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Ein schlechter Abklatsch

Calvin Klein kopiert Adidas

Wir kennen es von den meisten Fast-Fashion-Anbietern: Modehäuser greifen das Design gut gängiger Sneakermodelle auf, verändern es leicht und fügen es als qualitativ minderwertige Alternative ins eigene Sortiment ein. Jedoch bediente sich kürzlich auch die Brand Calvin Klein einer Adidas-Silhouette, um die eigene Produktpalette zu erweitern.


Es gibt in der Sneakergeschichte Klassiker, die neue Maßstäbe gesetzt haben. An Silhouetten wie Converse‘ All Star oder Adidas‘ Stan Smith führt kein Weg vorbei. Beide verfügen über ein reduziertes Design und kommen ohne viel technisches Know-How aus. Das macht sie zu einer Basis, auf die auch andere Brands, vor allem aus dem Lifestyle Segment, zurückgreifen. Und das ist okay so – man muss das Rad schließlich nicht neu erfinden.

Sobald jedoch Silhouetten mit auffälligen Designelementen wie beispielsweise der Air Max 90 als „Inspiration“ dienen, löst das Endprodukt bei Sneakerfans Kopfschütteln aus. Der Jordan 1 Hype brachte zahlreiche Neuinterpretationen des Klassikers in die Schaufenster bekannter low-budget ‚Boutiquen‘. Für jemanden, der mehr als bereit ist, die Nike Botten zum regulären Preis zu erwerben, ist dies eher unverständlich. Nur zu gerne werden die „Fakes“ belächelt. Jedoch muss man auch bedenken, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, für die ein 150-Euro-Schuh nicht erschwinglich ist. Deshalb ist es mehr als akzeptabel, dass ähnliche Design ohne Branding zu einem geringen Preis angeboten werden.

Calvin Kleins ‚Lex Trainer‘ hingegen fällt in eine ganz andere Rubrik. Für 180 Euro kann der extravagante Besserverdiener die Optik des Adidas Twinstrike ADV im Calvin Klein Mantel sein Eigen nennen. Dies ist der gleiche Preis, den auch Adidas regulär für den Sneaker ansetzt.

Adidas bietet dem Kunden mit dem Twinstrike ADV einen qualitativ sowie technisch hochwertigen Sportschuh in einem charakteristischen Design. Man erhält für beinahe zwei Scheine also ein solides, durchdachtes Dämpfungssystem von einer marktführenden Sportswear-Brand.

Der Lex Trainer ist sicherlich keine identische Kopie, jedoch wurden elementare Designelemente übernommen. Dazu zählt die aus mehreren Blocks bestehende Sohle, die dicken Schnürsenkel, die modularen Leder-Applikationen auf dem Upper sowie das grobe Mesh im vorderen Fußbereich. Die Fashion-Brand grenzt sich mit ihrem Lex Trainer hauptsächlich durch einen großen „Calvin Klein Jeans“-Schriftzug und einem Logo-Branding auf der Zunge ab. Adidas setzte beim Twinstrike ADV hingegen auf Understatement.

Unterm Strich bezahlt der Calvin Klein Kunde also vor allem für den Namen, denn der Fashion-Sneaker kann nicht mit qualitativ hochwertigen Materialen argumentieren. Auf die schlechte Nachahmung der Performance-Sohle muss zudem nicht näher eingegangen werden.

Wir können dazu nur sagen: Wer mit dem Gedanken spielt, den Lex Trainer zu kaufen, sollte doch lieber den Twinstrike ADV wählen oder 170 Euro an Greenpeace spenden und sich vom übrigen Geld ein Paar H&M Botten holen. Dann wäre wenigstens ein Großteil des Geldes gut investiert und die Füße bekleidet. Flexen kann man mit diesen Tretern trotz des Markenlogos ohnehin nicht. Denn wer sich für Calvin Klein begeistert, wird den Lex Trainer wohl eher für einen designtechnischen Unfall halten.