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Comeback?

Whatever happened to…X-Large?

In unserer neuen Serie beschäftigen wir uns mit Streetwear- und Sneaker-Labels, die den Look einer Generation prägten, mittlerweile aber von der Bildfläche verschwunden sind. Andreas Grüter fragt »Whatever happend to…? X-Large«

X-Large? Wer war das noch gleich? Genau: Der Holy Grail der ersten Streetwear-Welle, die wahre Essenz der Straßenkleidung with Attitude. 1991 gründeten die Brüder Eli und Eric Bonerz – Söhne des Hollywood-Serienstars Peter Bonerz – den ursprünglich als Hole-in-the-Wall gedachten Shop für eigene Shirt-Entwürfe, Vintage-Sneaker, Skateboards, Fanzines, Gadgets und schräge Accessoires in Los Angeles. Doch das Label mit dem legendären Gorilla-Logo, das bekannt für seine Printdesigns mit den verschiedenen Popkultur-Metaebenen war, ging schnell durch die Decke – nicht zuletzt dank der Beastie-Boys-Connection (»Die Jungs wohnten um die Ecke und waren einfach Teil der Gang«). 
Bereits zwölf Monate, eine erste richtige Kollektion und den Einstieg von Mike D später eröffnete man einen zweiten Store in Tokio. Es folgten eine Reihe weiterer Shops in den international wichtigsten Städten sowie 1994 der Launch der von Kim Gordon (Sonic Youth) entworfenen X-Girl-Linie, für die Chloë Sevigny zeitweise modelte. Bei all dem bewahrte Eli, nach dem Weggang von Eric hauptverantwortlicher X-Large-Strippenzieher, stets eine handfeste Indie-Haltung und schmetterte nicht nur diverse Kaufangebote großer Player, sondern auch reihenweise Kollabo-Anfragen verschiedenster Majorbrands ab, während er als Coverdesigner und Videoproduzent für u. a. die Beastie Boys und The Crystal Method seine Nerd-Spielwiese konstant weiter ausbaute. Das große Streetwear-Sterben Ende der 90er-Jahre sorgte schließlich auch bei X-Large für Auflösungserscheinungen, so dass das Label fünf Jahre später ziemlich von der Bildfläche verschwand.

Where…are they now?


Mittlerweile gibt es gute Nachrichten aus dem Hause X-Large: Nach dem 2005er Verkauf an die japanische B’s International Gruppe (u. a. auch Milkfed, Silas, Lakai und Incase) und den Rückzug auf den asiatischen und US-amerikanischen Markt ist X-Large auch im 25. Jahr alive and kickin’. Neben Kollabos mit Brands wie The Hundreds und Chocolate Skateboards ist zum Jubiläumsjahr dieser Tage mit dem „True OG Streetwear“-Buch ein wilder Run durchs Labelarchiv erschienen. Während Eli seit einigen Jahren erfolgreich Möbel und Wohnaccessoires entwirft, verlaufen sich Erics Spuren in den Tiefen des Musikbusiness Hollywoods. Ob und wann X-Large nach Europa zurückkehrt, steht allerdings in den Sternen.