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Für immer Stigmatisiert

Vetements Spring/Summer 2019 »Georgian War«

Demna Gvasalia präsentiert seine kommende Kollektion auf der Fashion Week in Paris und nimmt uns mit auf eine düstere Zeitreise zurück in den Bürgerkrieg seines Heimatlandes Georgien. Der Fashiondesigner gehört zu den gefragtesten Menschen in seiner Branche. Neben Vetements arbeitet er als Kreativdirektor für Balenciaga. 


Klassische Reebok-Laufschuhe werden durch Spikes zweckentfremdet und zu regelrechten Kampfmaschinen an den Füßen umfunktioniert, masochistische Sturmmasken-Outfits huschen mit schweren Boots über den Laufsteg, Parkas im Uniform-Look erinnern an die Armee, Goth-Elements in Form von großflächigem schwarzen Leder stechen während dem Run immer wieder ins Auge, Statement-Prints wie die georgische Flagge in Regenbogenoptik oder ein Fadenkreuz-Print direkt auf der Brust sprechen für sich. Zwischen der ganzen Dominanz finden sich »naive« Outfits, wie Blumenprints oder Miniröcke. Ein Brautkleid, dass für eine verschleierte Identität steht, beendet die Show.

 

Demna Gvasalia inspiriert sich bei dieser traurigen Kollektion an seiner Jugend in Georgien und stellt sich das erste Mal öffentlich seinen Ängsten. Es ist seine persönlichste Show bisher. Sein Bruder und er sind in den 1990er Jahren im Kaukasuskonflikt aufgewachsen, zwischen einschlagenden Bomben. Die Bevölkerung litt an Vertreibung, Umbenennung der Ortschaften und Familiennamen. Die Folgen des Bürgerkriegs waren verheerend. Rund 200.000 Menschen flohen und mehrere tausend starben. Mittlerweile lebt der Künstler in Paris.

Laut Demna hat sich diese besondere Kollektion auf seinen Reisen zurück nach Georgien selbst geschrieben. Er überträgt seine Kindheitserinnerungen und seine damit damit verbundenen Gefühle auf Kleidung, die er selbst erschafft und ganz diesem Jugendtrauma widmet. Beispielsweise wählt er für die Stücke gigantische Proportionen. Damals war es üblich, dass Kleidung – vor allen Dingen bei Kindern – weitergegeben wurde, sobald sie rausgewachsen waren. Seine Erinnerungen ziehen sich durch die ganze Show, so auch die enorme Menge an Schulterpads in den Jacken, die seine Oma heute noch verwendet.

 

Das Flair einer östlichen europäischen Jugend-Hochzeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Setting. Ein paar zusammengeschobene Esstische in U-Form, umarmt von weißen Plastikstühlen und geschmückt mit weißen Tischdecken dienen unter einer Autobahnbrücke im düsteren Teil von Paris als Runway. Unterlegt wird das Ganze mit schmetternder Technomusik.

Circa 40 georgische Models laufen mit ernsten Gesichtern über den Techno-Runway, die der Designer in einem Street-Casting auswählt. Demna ist bekannt dafür »normale« Menschen in seine Kollektionen einzubringen.

 

Die Kollektion ist eine Stimme für junge Menschen, die in unterdrückten politischen Regimes leben, in denen sie nicht demonstrieren dürfen, kein Recht auf eine eigene Meinung haben und es keine echte Freiheit gibt. Gleichzeitig setzt sie ein Mahnmal und fordert Menschen dazu auf, für ihre Freiheit zu kämpfen.

 

»Erasing of Identity« - Auslöschen der eigenen Identität.

 

Das sagt die Redaktion

 

Kleider die Geschichten sprechen. Auf den ersten Blick wirkt die kommende Kollektion skurril in Zusammenang mit Designer Demna. Im Anbetracht der Geschichte ist es jedoch ein gelungenes und sehr in sich geschlossenes Projekt. Demnas Art, an eine #MeeToo-Kampagne heranzugehen.  

 

 

Fotos von WWW - Women's wear Daily. Hier geht's zu allen Bildern.