung. Diese Rotation beinhaltet immer eine Konstante – alte EQTs, Ultra Boosts – und den Rest wähle ich meistens spontan.

War von Anfang an klar, dass du dein (Arbeits-) Leben einer Marke verschreiben wirst?

Nein, das ist irgendwie so entstanden. Adidas und ich, das war ein Glücksfall. Adidas liefert mir die perfekten Bedingungen, meine Stärken auszuspielen. Die Arbeit für solch ein dynamisches und wichtiges Unternehmen ist ein Privileg, das ich zu schätzen weiß. Ich bin Adidas sehr dankbar, dass sie mich 2010 an Bord geholt haben.

Vor Adidas hast du sieben Jahre lang bei New Balance gearbeitet. Wie war es dort?

New Balance war eine tolle Erfahrung. Ich war jung, in einem mittelständischen globalen Unternehmen mit flachen Hierarchien, und erhielt so Einblicke in Produkt, Marketing, Events, Fashion Sales und Key Account Management. Durch die kurzen Wege konnte man viel bewegen und so auf sich aufmerksam machen. Allerdings gab es auch viel Druck, da so ein kleines Unternehmen anfälliger ist – schlagen gewisse Fokus-Produkte nicht so ein wie erhofft, wackelt der ganze Apparat.

Was hat sich für dich geändert, seit du bei Adidas bist?

Die Mechanismen sind ähnlich und die Marktgesetze selbstverständlich auch. Bei Adidas hat halt alles eine komplett andere Dimension. Alles, was man anfasst, hat große Implikationen auf den Markt. Für mich ist Adidas die perfekte Brand, um mein Potential zu entfalten. Ich genieße großes Vertrauen im Unternehmen, was mir viele Türen öffnet.

Unter deiner Beteiligung sind NMD, Yung1, Kamanda, die EQT-Serie und zuletzt der Deerupt erschienen. Wo genau liegt dein Arbeitsbereich bei solchen Projekten?

Meine Aufgabe ist es, mit meinem Team Footwear-Konzepte zu entwickeln und diese zusammen mit Design und Development zu realisieren. Wenn die Schuhe fertig sind, geht es darum, die Konzepte den Kernpartnern vorzustellen, so dass alle verstehen, für wen die Projekte kreiert wurden. Jedes Konzept hat eine bestimmte Rolle zu erfüllen. Für ein Power-House wie Adidas ist es wichtig, alle Segmente des Marktes zu bearbeiten – manche sind mehr für eine Nische gebaut, andere etwas demokratischer ausgelegt. Zusammen mit Brand Communication und PR werden dann Strategien zur Markteinführung entwickelt.

Eine Menge Leute bauen auf deine Expertise – wie gehst du mit dem Druck um?

Ich kenne keinen Druck. Für mich ist es mein Leben. Ich bin seit 16 Jahren in der Industrie und meine Gelassenheit basiert auf Erfahrung. Ich habe schon vieles gesehen und extrem viel gelernt. Mir macht meine Arbeit Spaß und das produziert Kreativität, zumindest bei mir. Es ist mein Steckenpferd und ich fühle mich extrem sicher in dem, was ich tue. Und ich habe keine Angst davor, Fehler zu machen. Bei Adidas sagen wir: »You can fail, but if you fail, please fail fast and cheap«.

2016 hast du mit »Pacemaker Products« deine eigene Marke ins Leben gerufen. Woher kam die Inspiration, dich an einer eigenen Brand zu versuchen?

Ich wusste immer, dass ich irgendwann weniger Supreme, Stüssy oder andere Marken tragen will, sondern meine eigenen Produkte. Ich wollte immer etwas schaffen, was meine Tochter irgendwann stolz macht. Für mich ist Pacemaker mehr als eine Marke. Es ist ein Mindset. Wir sind kollaborativ, pragmatisch und kreativ. Wir hatten bereits Kollaborationen mit New Era, Victorinox, Sigg, Didriksons und zuletzt mit »AllUpInItt«. Jedes Projekt entstand zusammen mit guten Freunden und alten Bekannten aus der Industrie. Für die nahe Zukunft sind bereits drei weitere große Projekte geplant.

Wie grenzt du dich mit Pacemaker auf dem übervollen Streetwear-Markt ab?

Der entscheidende Unterschied ist, dass Pacemaker das Netzwerk auch anderen kreativen Köpfen zur Verfügung stellt. Pacemaker ist eine Art Hub für Leute, die kreieren wollen, aber vielleicht nicht genau wissen, wie sie es anstellen sollen. Mir ist es wichtig, dass Pacemaker als offenes Unternehmen wahrgenommen wird. Das kann so ziemlich alles bedeuten. Von klassischer Consultancy über Content Creation bis hin zu einem 360-Grad-Service-Modell. Pacemaker steht für ein klar definiertes Mindset. Wer Pace trägt, soll diesen Denkansatz fühlen und leben. Pacemaker-Träger, die durch das Logo spontan in Kontakt treten, um sich auszutauschen oder sogar zusammen zu kreieren – das wäre mein Wunsch-Szenario.

Wie bringst du das Projekt Pacemaker mit deinem Job in Herzogenaurach in Einklang?

Das ist die Frage, die ich am häufigsten gestellt bekomme. Alles easy, denn weder Adidas noch Pacemaker bedeutet für mich klassisches Arbeiten. Es ist es mein Leben. Dann habe ich fantastischen Support von vielen Leuten, wobei ich am engsten mit Wörn aka WörnDauerfeuer und Christoph aka frtwty.corp zusammen arbeite. Wir verstehen uns fast blind, das macht alles einfacher. Und natürlich kommt mir mein Netzwerk zugute – da ich viele Kunden oder Medienpartner zu meinen Freunden zählen darf, ist es für Pacemaker sicher einfacher, im Markt sichtbar zu sein, als für andere Marken.

Mehr von Till findet ihr hier:

Instagram Till Jagla

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Pacemaker Homepage