×

Make Skateboarding great again

Whatever happened to...Osiris

In unserer Rubrik "Whatever happened to..." recherchieren wir, was aus alten, erfolgreichen Marken geworden ist, die zwar den Look eines kompletten Jahrzehnts dominiert haben, aber dann schließlich von der Bildfläche verschwunden sind. Heute: Osiris.


Mitte der 90er Jahre: Während musikalisch der Crossover regiert und modisch die Klamotten nicht baggy genug sein können, stößt beim Skaten der Streetstyle mit schmalen Double-Kick-Boards und extrakleinen Rollen den König Vert vom Thron. Mittendrin in dieser Revolution ist der seit den Achtzigern in Kalifornien beheimatete schwedische Pro-Skater Tony Magnusson, der gerade wegen des tragischen Unfalltodes seines Freundes Mike Ternasky das gemeinsame Label H-Street dicht gemacht hat.

Auf der Suche nach neuen Herausforderungen gründet er 1993 mit einigen Ex-H-Street-Teamridern und dem Designer Brian Reid die Firma Evol Skateboards. Anfangs auf Bretter konzentriert, präsentiert man 1995 unter dem Namen Evol Casuals einen ersten Performance-Schuh. Der schlägt zwar ein wie eine Bombe und verkauft sich prächtig, doch sieht sich Magnusson aufgrund von Rivalitäten in der Skate-Szene dazu gezwungen, seine Marke auf Eis zu legen, um sie Ende 1996 als Osiris – benannt nach dem ägyptischen Herrscher der Unterwelt – auferstehen zu lassen.

Neben Magnusson als Developer und Reid als Chefdesigner kommt Skate-Pro Dave Mayhew neu ins Kreativ-Team. Das erste Resultat der Zusammenarbeit, Mayhews Signature-Modell »D3« von 1996, ist ein so noch nicht gesehener Mix aus Basketball-Schuh und Snowboard-Boot, der mit allerlei Polsterungen und technischen Features ausgerüstet ist – und sechs Jahre lang wie Blei in den Regalen der Skateshops liegt. »Dave und ich liebten Hip Hop und natürlich trugen wir Oversized-Shirts und -Pants. Der ganze Baggy-Skater-Look war in seiner Hochphase. Was allerdings nie zum Outfit passte, waren die stets zu schmalen Schuhe«, erinnert sich Reid in der Skate-Footwear-Bibel »Made for Skate« an den D3. 2001, kurz bevor der Schuh endgültig aus dem Programm genommen werden soll, gehen die Verkaufszahlen – befeuert durch eine neue Generation von Skatern und Musiker wie den Limp-Bizkit-Sänger Fred Durst – von einem Tag auf den anderen durch die Decke. Das Modell wird weit vor anderen Modellen wie dem »Bronx« und dem »NYC 83« zum oft kopierten Label-Klassiker und einem der meist verkauften Skateschuhe aller Zeiten. Osiris macht auch durch Kollaborationen mit Creature Skateboards, Del Tha Funky Homosapien oder dem Streetart-Künstler Huit von sich reden, bevor es nach dem Ausstieg von Dave Mayhew in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre ruhig um die Marke wird. Aufgrund brach liegender Instagram- und Facebook-Accounts vermutet das Skate-Magazin Thrasher Anfang 2018 gar das Aus für Osiris.

Where are they now?

Ein Gerücht, das sich als unbegründet herausstellt. Waren breit geschnittene New School-Botten in den vergangenen Jahren noch ein modisches No-Go, dreht sich der Wind im Zuge des Baggy-Revivals und des Dad-Shoe-Hypes wieder ganz ordentlich. Jüngstes Beispiel für ein neues Interesse an Osiris ist der Kollaborations-Sneaker von A$AP Rocky und Under Armour, dessen frappierende Ähnlichkeit mit der 2001er Variante des »D3« daher rührt, dass der Schuh nach Aussage des Rappers auch tatsächlich Pate für die Zusammenarbeit stand. Ein Move, der von Osiris schlicht mit dem Statement »Sagen wir so – es hätte anders laufen sollen …« kommentiert wird. Für 2019 stehen nun eine ganze Reihe neuer Osiris-Modelle in den Startlöchern, darunter eine Runner-Version des »D3 2001«.

Text: Andreas Grüther